Schwarz-Grün geplatzt Die Radikalinski-Falle

Schwarz-Grün wird nichts, weil die schwachen Grünen Angst vor Angela Merkel haben. In der Opposition könnte sich die Partei bald radikalisieren. Das wäre fatal, denn spätestens in vier Jahren muss sie bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Sondierungsdelegation der Grünen: Ende eines lohnenden Experiments
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Sondierungsdelegation der Grünen: Ende eines lohnenden Experiments

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Schwarz-Grün klappt nicht. Die schwächliche neue Grünen-Führung unter Noch-No-Names wie Anton Hofreiter und politischen Super-Softies wie Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir wäre zwischen den Wahnsinnsobersuperprofitaktierern Angela Merkel und Horst Seehofer wohl so gnadenlos untergegangen wie einst der nette Dr. Rösler. Das wussten die Grünen, deshalb haben sie sich gesagt: Wir lassen's lieber. Es ging um die Personen, mit Inhalten hat das Scheitern der schwarz-grünen Sondierungen nichts zu tun, das sind nur vorgeschobene Argumente.

Die Grünen haben nun zwei Optionen: Die eine ist, sie machen sich in der Opposition locker und bereiten ein mögliches schwarz-grünes Bündnis in den nächsten Jahren vor. Wenn Hofreiter und andere ein wenig mehr an Statur und Einfluss gewonnen haben, könnte dies möglich sein. Schwarz-Grün wäre ein lohnendes politisches Experiment, Deutschland könnte davon profitieren. Das wäre gut.

Die andere Option der Grünen ist weniger verheißungsvoll: Sollte es nun tatsächlich zu einer Großen Koalition kommen (bei der SPD weiß man ja nie), besteht die Gefahr, dass sich die Grünen in der Opposition radikalisieren. Diese Entwicklung ist trotz anderslautender Bekundung von Göring-Eckardt und Co. real: Neben Gregor Gysi und den Lautsprechern der Linkspartei bleibt nicht viel Platz für die Grünen, um aufzufallen. Die Versuchung ist groß, vor allem die Union scharf anzugreifen, sich wieder mehr von ihr abzusetzen. Damit aber wäre die schwarz-grüne Perspektive wohl dauerhaft verbaut.

Was bliebe dann eigentlich? Die Linke wird ebenfalls versuchen, die SPD hart anzugreifen. Statt Rot-Rot-Grün als Option zu entwickeln, würde hier der gegenteilige Effekt eintreten - eine weitere Entfremdung zwischen SPD und Linken. Auch diese Bündnisoption wäre dann verbaut.

Zurzeit wird viel darüber gesprochen, dass SPD und Union in der Großen Koalition so bequeme Ausstiegschancen hätten - aber es kann eben auch in genau die andere Richtung gehen. Wenn die kleinen Parteien ihre Bündnisfähigkeit verlieren, wird die Große Koalition zum Dauerzustand. Wenn die Große Koalition zum Dauerzustand wird, radikalisieren sich die kleinen Parteien nur noch weiter, es entstehen womöglich neue kleine Radikalinski-Parteien - siehe Österreich.

Die Grünen haben es jetzt in der Hand, welchen Weg sie gehen wollen. Eine Große Koalition für vier Jahre mag sinnvoll sein. Aber dann muss auch spätestens Schluss sein. Auch an diese Verantwortung sollte die Partei denken.

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Seite 1
paris75001 16.10.2013
1. Die Grünen wollen doch gar nicht regieren
Die Grünen wollen doch gar nicht regieren. In dieser Partei sind doch nur Ahnungslose Träumer, die die reale Welt nicht wahr haben wollen. Das sind Schwätzer. Als bevorzugen sie die Opposition, denn nur dort können sie munter Irrgespinnsten nachlaufen.
exterminate 16.10.2013
2.
---Zitat--- Es ging um die Personen, mit Inhalten hat das Scheitern der schwarz-grünen Sondierungen nichts zu tun, das sind nur vorgeschobene Argumente. ---Zitatende--- Und wenn schon. Es wurden ja auch Personen gewählt und nicht Inhalte, sonst hätte die CDU an der 5%-Hürde scheitern müssen. Man fragt sich zwar, was denen da draußen ins Trinkwasser gemischt wurde, damit sie tatsächlich Merkel wählen, aber da "Regieren" in diesem System sowieso lediglich bedeutet, die Interessen der Ausbeuterkaste gegen das Volk durchzusetzen, ist es auch vollkommen egal, wer das letztendlich tut.
Christian Lenhardt 16.10.2013
3.
Der Autor spielt hier munter Kombinationen durch, als ob die Inhalte egal wären, vergisst jedoch dass nur bei SPD und CDU selbiges der Fall ist. Die SPD kritisiert alles was die CDU macht, sobald sie an der Regierung ist macht sie aber genau das selbe. Und zwar deshalb, weil diese Parteien extern von der Wirtschaft geführt werden. Die Grünen, die Linke und die AFD sind, auch aufgrund ihrer Größe, noch nicht dermaßen für die Konzerne interessant, dass es sich für die Konzerne lohnen würde sie zu infiltrieren, wie sie das bei CDU und SPD erfolgreich gemacht haben. Solange die Parteien noch nicht infiltriert sind geht es immer noch um INHALTE, und dass die Grünen da inkompatibel zur CDU sind, das macht sie zu einer echten politischen Partei. Achja, und die große Koalition wird garantiert niemals zu einem Dauerzustand, weil die Leute dann zu unvorhohlen präsentiert bekommen, dass sie von der Wirtschaft regiert werden. Langfristig würde die große Koalition zum politischen Ende von CDU und SPD führen. Somit: nur her damit, je schneller man mit Vollgas gegen die Wand fährt, desto eher kommt das Ende.
plasmopompas 16.10.2013
4.
Zitat von paris75001Die Grünen wollen doch gar nicht regieren. In dieser Partei sind doch nur Ahnungslose Träumer, die die reale Welt nicht wahr haben wollen. Das sind Schwätzer. Als bevorzugen sie die Opposition, denn nur dort können sie munter Irrgespinnsten nachlaufen.
Falsch! Die Grünen haben nur bemerkt, das mit der Union eine ökologische, sozial ausgewogene Politik nicht möglich ist. An der Spende der Familie Quandt sieht man ja wem die Union verpflichtet ist.
Tahlos 16.10.2013
5. Die Grünen
"MÜSSEN" in den nächsten 4 Jahren Verantwortung übernehmen? Das hört sich so zwangsläufig an - ist aber bei den gerade mal 8% keineswegs so sicher, wie es der Autor hier schreibt. Erstmal scheint der jahrzehntelang Bann der Schwarzen über die Grünen im Sinne des Machterhalts gebrochen zu sein - weil man miteinander verhandeln durfte. Das ist von beiden Seiten mehr, als man eigentlich ideologisch von der Gründung her erwarten könnte. Aber was tun, wenn das Geld ruft? Es mag für die Basis der Grünen sicherlich richtig sein, dass die irgendwann wieder mal mitregieren wollen, aber zwangsläufig ist das im Grunde keinesfalls. Es kommt wohl eher auf die Entwicklung der Parteienlandschaft an, ob sich wieder eine weitere Gruppe etablieren kann. Die Grünen kann auch ganz schnell das Schicksal der FDP ereilen. Würde man sie wirklich vermissen?
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