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Röttgen-Rausschmiss Ade Musterschüler!

Der Rauswurf des Umweltministers Norbert Röttgen aus der Bundesregierung ist ein Akt der maximalen politischen Demütigung. Angela Merkel demonstriert damit Härte. Doch das Drama um den einstigen Star ist ein weiteres Zeichen für die Zerfallserscheinungen in der schwarz-gelben Koalition.

Und wieder ist einer gefallen, ein Star, ein Musterschüler. Wieder war da einer, der zu viel wollte. Ein Schlauer. Einer, der dank seines Ehrgeizes blitzartig Karriere machte in der CDU von Angela Merkel. Umweltminister, CDU-Landeschef, Führungsreserve, so nannten sie ihn. Kanzlertauglich. Donnerwetter.

Aus, vorbei. Umweltminister Norbert Röttgen ist über seine eigenen Ambitionen und über seinen Hang zum Taktieren gestolpert. Er hat andere gerne spüren lassen, dass er sich für überlegen hielt, viele politische Freunde hatte er deshalb schon lange nicht mehr. Die Restschar seiner Unterstützer verdampfte nach der Blamage von NRW. Wenn einer immer alles besser weiß, es dann aber nicht besser macht, wird irgendwann gnadenlos abgerechnet - das ist in der Politik genauso wie im richtigen Leben.

Die Kanzlerin musste von Röttgen abrücken. Sein Versuch, die Wahl in NRW zu einer Abstimmung über ihre Euro-Politik zu machen, war ein Akt der Illoyalität. So wenige Tage vor der Wahl wussten alle, dass er es verbockt hatte, doch er versuchte noch, sie mit hineinzuziehen - das konnte sie ihm nicht verzeihen.

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Norbert Röttgen: Absturz eines Musterschülers

Foto: dapd

Chaosmanagement bei der Energiewende

Dann die Energiewende: Mehr und mehr zeigte sich, dass Röttgen zwar ein Meister der Ankündigungen ist, doch bei der Umsetzung dieses gigantischen Projekts kaum Erfolge vorzuweisen hatte. Die Wirtschaft stöhnte seit Wochen über das Chaosmanagement der schwarz-gelben Koalition. Merkel muss sich um den Euro kümmern - sie braucht deshalb jemanden, der das Projekt Energiewende zumindest einigermaßen geräuschlos organisieren kann. Sollte das die lahme Ente Röttgen besorgen?

Unvorstellbar. Nachfolger Peter Altmaier ist eindeutig die bessere Wahl.

Und dann noch Horst Seehofer: Nach dem polternden Auftritt des CSU-Chefs im ZDF musste Merkel fürchten, dass ein längeres Festhalten an Röttgen zur Last für ihre gesamte Koalition geworden wäre. Letztlich war Seehofers kalkulierter Zornesausbruch im ZDF nichts anderes als eine unverhohlene Aufforderung an Röttgen zum Rücktritt. Wenn einer dann nicht selber gehen will, muss er eben gegangen werden.

Röttgens politisches Ende ist ein Einschnitt, auch für Merkel. Nun zeigt sie sich von ihrer brutalen Seite, den Rauswurf eines Kabinettsmitglieds hätte ihr bis jetzt wohl kaum jemand zugetraut. Damit ist auch ein Signal an die eigene Minister-Truppe verbunden: Es wird wirklich ernst für Schwarz-Gelb, viele Fehler kann sich diese Regierung nicht mehr erlauben. Wenn sie bei der nächsten Wahl noch eine Chance haben will, muss jetzt durchregiert werden.

Koalition auf wackligen Füßen

Es zeigt sich, auf welch wackligen Füßen diese schwarz-gelbe Koalition steht: Merkel mag dank guter Umfragewerte immer noch der Fels in der Brandung sein, doch sie führt eine Koalition mit zwei Partnern, die ums nackte Überleben kämpfen.

Und wieder ist einer gefallen. Man kann die Namen der Gescheiterten in der Union schon alle nicht mehr aufzählen. Angela Merkel ist jetzt ziemlich allein in dieser Partei. Es bleiben noch Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière als potentielle Nachfolger - dann kommt lange nichts.

Natürlich kann man sagen, das ist Merkels Schuld. Aber man kann auch sagen, das ist der Gang der Dinge. Der Union geht es wie jeder Regierungspartei, sie zerfällt bei der Arbeit. Auf der Strecke wird die Mannschaft aufgerieben, bis am Ende kaum noch jemand übrig bleibt.

Von Angela Merkels Regierungszeit wird sich diese Partei lange nicht erholen.