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12. Mai 2017, 15:51 Uhr

Rechtsextreme Zelle

Komplize von Franco A. stahl möglicherweise Bundeswehr-Pistole

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Die Bundeswehr ermittelt unter Hochdruck, ob die Verdächtigen rund um Franco A. bei der Truppe Waffen gestohlen haben. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es einen konkreten Verdacht.

Die Verdächtigen rund um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A. haben möglicherweise bei der Bundeswehr Waffen gestohlen. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelt die Truppe unter Hochdruck im Fall einer P8-Pistole, die nach einem Schießtraining im Sommer 2014 auf dem Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr als verschwunden gemeldet worden war.

Am Freitag wurde die Bundesanwaltschaft von dem Verdacht unterrichtet. So gibt es nach den internen Ermittlungen der Bundeswehr den begründeten Verdacht, dass einer der Verdächtigen der Gruppe rund um Franco A. 2014 die Waffe entwendet haben könnte.

Bei der Übung von deutschen und amerikanischen Soldaten auf dem Schießstand war laut den internen Unterlagen auch der am Dienstag festgenommene Maximilian T. dabei, er war damals Student an der Bundeswehr-Universität in München. Nun wird unter Hochdruck ermittelt, ob er die Pistole gestohlen hat.

Bei den Ermittlungen nach dem Verschwinden der Waffe war nach SPIEGEL-Informationen zunächst kein Ergebnis erzielt worden. Die Bundeswehr gerät durch den neuen Hinweis erneut unter Druck, da sie im Fall der verschwundenen Waffe möglicherweise nicht energisch genug ermittelt hat.

Gegen die Gruppe rund um Franco A. - neben ihm wurde der Bundeswehr-Oberleutnant T. und der Offenbacher Student Mathias F. festgenommen - wird wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Konkret nehmen die Fahnder an, dass die Gruppe Anschläge auf Spitzenpolitiker wie Joachim Gauck, Justizminister Heiko Maas, aber auch gegen politische Institutionen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung plante.

Der mögliche Diebstahl der P8 könnte auch erklären, warum die Verdächtigen über einen längeren Zeitraum rund 1000 Schuss Munition verschiedener Kaliber bei der Bundeswehr stahlen und diese im Keller von Mathias F. horteten. Mittlerweile wurde ermittelt, dass der überwiegende Teil der Munition aus Standorten stammt, an denen die Soldaten A. und T. stationiert waren.

Bereits am Donnerstag war durch einen Bericht der "Welt" bekannt geworden, dass im Februar 2017 zwei G36-Gewehre und eine P8-Pistole am Bundeswehr-Standort Munster aus einem Panzer des Typs "Fuchs" gestohlen worden waren. Unbekannte hatten den Panzer auf dem Kasernengelände nachts aufgebrochen und die Waffen entwendet. Bisher gibt es trotz staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen keine Spur der Täter.

Die Bundeswehr ermittelt auch in diesem Fall, ob die Gruppe rund um Franco A. hinter dem Diebstahl stecken könnte. Für Insider ist klar, dass nur Soldaten die Waffen gestohlen haben können. Denn nur sie können gewusst haben, dass die Waffen entgegen der Vorschriften über Nacht in dem Panzer waren. Außerdem, so heißt es in Bundeswehrkreisen, brauche man ausreichende Kenntnisse darüber, wie ein "Fuchs" zusammengebaut ist, um ihn aufzubrechen.

Bisher haben die Ermittler im Fall des Diebstahls in Munster noch keine direkte Verbindung zu den festgenommenen Verdächtigen gefunden. Demnach waren weder Franco A. noch Maximilian T. zu der Zeit auf dem dortigen Truppenübungsplatz eingesetzt.

Allerdings war nach SPIEGEL-Informationen damals in Munster ein Soldat im Einsatz, gegen den ebenfalls wegen rechtsextremer Tendenzen ermittelt wird. Die Ermittler wollen nun möglichst schnell herausbekommen, ob es zwischen ihm und den festgenommenen Verdächtigen Verbindungen gibt.

Anmerkung der Redaktion: Mit Verfügung des Generalbundesanwalts vom 4. Oktober 2018 ist das Ermittlungsverfahren gegen Maximilian T. nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt worden.

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