Krieg in Kunduz Taliban attackieren neuen deutschen Außenposten

Die Bundeswehr unter Dauerfeuer - vier Tage in Folge wurde die Bundeswehr an einem neuen Außenposten in Kunduz in Gefechte verwickelt. Mit Panzerhaubitzen und Kampfjets konnten die Taliban-Attacken abgewehrt werden. Der Truppe droht ein gefährlicher Winter.
Bundeswehrsoldat in Kunduz: Immer wieder Angriffe der Taliban

Bundeswehrsoldat in Kunduz: Immer wieder Angriffe der Taliban

Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

Bundeswehr

Kunduz

Berlin - Die liefert sich gemeinsam mit afghanischen, amerikanischen und belgischen Soldaten seit Tagen zum Teil heftige Gefechte um einen neuen Außenposten der Deutschen nahe des deutschen Feldlagers im nordafghanischen . Mit Sprengsätzen, spontanen Angriffen und Mörsern wollen die Aufständischen die Deutschen und deren Verbündete wieder aus der Taliban-Hochburg Chahar Darreh westlich des Lagers vertreiben. Dort versuchen die Deutschen den neuen Außenposten zur Kontrolle des Terrains zu festigen.

Auf Seiten der Bundeswehr gab es bereits mehrmals leicht Verwundete, mindestens acht Taliban-Kämpfer wurden während Gefechten an vier Tagen in Folge getötet.

Auf deutscher Seite ist hauptsächlich das neue Ausbildungs- und Schutzbataillon (ASB) im Einsatz. Die robuste Infanterieeinheit mit Soldaten aus dem niedersächsischen Seedorf war insbesondere für den gemeinsamen Einsatz und für das Training der Afghanen aufgestellt worden.

Die Isaf-Soldaten hatten gemeinsam mit den Afghanen am 31. Oktober die Operation "Halmazag" begonnen. Übersetzt aus der Landessprache Dari heißt das Blitz. Ziel der Mission ist, an der Nord-Süd-Verbindungsstraße, "LOC Little Pluto" genannt, einen Außenposten für internationale und afghanische Soldaten aufzubauen und zu halten. Von dem Posten aus soll die von den Taliban beherrschte Region besser beobachtbar werden können. Die Operationsführung aus solchen Außenposten, im Nato-Slang "Combat Outpost" (COP), gehört zum neuen Konzept der Bundeswehr.

Die Berichte über die Operation von 480 Soldaten, darunter 150 Deutsche, belegen, wie heikel die Lage trotz massiver Einsätze der Amerikaner gegen Taliban-Führer noch immer ist. Schon während der Anmarschphase auf den geplanten neuen Posten nahe der Ortschaft Quatliam am vergangenen Sonntag explodierten drei selbstgebaute Sprengsätze auf der Straße. Dabei wurden US-Fahrzeuge und zwei deutsche Schützenpanzer Marder beschädigt.

Als die Soldaten schließlich den Außenposten erreichten, wurde weiter auf sie geschossen. Aus dem Camp heraus feuerte eine Panzerhaubitze auf Feindstellungen, dabei wurden zwei Aufständische getötet. Die Gefechte waren so heftig, dass die Bundeswehr nicht mit Bodentruppen ausrücken konnte. Lediglich aus der Luft beobachteten Drohnen den Verlauf der Kämpfe. Immer wieder gab es dabei Hinweise, dass die Taliban Mörserstellungen errichteten.

Taliban haben Kalaschnikows, Panzerfäuste und Mörser

Am ersten Novembertag wurden Isaf-Kräfte mit Kalaschnikows, Panzerfäusten und später auch durch Mörser attackiert. Zudem feuerte die Bundeswehr aus dem Lager erneut mit der Panzerhaubitze und forderte von der Isaf-Zentrale auch Luftunterstützung an.

Die Soldaten auf dem Posten arbeiteten zur selben Zeit hektisch an der Sicherung des Lagers mit Sandsäcken, mussten dies wegen der Kämpfe aber immer wieder unterbrechen. Die Angriffe setzten sich bis zum Mittwoch fort. Insgesamt dreimal bombardierten die Jets der Isaf am Dienstag feindliche Stellungen, dabei wurde eine bisher noch nicht genau bekannte Zahl an Taliban getötet. Da "der betroffene Raum immer noch Kampfgebiet" sei, so die Bundeswehr in einem internen Bericht, sei eine genauere Recherche bisher unmöglich gewesen.

Zivile Opfer gab es nach Erkenntnissen der Bundeswehr bisher nicht. Zweimal trafen sich Isaf-Trupps mit lokalen Würdenträgern aus der Region, erläuterten die Ziele für den neuen Außenposten und fragten explizit nach möglichen Schäden unter der Zivilbevölkerung. Dabei seien von den afghanischen Stammesältesten keine Klagen vorgebracht worden.

Die Gefechte zeigen, wie gefährlich die kommenden Monate rund um Kunduz werden. Die Truppe hat sich als Ziel gesetzt, mehr denn je von solchen Außenposten aus zu agieren und diese trotz der Feinde in unmittelbarer Nähe zu halten. Der neue Posten, so jedenfalls die Planung, soll nun zunächst für eine Woche von den Deutschen weiter ausgebaut und verteidigt werden. Danach könnten die Afghanen die umkämpfte Stellung übernehmen, hofft die Bundeswehr.

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