Rücktritt wegen Modellbau-Affäre Spät, später, Haderthauer

Christine Haderthauer tritt zurück. Das ist wenig überraschend. Erstaunlich nur, dass die CSU-Politikerin so lange für diesen Schritt gebraucht hat - denn untragbar war sie schon sehr, sehr lange.
Rücktritt wegen Modellbau-Affäre: Spät, später, Haderthauer

Rücktritt wegen Modellbau-Affäre: Spät, später, Haderthauer

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Man sagt das ja gerne mal, aber für den aktuellen Fall hätte diese Phrase eigentlich erfunden werden müssen: Dieser Rücktritt war überfällig.

Christine Haderthauer (CSU) war längst nicht erst am Montag um 18.30 Uhr als Chefin der bayerischen Staatskanzlei untragbar geworden, zu dem Zeitpunkt, als sie sich selbst, vermutlich mehr erzwungen als freiwillig, zu einer Rückzugserklärung vor die Presse stellte.

Ihr Rücktritt war längst nicht erst fällig, als sich Haderthauer gewohnt forsch über ihre Verfolgung durch die Presse beklagte, die wissen wollte, wie das denn genau gewesen ist mit ihrer Rolle in der Firma Sapor Modelltechnik, die Modellautos verkaufte, welche von psychisch kranken Straftätern gebaut worden waren. Ob sie tatsächlich, wie sie vor dem Bayerischen Landtag angegeben hatte, bereits 2003 aus der Firma ausgeschieden sei und die Geschäfte ihrem Gatten überlassen habe? Und nicht, wie Flugtickets, weitere Dokumente und nicht zuletzt die Beschäftigung ihrer Stimmkreisreferentin als PR-Beraterin für die Firma nahelegen, noch lange Jahre danach die Geschäfte mitlenkte?

Christine Haderthauers Rücktritt war auch nicht erst dann angezeigt, als ein ehemaliger Miteigner der Firma Sapor das Ehepaar Haderthauer anzeigte, weil er davon ausging, dass man ihm Gewinne vorenthalten und ihn um 30.000 Euro betrogen hatte - was zu Ermittlungen und im Mai zu einer Hausdurchsuchung bei den Haderthauers führte.

Geschäft mit Schutzbefohlenen

Nein, eigentlich war Christine Haderthauer schon in dem Moment untragbar geworden, als die schlichte Tatsache ans Licht kam, dass sie und ihr Mann sich an den Erzeugnissen von psychisch Kranken bereicherten, die ihr Gatte Hubert als Arzt zu betreuen hatte.

Denn welche Eignung hat jemand für ein hohes politisches Amt, der sich abends mit seinem Partner zusammensetzt, und die beiden besprechen: Mensch, dieser Patient, er ist zwar ein geisteskranker Mörder, aber er kann toll basteln, und wenn wir das gescheit anstellen, dann springt auch für uns ordentlich etwas dabei heraus?

Christine Haderthauer hat versucht, dieses Geschäft mit Schutzbefohlenen als eine Art soziales Engagement hinzustellen, als eine Wohltat für die Psychiatrie-Insassen. Das war dreist. Zum Abschied gibt sie sich nachdenklich: Es erfordere "Kraft und Konzentration, um die vielen im Raum stehenden Fragen zu beantworten", sprach Christine Haderthauer. Möge sie sich zum Wohle des Freistaats sehr viel Zeit dafür nehmen, und gerne auch noch unbegrenzt mehr.

Die Frage, die sie nach ihrem unrühmlichen Abgang im Raum stehen lässt wie schlechte Luft, ist allerdings diese: Mit welch seltsamen Qualitäten muss ein Mensch nur ausgestattet sein, um in Horst Seehofers CSU Karriere machen zu können?

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