Koks-Bericht Thierse erteilt Ulrich Meyer Hausverbot

Einen besonders genauen Blick hatte Sat.1-Journalist Ulrich Meyer in die Toilettenräume des Bundestags geworfen und über reichlich Kokain-Spuren dort berichtet. Ein Jahr lang darf er jetzt nicht mehr im Parlament arbeiten.


Ulrich Meyer
SAT.1

Ulrich Meyer

Berlin - Auch Martin Lettmayer, einem weiteren Reporter des Sat.1-Magazins "Akte 2000", erteilte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse das Hausverbot. Die beiden dürften für ein Jahr nicht mehr journalistisch im Parlament arbeiten, teilte der Bundestag am Donnerstag mit. Damit habe Thierse "nach Erörterung in Präsidium und Ältestenrat" auf Verstöße Meyers und Lettmayers gegen die Hausordnung und die Zugangs- und Verhaltensregeln reagiert.

"Akte 2000" hatte vor gut zwei Wochen berichtet, in 22 von 28 Reichstagstoiletten Kokain-Spuren gefunden zu haben. Lettmayer hatte mit Tüchern Proben auf den Toiletten genommen und dort auch gefilmt. Der Bericht hatte ein heftiges Medienecho, aber auch Kritik an der Art der Recherche ausgelöst.

Der Bundestag argumentierte nun, die Filmaufnahmen seien ohne Erlaubnis gemacht worden. Thierse habe für sein Hausverbot auch die Entscheidung der Berliner Staatsanwaltschaft vom Mittwoch bedacht. Diese hatte darauf verzichtet, ein Ermittlungsverfahren wegen der Kokain-Funde einzuleiten und dies mit fehlendem Anfangsverdacht begründet.

Die Justiz sehe in den "Wischproben" keine ordentliche Beweiserhebung, erklärte der Bundestag. Im Ältestenrat sei auch darauf hingewiesen worden, dass die Bundespressekonferenz zu dem Vorgehen Lettmayers erklärt hatte, diese Arbeitsweise entspreche nicht der von 900 in der Vereinigung organisierten Journalisten.



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