Kriminelle Kinder Wowereit fordert geschlossene Heime

Der kriminellen Jugend ist nur mit strengerer Kontrolle beizukommen, glaubt Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Er schließt sich nach den Festnahmen mehrerer Drogendealer im Teenie-Alter Forderungen nach geschlossenen Heimen an - die aktuelle Situation sei "unerträglich".

Berlins Bürgermeister Wowereit: "Diese Bürschlein führen den Rechtsstaat vor"
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Berlins Bürgermeister Wowereit: "Diese Bürschlein führen den Rechtsstaat vor"


Berlin - Wegen der anhaltenden Probleme mit jugendlichen Drogendealern in Berlin hat sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für geschlossene Heime für schwer erziehbare und schwer kriminell Minderjährige ausgesprochen. Ähnliche Forderungen gibt es seit Wochen immer wieder.

Mit Blick auf zwei Jugendliche, die mit ihrem Verschwinden aus Kinderheimen wochenlang Polizei und Betreuer narrten, sagte Wowereit am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa, er finde es richtig, "dass eine breite Öffentlichkeit sich darüber aufregt, dass diese Bürschlein hier den Rechtsstaat vorführen". Das sei "unerträglich". Bisherige Ansätze, solche sehr jungen und nicht strafmündigen Kriminellen in abgeschiedenen Gegenden unterzubringen und intensiv zu betreuen - "das heißt auch Bewachung" - seien ebenfalls eine Lösung.

Wowereit forderte den Bund auf, über geschlossene Heime als Alternative zu diskutieren. "Das ist eine Rechtsstaatsdebatte, die nicht nur Berlin betrifft und bundesweit geführt werden muss", sagte der SPD-Politiker.

Zum Teil ist dies bereits geschehen. Zuletzt plädierte etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für geschlossene Unterbringungen von Wiederholungstätern. Er äußerte kürzlich in der Zeitung "Welt am Sonntag" die Hoffnung, Kinder auf diese Weise ihrem Umfeld entziehen und vor Ausnutzung durch kriminelle Clans schützen zu können. Der niedersächsische Innenminister, Uwe Schünemann (CDU), nannte solche Einrichtungen einen "wichtigen Schritt zu einer sicheren Gesellschaft".

In den vergangenen Wochen waren in Berlin wiederholt strafunmündige Drogendealer in Kindesalter festgenommen worden. Anfang der Woche erst kehrte in der Hauptstadt ein mehrfach wegen Drogenhandels festgenommener Elfjähriger in das Kinderheim zurück, aus dem er vor über einer Woche verschwunden war. Von einem ebenfalls zur Fahndung ausgeschriebenen 13-Jährigen fehlt weiter jede Spur.

Es entbrannte eine Debatte, wie die Jungen alternativ untergebracht werden können, um der Problematik Herr zu werden - nach Angaben des Rauschgiftdezernats beim Landeskriminalamt werden Kinder von Drogenbanden als Dealer eingesetzt. Bis sie 14 Jahre als sind, gelten Kinder und Jugendliche in Deutschland als nicht strafmündig. Die Polizei muss sie nach Festnahmen wieder laufenlassen, Gerichte können sie nicht bestrafen. Vertreter von Polizei und Parteien beklagen, dass Ordnungshüter, Justiz und Behörden bei der Bekämpfung dieses Problems derzeit weitgehend machtlos sind.

can/dpa/ddp



insgesamt 154 Beiträge
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rempfi, 29.07.2010
1. Nur Drogendealer ?
Wieso nur jugendliche Drogendealer ? Alle, absolut alle, damit endlich Ruhe ist, selbst wenn es hart klingt, aber offenbar ist diesen UNERZIEHBAREN Jugendlichen nicht anders beizukommen. Ansonsten halt ich von zuviel Gängelung nix, aber wenn das das letzte Mittel ist. einverstanden.
rabenkrähe 29.07.2010
2. Aus den Augen...
Zitat von sysopDer kriminellen Jugend ist nur mit strengerer Kontrolle beizukommen, glaubt Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Er schließt sich nach den Festnahmen mehrerer Drogendealer im Teenie-Alter Forderungen nach geschlossenen Heimen an - die aktuelle Situation sei "unerträglich". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,709210,00.html
..... Wofür der Zugang fehlt, wofür Aufwand und Einsatz massiv sind, das wird eben weggesperrt = aus den Augen - aus dem Sinn! rabenkrähe
sappelkopp 29.07.2010
3. Hilflosigkeit
Das zeigt die Hilflosigkeit unserer Gesellschaft. Einfach wegsperren. Aber mir fällt auch keine andere Lösung ein. Es muss einfach ganz andere Ansätze geben, schon im Vorschulalter. Wenn die Kinder erst in den Brunnen gefallen sind, ist es zu spät. Nur was will man machen, wenn sich selbst Eltern für ihre Kinder nicht interessieren.
LouisWu 29.07.2010
4. Die Titel gehen mir auf den Keks...
Zitat von rabenkrähe..... Wofür der Zugang fehlt, wofür Aufwand und Einsatz massiv sind, das wird eben weggesperrt = aus den Augen - aus dem Sinn! rabenkrähe
Der Schutz Anderer hat unbedingten Vorrang, Zugang hin oder her. Ich bin sicher, bei Kinderschändern wäre das genau Ihre Ansicht. Die Verletzung eines Erwachsenen ist aber nicht minder schlimmm, und da sophistische Unterschiede zu schaffen ist m.E. albern.
genugistgenug 29.07.2010
5. .
Zitat von sysopDer kriminellen Jugend ist nur mit strengerer Kontrolle beizukommen, glaubt Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Er schließt sich nach den Festnahmen mehrerer Drogendealer im Teenie-Alter Forderungen nach geschlossenen Heimen an - die aktuelle Situation sei "unerträglich". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,709210,00.html
Klasse Idee - am besten in die geschlossenen Anstalten wie Reichstag, Länderparlamente, usw. einsperren und auch jede Behörde dürfte noch ein Plätzchen haben. Da kommt dann zusammen was zusammen gehört - alle Kriminellen auf einem Haufen. Wer satire findet darf sie behalten.
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