SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

12. Januar 2012, 21:32 Uhr

Kreditaffäre

"Welt" veröffentlicht Fragenkatalog an Wulff

In der Debatte um die Veröffentlichung von Medienanfragen an Christian Wulff prescht die "Welt" vor: Die Zeitung hat ihre eigenen Fragen und die Antworten des Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre ins Internet gestellt.

Berlin - Die Zeitungen "Welt" und "Welt am Sonntag" haben entschieden, alle Fragen, die sie in der Kredit- und Medienaffäre an Bundespräsident Christian Wulff geschickt haben, sowie die Antworten darauf auf ihrer Website unter www.welt.de/wulff-fragen zu veröffentlichen. Die Dokumentation zeige, wie karg manche Antworten ausfielen, und dass selbst Antworten auf Nachfragen bis heute vieles im Unklaren ließen, schreibt die Zeitung.

Wulff selbst hatte in einem Fernsehinterview angekündigt, den Katalog mit Fragen und Antworten öffentlich zugänglich zu machen. Umgesetzt wurde das Transparenzversprechen bisher aber nicht. Zur Begründung schrieb Wulffs Anwalt Gernot Lehr am Mittwoch in einer Pressemitteilung, er könne den Schriftverkehr mit Journalisten "aus Rechtsgründen" nicht veröffentlichen. Er berief sich dabei auf die Verschwiegenheitspflicht. Daraufhin haben mehrere Zeitungen, darunter "Bild", "Welt" und "Frankfurter Rundschau", den Anwalt in Bezug auf die eigenen Fragen und Antworten von seiner Verschwiegenheitspflicht entbunden. Auch der SPIEGEL würde gegen eine Veröffentlichung durch den Bundespräsidenten nicht vorgehen.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) meldet nun, dass Lehr zwei Mails des "Welt"-Redakteurs Jörg Eigendorf vom 21. und 22. Dezember mit aktuellen Fragenkatalogen an die "FAS" weiterreichte - ohne Zustimmung der "Welt" und des Redakteurs. Das Blatt zitiert Lehr mit den Worten, es habe sich um ein "bedauerliches Versehen" gehandelt und sei "nicht mit dem Bundespräsidenten abgestimmt" gewesen.

Lehr sagte SPIEGEL ONLINE am Donnerstag, die Mails seien Teil eines vertraulichen Hintergrundgesprächs mit dem Redakteur der "FAS" am 23. Dezember gewesen. Dieser habe ihm zugesagt, die Fragen nicht zu veröffentlichen, ihn dann aber an diesem Donnerstag überraschend angerufen, um mitzuteilen, dass er sich an die Zusage nicht gehalten habe, so Lehr. Nach Auffassung Lehrs ist dies eine grobe Verletzung der journalistischen Regeln. Das Weiterleiten der Mails ändere an seiner Einstellung zur allgemeinzugänglichen Veröffentlichung von Journalistenfragen im Internet nichts.

Die "FAS" wies die Darstellung Lehrs am Freitag zurück: Die Mails seien keineswegs Teil eines vertraulichen Hintergrundgesprächs gewesen. Lehr habe die Übersendung der Fragen mehrfach telefonisch angekündigt und sie dann per Mail an zwei Redakteure der Zeitung weitergeleitet. Veröffentlicht hat die "FAS" diese Mails nicht, das tat die "Welt" am Donnerstag selbst.

ffr/dapd

URL:


Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung