Komplimente an Merkel Kohl lobt die Kanzlerin

Helmut Kohl hat die Amtsführung von Angela Merkel gelobt. Sie habe "bewiesen, dass sie die Herausforderung meisten kann", bescheinigte der Altkanzler der Regierungschefin.


Potsdam - Der Unterschied zwischen Merkel und ihrem Vorgänger Gerhard Schröder sei leicht zu erkennen, sagte Kohl beim Neujahrsempfang der CDU Brandenburg in Potsdam: "Sie ist kein Produkt der PR, sondern stellt Meinungen dar." Er freue er sich, dass nun eine Frau Regierungschefin in Deutschland sei. "Weil auch viele überhebliche Männer in ihrer Arroganz zurücktreten müssen", sagte Kohl während in der gut einstündigen Rede. "Merkel hat in diesen wenigen Wochen bewiesen, dass sie die Herausforderung meistern kann", sagte der 75-Jährige.

Die CDU ermahnte Kohl zur Wahrung eines eigenen Profils in der Großen Koalition. Auch im Regierungsbündnis mit der SPD müsse aber klar sein: "Wir bleiben die CDU", sagte der langjährige Parteivorsitzende.

Die neue Regierung müsse nun dafür sorgen, dass Deutschland wieder vorankomme. Wer jetzt nicht handele, der steige ab. Mit der Bemerkung, er sei kein Freund Großer Koalitionen, teilte Kohl kräftige Seitenhiebe in Richtung des derzeitigen Regierungspartners aus.

Vor allem den Sozialdemokraten gab er die Schuld daran, dass Deutschland "in vielen EU-Statistiken weit hinter Griechenland zurückfällt". Der Altkanzler erinnerte an das Scheitern seiner Pläne für eine Steuerreform 1997, die damals auf Betreiben des heutigen Linkspartei-Fraktionschefs Oskar Lafontaine von den SPD-regierten Ländern im Bundesrat abgelehnt worden war.

"Man wollte, dass die Regierung Kohl keinen Erfolg hat", lautete seine Erklärung dafür. Deshalb habe Deutschland "wegen des Partei-Egoismus und der inakzeptablen Selbstsucht der deutschen Sozialdemokraten" zehn Jahre verloren, um die Lohnnebenkosten zu senken. Er sei überzeugt, dass es heute weniger Arbeitslose gäbe, wenn seine Pläne wie geplant 1998 in Kraft getreten wären, sagte Kohl. Von eigenen Fehlern sprach er nicht.

Dagegen forderte Kohl Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl im vergangenen September. "Wir haben dies Wahl verloren, und zwar dramatisch verloren entgegen unseren Erwartungen", sagte er. Die CDU müsse deshalb das Nötige tun, um zur nächsten Abstimmung "wieder die Nummer eins" zu werden.

Zum Neujahrsempfang mit Kohl kamen rund 2500 Interessenten nach Potsdam, so viele wie noch nie zu einer solchen Veranstaltung der märkischen CDU. Die Spitze der Landespartei hatte nur 700 Gäste erwartet.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.