Luckenwalde Bürgermeisterin gibt im Kopftuchstreit nach

Weil sie ihr Kopftuch bei der Arbeit nicht abnehmen wollte, feuerte die Bürgermeisterin von Luckenwalde eine Palästinenserin. Doch jetzt darf sie doch ein Praktikum beginnen - allerdings nicht im Rathaus.

Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide mit Geschäftsführer der Luckenwalder Wohnungsgesellschaft
DPA

Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide mit Geschäftsführer der Luckenwalder Wohnungsgesellschaft


Die Bürgermeisterin von Luckenwalde in Brandenburg zeigt sich kompromissbereit. Nach der umstrittenen Kündigung einer Palästinenserin, die ihr Kopftuch nicht ablegen wollte, bekommt diese nun doch einen Praktikumsplatz, allerdings nicht im Rathaus. Die 48-Jährige werde als Dolmetscherin für die kommunale Wohnungsgesellschaft tätig, teilte Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide am Donnerstag mit.

Die SPD-Politikerin hatte der Frau, die im Rahmen eines Flüchtlingsprojekts im Rathaus ein Praktikum machen wollte, am vergangenen Montag nach dem ersten Arbeitstag gekündigt. Das Kopftuch verstieß aus Sicht der SPD-Politikerin gegen das Neutralitätsgebot in öffentlichen Verwaltungen.

Nach Darstellung des zuständigen Landesinnenministeriums war die Entscheidung der Bürgermeisterin rechtmäßig. "Hier alles zuzulassen wäre ein Zeichen von falsch verstandener Toleranz - das wäre Opportunismus", sagte ein Ministeriumssprecher. "Im Öffentlichen Dienst ist das Neutralitätsgebot ein ganz hohes Gut."

In Brandenburg gebe es dazu aber keine gesetzlichen Regelungen. Daher könnten die Kommunen selbst entscheiden, ob sie solche Bekleidungsvorschriften erlassen.

Die Linke hatte den Rauswurf kritisiert: "Die Trennung von Staat und Kirche kann nicht heißen, jedes religiöse Symbol aus der Öffentlichkeit zu verbannen", sagte die asylpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Andrea Johlige.

als/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.