Kongo-Einsatz der Bundeswehr BND warnt vor Aids-Gefahr

Beim umstrittenen Kongo-Einsatz der Bundeswehr sorgen sich Experten nicht nur um die instabile Sicherheitslage in dem afrikanischen Land. Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Bundesnachrichtendienst vor Aids und anderen Infektionskrankheiten als Gefahrenquelle für die Soldaten gewarnt.


Berlin – Der Bundesnachrichtendienst (BND) habe Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) frühzeitig vor dem Aids-Risiko und anderen Tropenkrankheiten gewarnt, berichtet die "Bild am Sonntag". Die Krankheiten stellen dem Blatt zufolge einen erhebliche Gefahrenquelle für den geplanten Kongo-Einsatz der Bundeswehr da.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), äußerte sich besorgt. "Mit dem Kongo-Einsatz sind neue Risiken für die Soldaten verbunden. Malaria, andere Infektionserkrankungen und vor allem die hohe Aids-Rate gehören dazu.  Das trägt aus meiner Sicht unter anderem dazu bei, dass der Einsatz so viel Skepsis hervorruft", sagte er dem Blatt.

Robbe fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass unsere Soldaten gut vorbereitet in den Einsatz gehen. Dazu gehört auch, dass sie vor Beginn des Einsatzes und vor Ort eindeutig über die Aids-Gefahr in Zentralafrika aufgeklärt werden."

Im Kongo sind nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund eine Million Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren HIV-infiziert. Am stärksten betroffen sind junge Frauen, von den Prostituierten ist nach Schätzungen sogar mehr als ein Viertel HIV-positiv. In Gabun, wo ein Großteil des deutschen Kontingents in Reserve gehalten werden soll, sind rund acht Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert.

Die Bundesregierung hatte vergangene Woche die Entsendung eines Kontingents von 780 Bundeswehrsoldaten als Teil einer 1500 Mann starken EU-Friedenstruppe in den Kongo beschlossen, der Einsatz gilt aber als umstritten. Am 1. Juni wird das Parlament über den Einsatz entscheiden.

hen/ddp



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