Kredit-Enthüllung Wulff soll "Bild" mit Konsequenzen gedroht haben

Er rief offenbar persönlich den "Bild-"Chefredakteur an: Bundespräsident Christian Wulff soll versucht haben, einen Bericht über seinen umstrittenen Privatkredit zu beeinflussen. Das berichten zwei Zeitungen. Demnach drohte Wulff sogar mit einem Strafantrag.
Bundespräsident Wulff (19. Dezember): Wutentbrannter Anruf bei der "Bild"

Bundespräsident Wulff (19. Dezember): Wutentbrannter Anruf bei der "Bild"

Foto: dapd

Hamburg - Der wegen seiner privaten Finanzgebaren in die Kritik geratene Bundespräsident Christian Wulff hat offenbar persönlich versucht, einen ersten Bericht der "Bild"-Zeitung zu diesem Thema zu verhindern. Das berichten die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung". Demnach habe Wulff am 12. Dezember versucht, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann telefonisch zu erreichen, um sich über einen für den nächsten Tag geplanten Artikel zu beschweren.

Statt Diekmann erreichte Wulff offenbar nur dessen Mailbox. Zu der Zeit befand sich der Bundespräsident auf Reisen in Kuwait. Er beklagte sich den Berichten nach geradezu wutentbrannt über die Recherchen der "Bild" und drohte im Falle einer Veröffentlichung mit einem "endgültigen Bruch"  mit dem Springer-Verlag. Außerdem soll er Diekmann aufs Band gesprochen haben, dass für ihn und seine Frau "der Rubikon überschritten" sei.

Sogar von "Krieg führen" soll die Rede gewesen sein. Wenn es die "Bild"-Zeitung darauf absehe, so angeblich Wulff, dann solle man nach seiner Rückkehr bei einem Treffen darüber sprechen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, soll Wulff mit einem Strafantrag gegen die Journalisten gedroht haben. In einem späteren Telefonat soll Wulff sich laut der Zeitung bei Diekmann entschuldigt haben. Der Springer-Verlag wolle dazu nicht Stellung nehmen, heißt es weiter.

Von dem ersten Anruf offenbar unbeeindruckt, berichtete die "Bild"-Zeitung am Tag darauf von einem Privatkredit in Höhe von 500.000 Euro, der Wulff zu seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen von dem befreundeten Unternehmerpaar Egon und Edith Geerkens gewährt worden war. Von dem Geld finanzierte Wulff ein Haus. Eine geschäftliche Beziehung zu Egon Geerkens hatte er vor dem niedersächsischen Landtag ursprünglich bestritten.

Ungereimtheiten bei der zeitlichen Abfolge

In Erklärungsnot bringt den Bundespräsidenten unterdessen ein weiterer Kredit, mit dem er den ersten abgelöst hatte. Offenbar über Egon Geerkens kam 2010 ein Kontakt zur Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) zustande, die Wulff ein Darlehen in Höhe von 520.000 Euro zu besonders günstigen Kondition gewährte. Der Kontakt zur Bank lief offenbar über Egon Geerkens

Nach SPIEGEL-Informationen hatte die Bank wohl allen Grund, Wulff dankbar zu sein. Als niedersächsischer Ministerpräsident hatte er eine wichtige Rolle bei der Rettung des Autobauers Porsche gespielt. Der wiederum ist Kunde der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), zu der die BW-Bank gehört.

Auf die Frage des SPIEGEL, ob der Kredit eine Art "Dankeschön" für die Porsche-Rettung gewesen sei, antwortet Wulff, es bestehe "keine irgendwie geartete Interessenkollision". Vorgänge aus dem Aufsichtsrat könne er aber nicht kommentieren, weil sie "fortgeltender Verschwiegenheitsverpflichtungen" unterlägen.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet von weiteren Ungereimtheiten. In einer Stellungnahme am 15. Dezember, zwei Tage nach dem "Bild"-Bericht, erklärte Wulff, ein längerfristiges Bankdarlehen mit einem Zinssatz von 3,62 Prozent festgeschrieben zu haben. Wie die Zeitung berichtet, wurde der ab 2012 gültige Darlehensvertrag aber erst am 21. Dezember unterschrieben.

ore
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