Machtoptionen der SPD Partei in Angst

Wohin steuert die SPD? In Leipzig zeigt Parteichef Gabriel den Sozialdemokraten einen Weg in die Zukunft auf. Die Genossen sollten so klug sein und ihm folgen.

SPD-Chef Gabriel: Viele Funktionäre sehen Große Koalition noch skeptisch
AP/dpa

SPD-Chef Gabriel: Viele Funktionäre sehen Große Koalition noch skeptisch

Ein Kommentar von , Leipzig


Die SPD hat Glück, erstmals seit vielen Jahren hat sie wieder so etwas wie eine starke Führungsfigur. Sigmar Gabriel ist politisch gereift, taktiert geschickt in den Koalitionsverhandlungen und versteht es, seine Politik gut zu erklären. Mit seiner nachdenklichen Rede auf dem SPD-Parteitag in Leipzig hat er das unter Beweis gestellt.

Alles gut also bei der SPD? Bei weitem nicht.

Die SPD wäre nicht die SPD, wenn sie es sich und ihrem Führungspersonal einfach machen würde. In Leipzig ist zu spüren: Die SPD ist eine Partei in Angst. Die Parteispitze hat Angst vor der unberechenbaren Basis. Die Basis hat Angst vor der Großen Koalition. Und alle zusammen fürchten sie sich vor der Zukunft.

Die SPD-Funktionäre blicken skeptisch auf die Große Koalition. Sie wollen nicht als Juniorpartner unter Angela Merkel geschreddert werden, so wie bei der letzten Großen Koalition.

Das ist Unfug, denn Geschichte wiederholt sich nicht. Gabriel zeigt den Genossen in Leipzig einen Weg auf, wie sie nach der nächsten Bundestagswahl wieder den Kanzler stellen könnten: weg von der Rolle als Betriebsrat der Nation. Er empfiehlt eine Politik, die sozialdemokratische Werte hochhält, aber zugleich Wirtschaftskompetenz ausstrahlt - als neue Heimat eines "sozialen Liberalismus". Im Koalitionsvertrag will er viele rote Kernforderungen durchsetzen - und wird das wohl auch schaffen. Merkel tut (fast) alles, um diese Große Koalition zu bekommen.

Gabriel läuft sich warm

Zugleich eröffnet er der Partei neue Machtoptionen, indem er die Genossen auf ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis vorbereitet. Gabriel läuft sich warm für höhere Aufgaben. Er will erkennbar Energieminister in der Großen Koalition werden, er hat die Energiepolitik in Leipzig zum wichtigsten Thema erklärt. Das kann man als ein Signal für seine persönlichen Ambitionen deuten.

Wenn es gut läuft, kann er als Vizekanzler punkten, Wirtschaftskompetenz zeigen und die SPD in die nächste Bundestagswahl führen. Das ist ein Plan, der aufgehen kann.

Was will die SPD-Basis eigentlich noch?

Die Genossen haben es jetzt in der Hand. Sie müssen ihre Angst überwinden. Das Mitgliedervotum, das Gabriel und Co. als große Errungenschaft innerparteilicher Demokratie feiern, bleibt eine unberechenbare Größe. Ein Nein ist weiterhin möglich. Für die Partei wäre das eine politische Katastrophe. Und für Gabriel sowieso.

insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
ugwinkler 14.11.2013
1. Liebe SPD-Genossen,
Tut dem deutschen Volk, der SPD und der Demokratie den gefallen und tretet die große Koalition in die Tonne!!
nano-thermit 14.11.2013
2. Oh ja, schweres Problem...
Früher waren wir für die Menschen und für soziale Gleichstellung. Nun sind wir für die Banken und gegen die Menschen. Ich glaube ich weiß was man ändern sollte. Dann wurde uns das Volk wählen.
MütterchenMüh 14.11.2013
3. bis jetzt nur was für Warmduscher
Zitat von sysopAP/dpaWohin steuert die SPD? In Leipzig zeigt Parteichef Gabriel den Sozialdemokraten einen Weg in die Zukunft auf. Die Genossen sollten so klug sein und ihm folgen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zum-spd-parteitag-spd-in-angst-gabriel-macht-mut-a-933608.html
Wir warten auf Inhalte! Das was bisher vorliegt, ist was für sozialdemokratische Warmduscher und Sicherheitsfanatiker, die sich am liebsten von zwei Leuten über die Straße führen lassen, aber kein erkennbarer Wille zur politischen Gestaltung.
Vinzent_Vega, 14.11.2013
4.
Zitat von ugwinklerTut dem deutschen Volk, der SPD und der Demokratie den gefallen und tretet die große Koalition in die Tonne!!
Nie im Leben. Dafür sind die viel zu machtgeil.
idealist100 14.11.2013
5. Klug sein
Zitat von sysopAP/dpaWohin steuert die SPD? In Leipzig zeigt Parteichef Gabriel den Sozialdemokraten einen Weg in die Zukunft auf. Die Genossen sollten so klug sein und ihm folgen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zum-spd-parteitag-spd-in-angst-gabriel-macht-mut-a-933608.html
Klug sein hieße das Hartz4 Spitzeüersonal in der Versenkung verschwinden zu lassen. Das wäre Mut von der Basis und es würde ein wirklicher Ruck durch diese verkrustete Partei geben.
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