Konservativer "Berliner Kreis" CDU-Rebellen legen sich mit Parteispitze an

Generalsekretär Gröhe winkte ab: Bloß keine "Gesinnungsgruppierungen" in der CDU. Doch die Rebellen des "Berliner Kreises" lassen nicht locker. Sie wollen ein eigenes konservatives Forum in der Partei - da ist der Konflikt programmiert.

Kanzlerin Merkel: Die Parteispitze nimmt die Bestrebungen des Berliner Kreises sehr ernst
AP

Kanzlerin Merkel: Die Parteispitze nimmt die Bestrebungen des Berliner Kreises sehr ernst

Von


Berlin - Das Gespräch mit CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe war ebenso höflich wie ergebnislos. Jetzt setzt der konservative Kreis in der CDU zum nächsten Schritt an. Am 29. Februar wollen sich die Unionspolitiker in dem vom hessischen CDU-Fraktionschef Christean Wagner initiierten Kreis erneut treffen, um über ein Gründungsmanifest zu beraten. So wurde es in den vergangenen Tagen unter Wagner und CDU-Bundestagsabgeordneten wie Wolfgang Bosbach, Gitta Connemann und Thomas Bareiß verabredet.

Das Treffen in Berlin ist eine direkte Reaktion auf den enttäuschenden Ausgang des abendlichen Plausches mit Merkels Generalsekretär. Die Parteispitze hatte in der Vergangenheit mehrfach sehr empfindlich auf alle Bestrebungen reagiert, den Kreis eine festere Struktur oder ein eigenes Gesicht zu verleihen.

Bei der Runde im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale, am 7. Februar hatte Gröhe zudem wenig Interesse daran gezeigt, die Konservativen in die Parteiarbeit einzubinden. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann zum Beispiel wollte von Gröhe wissen, ob die CDU dem Kreis "irgendein Forum" innerhalb der Partei bieten könnte. Gröhe winkte ab. Auf politischen Überzeugungen beruhende "Gesinnungsgruppierungen" wie den Seeheimer Kreis in der SPD lehne die CDU-Spitze für die eigene Partei ab, so Merkels General.

Prominente Fürsprecher

Gröhes Reaktion zeigt, wie ernst die Parteispitze die Bestrebungen des Berliner Kreises inzwischen nimmt. Die Konservativen in der Partei beklagen schon länger den rasanten Abschied der Merkel-CDU von ihren traditionellen Inhalten - in der Familienpolitik, bei der Wehrpflicht oder der Atomkraft.

Während sich jedoch in den vergangenen drei Jahren vor allem ältere Konservative wie Ex-General Jörg Schönbohm oder Vertriebenenchefin Erika Steinbach zu weitgehend ergebnislosen Plauderrunden trafen, ist die Gruppe inzwischen um mehrere jüngere Bundestagsabgeordnete, wie Carsten Linnemann, Thomas Dörflinger und Thomas Bareiß erweitert worden.

Auch der prominente CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach zählt dazu. Dörflinger soll bis Ende des Monates Impulse für ein Gründungsmanifest ausarbeiten. Der baden-württembergische CDU-Politiker hatte bereits im vergangenen Juli eine Denkschrift an CDU-Generalsekretär Gröhe gesandt, aber keine Reaktion erhalten.

Bosbach hatte auf einem der letzten Treffen vorgeschlagen, einen eigenen Internetauftritt zu gestalten. Die Kreis-Mitglieder überlegen zudem, eine Geschäftsstelle zu errichten. Grund dafür ist auch, dass die einzelnen Bundestagsbüros der CDU-Rebellen mit dem Ansturm an Interessens- und Sympathiebekundungen offenbar nicht fertig werden.



insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hardliner1 18.02.2012
1. Die "Gen-Manipulatorin"
Zitat von sysopAPGeneralsekretär Gröhe winkte ab: Bloß keine "Gesinnungsgruppierungen" in der CDU. Doch die Rebellen des "Berliner Kreises" lassen nicht locker. Sie wollen ein eigenes konservatives Forum in der Partei - da ist der Konflikt programmiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816076,00.html
Viele CDU-ler lassen sich von den aktuellen Umfrageergebnissen täuschen. Die Ergebnisse um die 38 Prozent sind der Tatsache geschuldet, dass es auf der bürgerlichen Seite (noch) keine Alternativen gibt. Dabei wissen gestandene Unionswähler sehr genau, dass die Union längst zu einer "SPD light" mutiert ist, wobei sich vor allem Merkel als "Manipulatorin des CDU-Gens" hervorgetan hat. Merkel und Gröhe dürften aber ganz genau wissen, dass sie nicht auf immer und ewig auf die bürgerlich-konservativen Wähler setzen kann. Diese sehen die Merkel-Union inzwischen nur noch als das geringste Übel an. Überzeugte Unionswähler gibt es immer weniger. Dass es in Deutschland noch immer keine EU-kritische Partei gibt, ist erstaunlich angesichts der riesigen Probleme mit dem Euro und den hochverschuldeten Staaten. Noch werden diese Themen weitgehend tabuisiert. Die Frage ist aber, wie lange noch.
fabian03 18.02.2012
2.
Zitat von sysopAPGeneralsekretär Gröhe winkte ab: Bloß keine "Gesinnungsgruppierungen" in der CDU. Doch die Rebellen des "Berliner Kreises" lassen nicht locker. Sie wollen ein eigenes konservatives Forum in der Partei - da ist der Konflikt programmiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816076,00.html
Den Konservativen in der Union ist natürlich alles Gute zu wünschen, viel Erfolg wir ihnen aber kaum beschieden sein - jedenfalls nicht vor einer krachenden Wahlniederlage der CDU. Danach sieht es im Moment nicht aus, zumal zu befürchten ist, das Deutschland dann erneut von rot-grün heimgesucht wird. Das möchte man dem Land nun wirklich nicht wünschen. Auf der anderen Seite ist eine konservative Kraft mehr als überfällig. Für konservative Wähler, die meist auch eher patriotisch gesinnt sind, ist das ein Dilemma, einerseits das Land nicht dem radikalen linksgrünen Flügel der bundesdeutschen Einheitspartei überlassen zu wollen und andererseits selbst keine politische Heimat mehr zu haben. Eine Parteineugründung mit prominenten konservativen Köüfen wäre wohl die bessere Lösung. Die CDU könnte dann weiter etwas ausgleichend gegen die radikal Linksgrünen wirken und die konservativen Wähler würden Deutschland wieder mehr in die Mitte rücken.
fabian03 18.02.2012
3.
Zitat von hardliner1Viele CDU-ler lassen sich von den aktuellen Umfrageergebnissen täuschen. Die Ergebnisse um die 38 Prozent sind der Tatsache geschuldet, dass es auf der bürgerlichen Seite (noch) keine Alternativen gibt. Dabei wissen gestandene Unionswähler sehr genau, dass die Union längst zu einer "SPD light" mutiert ist, wobei sich vor allem Merkel als "Manipulatorin des CDU-Gens" hervorgetan hat. Merkel und Gröhe dürften aber ganz genau wissen, dass sie nicht auf immer und ewig auf die bürgerlich-konservativen Wähler setzen kann. Diese sehen die Merkel-Union inzwischen nur noch als das geringste Übel an. Überzeugte Unionswähler gibt es immer weniger. Dass es in Deutschland noch immer keine EU-kritische Partei gibt, ist erstaunlich angesichts der riesigen Probleme mit dem Euro und den hochverschuldeten Staaten. Noch werden diese Themen weitgehend tabuisiert. Die Frage ist aber, wie lange noch.
Ich fürchte, dass kann noch eine ganze Weile so weiter gehen. Schuld daran ist vor allem das linksgrüne Medienkartell in Deutschland. In den Redaktionsstuben von SPIEGEL, Zeit, SZ, taz usw. wird bestimmt worüber in D diskutiert wird und vor allem in welche Richtung die Diskussion zu gehen hat. Dort ist das Interesse an einer konservativen Kraft naturgemäß eher gering ausgeprägt, man fühlt sich eher der selbstgestellten Aufgabe als Volkserzieher verpflichtet.
internetwitcher 18.02.2012
4. Gute Nachrichten
Zitat von sysopAPGeneralsekretär Gröhe winkte ab: Bloß keine "Gesinnungsgruppierungen" in der CDU. Doch die Rebellen des "Berliner Kreises" lassen nicht locker. Sie wollen ein eigenes konservatives Forum in der Partei - da ist der Konflikt programmiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816076,00.html
Die Rebellen sollten aus der CDU austreten und eine eigene Partei gründen. Ich denke mal die würden auf Anhieb eine Fraktionstärke haben. Und der Bürger hätte endlich mal eine echte Alternative zu der faktisch gleichgeschalteten linke Einheitspolitik von CDU/CSU/FDP/SPD/Die Grünen. Ich denke mal bei der nächsten Bundestagswahl würde diese Fraktion aus dem Stand auf 20 Prozent Protestwähler kommen!
kdshp 18.02.2012
5.
Zitat von sysopAPGeneralsekretär Gröhe winkte ab: Bloß keine "Gesinnungsgruppierungen" in der CDU. Doch die Rebellen des "Berliner Kreises" lassen nicht locker. Sie wollen ein eigenes konservatives Forum in der Partei - da ist der Konflikt programmiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816076,00.html
Hallo, diesen CDU rebellen sollte klar sein das die CDU stark nach links gerutscht ist und wer braucht in so einer partei noch konservative?! Man hat doch gut am panischen atomausstig gemerkt das in dieser CDU keiner mehr konservativ ist denn wo war da der aufschrei?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.