"Konzertierte Aktion Pflege" Giffey will Pflegeausbildung verbessern

5000 Weiterbildungsplätze und eine Öffentlichkeitskampagne: Familienministerin Giffey und ihre Kollegen wollen den Pflegeberuf attraktiver machen - und ziehen eine erste Bilanz.

Jens Spahn (CDU), Franziska Giffey (SPD) und Hubertus Heil (SPD).
DPA

Jens Spahn (CDU), Franziska Giffey (SPD) und Hubertus Heil (SPD).


Im Juli 2018 ist die Bundesregierung mit der sogenannten "Konzertierten Aktion Pflege" auf die Personalnot in der Pflege eingegangen. Nun präsentiert sie erste Ergebnisse ihrer Debatten und Pläne für die Zukunft: Die Aus- und Weiterbildung soll deutlich verstärkt werden. Es sei geplant bis 2023 die Zahl der Azubis und ausbildenden Einrichtungen im bundesweiten Schnitt um zehn Prozent im Vergleich zu diesem Jahr zu steigern, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

111 Maßnahmen wurden zum Thema festgehalten, darunter auch eine bundesweite Öffentlichkeitskampagne für den Pflegeberuf. Geplant sind außerdem 5000 Weiterbildungsplätze.

Giffey stellte die Vorhaben gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor. Zentrale Punkte hatte sie bereits am vergangenen Freitag angekündigt.

Spahn betonte nochmals, dass eine Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen notwendig sei, um mehr Pflegekräfte zu gewinnen. Heil sagte: "Ohne gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne steuern wir auf eine Krisensituation zu."

Fast 40.000 Stellen unbesetzt

Im vergangenen Sommer hatte die Regierung einen Diskussionsprozess mit Arbeitgebern und Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Betroffenenverbänden, Kirchen und Krankenkassen begonnen. Bis zum Sommer 2019 sollen umfassende Vorschläge zur Lösung der Personalnot erarbeitet werden. Zur Zeit sind fast 40.000 Stellen in der Pflege unbesetzt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen stark an.

Seit Januar ist deshalb ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz in Kraft, dass 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege ermöglichen soll: Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sorgt unter anderem dafür, dass die neuen Stellen in der stationären Altenpflege komplett von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden.

Der Sozialverband VdK forderte mit Blick auf die Bilanz der Bundesregierung Klarheit bei der Finanzierung. Die Kosten, die mit den geplanten Verbesserungen einhergehen, dürften "nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden", erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele. "Pflegebedürftige zahlen ohnehin schon viel und müssen häufig ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen, um die Pflege zu finanzieren." Das notwendige Geld, um den Altenpflegeberuf attraktiver zu machen, müsse aus der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommen. Die Eigenanteile in der Pflege dürften nicht weiter steigen.

mfh/AFP/dpa



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