Finanzskandale Die Pattex-Banker

Immer neue Verfahren und Strafen, auch deutsche Institute müssen zahlen - ein Ende der Skandalserie ist nicht absehbar. Dabei müssten Bankenchefs seit ihrer Rettung durch den Steuerzahler denselben Regeln gehorchen wie Politiker. Jeder Minister wäre längst gegangen.

Bankenviertel in Frankfurt: Banken sind Teil der Öffentlichkeit geworden
dpa

Bankenviertel in Frankfurt: Banken sind Teil der Öffentlichkeit geworden

Ein Kommentar von


In seiner vermutlich besten Bundestagsrede hat Norbert Röttgen ganz zu Anfang der Finanzkrise erklärt, warum Staaten Banken retten müssen, auch mit Milliarden an Steuergeldern, auch aus selbst verschuldeter Notlage.

"Funktionierende Banken sind ein öffentliches Gut", sagte der CDU-Politiker im Herbst 2008. Und für den Erhalt öffentlicher Güter ist der Staat zuständig, der dafür Steuern erhebt und ausgibt. Der Gedanke trug: Wenn die Banken in Reihe scheitern, steht mehr im Feuer als bedauernswerte Privatfirmen samt ihrer Arbeitsplätze. Denn der Schaden zieht alle Bürger in Mitleidenschaft, weshalb sie in Mithaftung zu nehmen vertretbar wird.

So stieg das Bankensystem vor aller Augen auf in den Rang eines Verkehrsnetzes oder einer funktionierenden Justiz, allesamt öffentliche Güter, deren Hüter der Staat ist. Milliarden wurden mobilisiert, nicht nur die deutschen Banken entgingen der Kernschmelze.

Die meisten Bürger haben das zähneknirschend eingesehen. Wichtige Bankenchefs noch immer nicht. Das ist ein Skandal.

Denn die Chefs der großen Banken, die der Deutschen Bank vornweg, wollen eines nicht begreifen. In dem Maße, wie ihr Gewerbe zum öffentlichen Gut geworden ist und sie von dieser Neudefinition massiv profitiert haben, sind auch sie selbst zu öffentlichen Figuren geworden -unabhängig davon, ob ihre jeweilige Bank teilverstaatlicht wurde oder nicht. Und weil sie Teil der Öffentlichkeit geworden sind, haben sie deren Gesetzen zu gehorchen. Es sind die Gesetze der Politik.

Dazu gehört der Rücktritt. Manche Politiker müssen gehen, wenn ein Ermittlungsverfahren gegen sie eröffnet wird. Andere, wenn Anklage erhoben wird. Und die letzten schließlich, wenn sie rechtskräftig verurteilt werden. Immer aus demselben Grund: Weil es sich nicht verträgt mit dem öffentlichen Amt. Weil es den Ansprüchen nicht genügt, die die Öffentlichkeit zu Recht erhebt. Und weil nur so ein glaubwürdiger Neuanfang möglich wird.

Vor der Finanzkrise hatten die Vorstände und Aufsichtsräte sich nur um das Vertrauen ihrer Kunden zu sorgen, in Ordnung. Doch nach der Rettung mit den Steuergroschen der Friseurin und des Lkw-Fahrers ist das anders: Jetzt geht es auch um deren Vertrauen - ganz wie bei den Politikern.

Wer sich daran nicht halten will, der macht sich in Wahrheit lustig über jene, die von Staats wegen verpflichtet wurden, ihn herauszupauken. Ließe sich ein Politiker dabei ertappen, sein Schicksal wäre postwendend besiegelt.

Das muss auch für Banken gelten, deren Manager an ihren Sesseln kleben. Ohne Rücktritt geht es nicht.



insgesamt 83 Beiträge
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verantwortung 05.12.2013
1. keine Änderung in Sicht
Da ist leider keine Änderung in Sicht, auch nicht unter der GroKo von schwarz und rot. Dabei wäre das eine Massnahme die auf die Zustimmung der breitesten Bevölkerungsschichten treffen würde. Aber es ist erkennbar, wer die Macht im Staate hat. Wurde so glaube ich auch im Staatsbürgerkundeunterricht in der DDR so gelehrt. Im Fach Ethik ist das heute leider kein Thema, aber ständig lernt der Mensch, auch nach der Schulzeit.
pontypool 05.12.2013
2. Banker und ihre Posten
Im ungünstigsten Fall räumt so ein Top-Banker halt seinen Posten gegen eine Abfindung in Millionenhöhe. Aber viel eher wird die alleinige Schuld auf einen rangniederen Strohmann geschoben und der Top- Banker kann weitermachen wie bisher.
Dramaturg 05.12.2013
3. Verwöhntes Kind
Zu spät. Verwöhnte Kinder bekommt man nicht so einfach wieder in den Spur. Dazu braucht es härtere Maßnahmen als Ermahnung - Herr Blome.
tommigee 05.12.2013
4. wo sie recht haben...
...haben sie recht. guter artikel
cato. 05.12.2013
5. ...
Zitat von sysopdpaImmer neue Verfahren und Strafen, auch deutsche Institute müssen zahlen - ein Ende der Skandalserie ist nicht absehbar. Dabei müssten Bankenchefs seit ihrer Rettung durch den Steuerzahler denselben Regeln gehorchen wie Politiker. Jeder Minister wäre längst gegangen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-von-nikolaus-blome-zu-skandalen-bei-banken-a-937381.html
Ein Bankenchef ist aber kein Poltiker er ist den Eigentümern des Unternehmens und nicht der Allgemeinheit Rechenschaft schuldig. Und daran ändert auch das Märchen nichts, dass Banken ein öffentliches Gut wäre, dass uns Politiker erzählt haben, damit wir die Sozialisierung der Schulden schlucken. Was hilft ist endlich die Gesetze konsequent auf Banken anzuwenden. Und Zivilrechtsklagen im großen Umfang zuzulassen, die den Markt schnell säubern würden. Denn selbstverständlich brauchen wir Banken an sich, dass sagt aber nichts darüber aus, dass wir diese jetzt existierenden Banken brauchen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind in kürzester Zeit in Russland tausende Banken aus dem Boden gesprossen, und bei der hohen Kapitaldichte und dem bestehenden Know How sollte in der westlichen Welt dieser Prozess noch schneller gehen.
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