Krippenstreit Beck vergleicht Bischof Mixa mit kastriertem Kater

Der Streit über die Äußerungen von Bischof Mixa, die Pläne von Familienministerin von der Leyen degradierten Frauen zu Gebärmaschinen, wird immer bizarrer. SPD-Chef Beck griff nun zum Bild eines kastrierten Katers. Mit dem Vergleich wolle er um "Verständnis für Mixa" werben.


Berlin - Bei einer Programmkonferenz der SPD in Berlin reagierte Kurt Beck mit einem Witz auf die scharfe Kritik von Bischof Walter Mixa an den Plänen von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) für mehr Kinderbetreuung: Eine einsame Frau habe sich als Gesellschaft einen Kater gekauft, der aber jeden Abend unterwegs gewesen sei und sie alleine gelassen habe. Auf Rat einer Freundin habe sie das Tier daraufhin kastrieren lassen. Als sie später der Freundin klagte, der Kater sei weiterhin jeden Abend unterwegs, habe diese ungläubig gefragt: "Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?" Darauf habe die Frau gesagt: "Das nicht, aber er berät jetzt."

Bischof Mixa: Zweifelhafter Vergleich seitens SPD-Chef Beck
DPA

Bischof Mixa: Zweifelhafter Vergleich seitens SPD-Chef Beck

Beck erntete lautes Gelächter und großen Applaus vor mehreren hundert Zuhörern. Er wolle mit der Geschichte von dem Kater um Verständnis für Mixa werben, sagte der Parteivorsitzende.

Zuvor hatten Rednerinnen bei der Konferenz Mixa scharf für den Vorwurf kritisiert, der auch von der SPD angestrebte Ausbau der Kinderbetreuung mache Frauen zu Gebärmaschinen und stärke sie als Erwerbstätige auf Kosten ihrer Rolle als Mütter und Erzieherinnen.

Beck bekräftigte das Ziel der SPD, ab 2010 für Kinder ab zwei Jahre einen Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot einzuführen. Der gegenwärtige Streit in der Union mache deutlich, dass es "ohne die SPD keine Mehrheiten für mehr Kinderbetreuung in Deutschland gibt", sagte Beck am Rande der SPD-Programmkonferenz.

Beck wie auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagten, die Vorstellungen von der Leyens zielten in die richtige Richtung. "Krippenbetreuung ist für die SPD keine weltanschauliche Streitfrage", sagte Wowereit. Wenn von der Leyen derzeit so massiv angegriffen werde, "dann müssen wir uns schützend vor sie stellen". Allerdings müsse sie ihren Ankündigungen auch Taten folgen lassen.

Auf Verständnis stoßen die Äußerungen Mixas bei der Jungen Union. Der Vorsitzender Philipp Mißfelder hat sich im Streit über die Kinderbetreuung hinter den katholischen Bischof gestellt. "Wenn Bischof Mixa sagt, wir brauchen familiengerechte Arbeitsplätze, nicht arbeitsgerechte Familien, hat er durchaus recht", sagte JU-Chef Philipp Mißfelder der Tageszeitung "B.Z." (Sonntagausgabe) laut einer Vorabmeldung.

Die Wirtschaft sei aufgefordert, etwa mit Betriebskindergärten mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun. "Frauen brauchen in der heutigen Zeit wirkliche Wahlfreiheit." Mixa hatte erklärt, von der Leyens Vorschläge zum Ausbau von Kindertagesstätten seien kinderfeindlich und ideologisch verblendet. Auch am Wochenende bekräftigte der Geistliche seine Äußerungen. Mißfelder sagte zu den Angriffen: "Ich bin gläubiger Katholik und finde es gut, wenn die Kirche ihre Meinung vertritt."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich im Streit um die Ausweitung der Kinderbetreuung vor ihre Familienministerin. Ausdrücklich widersprach die Kanzlerin der Auffassung Mixas, die Ressortchefin degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". CDU-Vize Jürgen Rüttgers verteidigte von der Leyen auch gegen Kritik aus der eigenen Partei. Von der Leyen selbst riet in der Debatte "dringend zu mehr Sachlichkeit."

asc/Reuters/AP/ddp

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