Kommentar Sammelt Schwarzgeld - es lohnt sich!

Helmut Kohl hat wieder einmal Recht behalten. Er habe der Partei mit seinen schwarzen Konten nur Gutes tun wollen, beteuert der Altkanzler seit Ausbruch der Spendenaffäre. Und tatsächlich: Die CDU hat an der Affäre verdient.

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Da wären: Die rund zwei Millionen, die Kohl schwarz für die Partei bunkerte. Die mindestens 6,3 Millionen, die Kohl nach der Affäre als "Wiedergutmachung" sammelte. Schließlich die acht Millionen aus der Solidaritätsaktion der CDU-Anhänger. Macht zusammen 16,3 Millionen Mark.

Dagegen stehen läppische zehn Millionen, die die Partei von ihren staatlichen Zuschüssen zurückzahlen musste. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte weitere 41 Millionen Mark Strafe gefordert. Das Berliner Verwaltungsgericht hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, und CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer frohlockte: "Das ist ein guter Tag für die CDU."

Ein guter Tag für die CDU, ein schlechter für die Demokratie: Nicht nur sind die Strippenzieher der Affäre bislang ungestraft davon gekommen. Nein, sie werden auf diesem Wege resozialisiert, indem das Verwaltungsgericht die ominöse Spendensammlung nicht ahndet. .

Die Mitleidstour der Unionschristen hat sich also gelohnt. Es ist wie mit einem Kind, das heimlich Süßigkeiten klaut und - wenn von der Mutter entdeckt - die Verwandtschaft anruft und bettelt: "Ich leide an Unterernährung." Schickt die Oma dann Schokolade, weiß das Kind, wie es zu mehr kommt.

Das Gerede vom Bankrott der Adenauer-Partei, vom Niedergang der großen Volkspartei, ja gar von der gefährdeten Balance zwischen Rechts und Links - es hat gewirkt. 1999 konnte die CDU mehr Großspenden (über 20.000 Mark) für sich verbuchen als alle anderen Parteien zusammen. Die Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht öffentlich, aber alles spricht dafür, dass die Union ihren Rekord wiederholen konnte.

Laurenz Meyer sollte dem großen Gönner Kohl danken. Und ihm bei der Gelegenheit einen Koffer mit einer halben Million Mark überreichen. Damit Kohl die Hypothek auf seinen Bungalow in Oggersheim, die er für seine eigene Spende an die CDU aufgenommen hat, zurückzahlen kann. Er hat es sich redlich verdient.



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