Anna Reimann

Kind und Job Väter, ihr seid ne Macht

Immer wieder beklagen Männer, sie hätten nicht genug Zeit für ihre Kinder - aber nach wie vor arbeitet nur ein Bruchteil in Teilzeit. Väter müssen mutiger werden.
Vater mit Baby: Viele wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder

Vater mit Baby: Viele wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sie würden ja so gern, aber irgendwie geht es nicht. Seit Jahren zeigen Untersuchungen immer die gleiche Tendenz: Väter sehnen sich danach, weniger zu arbeiten, aber in der Realität tut das immer noch nur ein Bruchteil. Im Gegenteil: Nach der Geburt sind laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Väter sogar mehr Wochenstunden im Job als ihre kinderlosen Kollegen.

Aber sind Väter wirklich bereit, von der Arbeit zur Kita oder Schule zu hetzen, Windeln zu wechseln, Essen zu kochen, Hausaufgaben zu betreuen? Denn mal ehrlich: Wer kleine Kinder hat, dem kommt es im Büro oft vor wie auf Kur. Sich in Ruhe einen Kaffee einschenken, einen Gedanken zu Ende denken - zu Hause ist das fast unmöglich.

Aber wenn der Wunsch der Väter ernst gemeint sein sollte und mehr ist als eine erwünschte Antwort - warum verwirklichen sie ihn dann nicht?

Vor allem haben Väter nach eigenen Angaben Angst. In einer neuen Studie nannten die meisten als Gründe dafür, warum sie keine Elternzeit genommen haben, obwohl sie eigentlich gewollt hätten: Furcht vor Einkommensverlusten, vor Nachteilen im Beruf und vor Problemen bei der Organisation im Betrieb.

Manche Chefs müssen umerzogen werden

Das ist verständlich - aber keine Ausrede. Wer weniger Zeit im Job verbringen will und mehr Zeit mit der Familie, der muss eben bereit sein, dafür einen Preis zu bezahlen.

Für Mütter gilt das seit Langem. Ja, es ist manchmal unangenehm, früher zu gehen und die Arbeit nicht ganz geschafft zu haben. Zwölf Monate Elternzeit zu nehmen, wenn man weiß, dass das zu Organisationchaos im Betrieb führt. Geld und Verantwortung im Job geht auch verloren. Da muss man durch, die Kollegen und die Chefs auch. Dafür erlebt man seine Kinder mehr.

Natürlich gibt es auch viele reale Hindernisse: uneinsichtige Chefs, die finden, Väter müssten rund um die Uhr für sie zur Verfügung stehen, Personaler, die geistig in den Fünfzigerjahren steckengeblieben sind. Aber kampflos fügen muss man sich diesen Leuten nicht. Viele Väter zusammen sind eine Macht - und manche Chefs müssen eben auch umerzogen werden. Sie müssen lernen: Ein gesetzlich verankertes Recht auf bis zu drei Jahre Elternzeit  und währenddessen Teilzeitarbeit haben auch Väter.

Mütter müssen loslassen

Ein Vater berichtet in der neuen Studie, dass es ihm beim zweiten Kind leichter gefallen sei, eine Auszeit zu nehmen, weil in seinem Betrieb inzwischen "jeder" angehende Vater von der Elternzeit Gebrauch mache.

Erst die Masse macht's eben - aber die muss erst mal eine kritische Größe erreichen. In Norwegen etwa sagen manche Chefs und Chefinnen inzwischen, für sie sei es ein genauso großes "Risiko" einen jungen Mann wie eine Frau einzustellen, weil eben viele Väter mehrere Monate für ihr Kind pausieren.

Aber auch die Mütter müssen ehrlicher werden. Sie wünschen sich häufig, dass Väter mehr bei den Kindern sind. Manchmal widerspricht eine Art Kontrollwut dieser Sehnsucht. Immerhin elf Prozent der Männer sagen, sie seien nicht in Elternzeit gegangen, weil ihre Partnerin es nicht gut gefunden hätte, wenn sie sich alleine ums Kind gekümmert hätten.

Mütter müssen loslassen, wenn sie tatsächlich wollen, dass Jobs und Familie gerechter aufgeteilt werden. Sie müssen dann akzeptieren: Der Vater wird es anders machen als sie selbst.

Frauen, die ihren Mann in Teilzeit arbeiten sehen wollen, müssen auch bereit sein, ihn von dem Druck zu befreien, die Familie im Wesentlichen allein zu ernähren. Sie müssen bereit sein, selbst mehr arbeiten zu gehen. Denn selbst, wenn die Frau vor der Geburt mehr verdient hat als ihr Partner - meist reduziert nur die Mutter danach ihre Arbeitszeit. Viele Mütter wollen in den ersten Jahren bei ihrem Kind sein, aber wenn auch der Vater den Wunsch hat, dann müssen auch Frauen einen Kompromiss eingehen.

Das Ringen darum kann unter Eltern anstrengend und konfliktreich sein - aber am Ende alle glücklicher machen.

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