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Roland Nelles

Steuerskandal Die Lehren aus dem Fall Hoeneß

Ausgerechnet Uli Hoeneß. Mit seiner Selbstanzeige hat eine Ikone des deutschen Fußballs ihren Ruf zerstört. Doch Mitleid mit dem Bayern-Präsidenten im Steuerskandal ist falsch: Der Fall ist symptomatisch für das verquere Staatsverständnis vieler Reicher.

Eines steht fest: Uli Hoeneß ist ein erstklassiger, leidenschaftlicher Fußball-Präsident. Ohne ihn wäre der FC Bayern nicht das, was er heute in Europa darstellt: Deutschlands beste Fußballmannschaft, ein tolles Aushängeschild.

Aber Uli Hoeneß ist offenbar auch ein Steuertrickser, ein Blender, der sich als Vater Teresa von der Säbener Straße präsentierte, in Wahrheit aber wohl reichlich Geld am Fiskus vorbeischleuste. Damit hinterging er jenes Gemeinwesen, für das er angeblich immer so gerne eintrat.

Wie kann es so weit kommen? Warum müssen Menschen wie Hoeneß, die scheinbar alles haben, Geld in der Schweiz bunkern? Was ist so schlimm daran, 25 Prozent Abgeltungssteuer zu bezahlen, wenn immer noch genug Euro übrig bleiben, um ein komfortables Leben am Tegernsee zu führen? Warum diese Gier - oder ist es eigentlich Geiz?

Seit Monaten machen sich die Deutschen lustig über reiche Griechen, die ihrem Staat Millionen vorenthalten. Dabei zeigen die Fälle Hoeneß, Zumwinkel und Co., dass es auch hierzulande genügend Leute gibt, die ihr Geld lieber verstecken, als es dem Staat zu überlassen.

Abkommen mit der Schweiz ist zu Recht gescheitert

Es sind die Egomanen unserer Zeit. Steuern zahlen für Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Polizisten und Straßen sollen die anderen, die braven Angestellten, denen der Staat am Ende jedes Monats automatisch in die Tasche greift. Steuerbetrüger haben ein anderes Staatsverständnis. Sie rufen nur nach dem Gemeinwesen, wenn sie es brauchen - etwa für Subventionen, oder wenn es um den Schutz ihrer Villen geht. Für das Gemeinwesen einstehen wollen sie nur, wenn es ihnen genehm ist. Frei nach dem Motto: Schwache Schultern sollen mehr tragen als starke.

Das Pech für Uli Hoeneß ist, dass er nun in die Mühlen des heraufziehenden Bundestagswahlkampfs gerät. Sigmar Gabriels Empörung über den Fall Hoeneß ist so vorhersehbar wie ein Sieg der Bayern gegen Greuther Fürth. Den Genossen kommt der Fall zupass, weil er so hübsch zu illustrieren scheint, warum höhere Steuern für Reiche wichtig und richtig sind.

Bemerkenswert ist auf der anderen Seite der Ausspruch des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, der erklärte, Hoeneß werde behandelt "wie jeder andere Bürger auch". Offenkundig ist es in Bayern immer noch notwendig, eine solche Selbstverständlichkeit ausdrücklich zu betonen. Seehofer und Co. werden sich in nächster Zeit noch einige Fragen gefallen lassen müssen, wer wann was im Fall Hoeneß gewusst und getan - oder unterlassen hat.

Wenn das politische Getöse verhallt ist, wird am Ende eine Erkenntnis übrig bleiben: Es darf keine Ablassgeschäfte und keine Sonderlösungen für die großen Steuersünder geben. Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist zu Recht gescheitert. Die Regelung, nach der Steuerflüchtlinge ihre Schuld (zu einem Teil) anonym hätten begleichen können, muss jedem braven Steuerzahler als blanker Hohn erscheinen.

Solange die Schweiz und anderen Steueroasen nicht zu weitergehenden Zugeständnissen bereit sind, ist es richtig, wenn deutsche Behörden Steuerdaten aufkaufen. Nur so lassen sich Betrüger wirklich unter Druck setzen. Nur so erhalten sie die Strafen, die sie verdienen. Und nur so werden auch die normalen Bürger weiter bereit sein, brav ihre Steuern zu bezahlen.