Krise der Liberalen FDP will erst im April mit Westerwelle abrechnen

Der Showdown wird vertagt: Im April berät das FDP-Präsidium über die künftige Führung. Das kündigte Parteichef Guido Westerwelle an - und machte sich über die Kritiker seiner Rede beim Dreikönigstreffen lustig: "Einigen könnte ich es nicht einmal recht machen, wenn ich in Versform gesungen hätte."

Guido Westerwelle: Überlebt der FDP-Chef das Superwahljahr?
Getty Images

Guido Westerwelle: Überlebt der FDP-Chef das Superwahljahr?


Berlin - Guido Westerwelle hat erst einmal Zeit gewonnen. Aber bereits kurz nach den Landtagswahlen im Frühjahr könnte sich entscheiden, ob der FDP-Chef im Amt bleibt. Am 11. April 2011, gut vier Wochen vor dem Rostocker Wahlparteitag, werde das FDP-Präsidium mit den Landesvorsitzenden erstmals über das künftige Führungsteam beraten, kündigte er in der "Welt am Sonntag" an.

Ob der Außenminister dann erneut als Vorsitzender antreten wird, ließ er in dem Interview weiterhin offen. Westerwelle betonte: "Dass mir meine Aufgabe Freude macht, will ich nicht verhehlen." Aber: "Diese Frage wird im Vorfeld des Wahlparteitags zunächst in den Gremien besprochen, nicht vorab in den Zeitungen." Dies gebiete auch der Respekt vor den Landesverbänden, die Zeit haben müssten, sich ihre Meinung zu bilden.

Bis zum FDP-Wahlparteitag vom 13. bis 15. Mai 2011 in Rostock wird in vier Ländern gewählt: In Hamburg (20. Februar), Sachsen-Anhalt (20. März), Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (jeweils 27. März) könnten die von miserablen Umfragewerten geplagten Liberalen schlimmstenfalls an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

FDP verharrt in Umfrage bei fünf Prozent

Der Außenminister hatte seine Partei nach wochenlangen Diskussionen über das Umfragetief und seine Person am Donnerstag beim Dreikönigstreffen in Stuttgart auf Wahlkampf unter seiner Führung eingeschworen und dabei kaum Selbstkritik geübt. Der versuchte Befreiungsschlag stieß in den eigenen Reihen auf ein geteiltes Echo.

Die engere Parteiführung stellte sich hinter Westerwelle - die innerparteilichen Kritiker bewerteten seinen demonstrativ selbstbewussten Auftritt allenfalls als ersten Schritt auf dem Weg zur Einsicht eigener Fehler. "Einigen Kritikern könnte ich es nicht einmal recht machen, wenn ich die Rede in Versform gesungen hätte", sagte Westerwelle dazu in der "Welt am Sonntag".

In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" verharrt die FDP in der Gunst der Wähler bei fünf Prozent. Die Union kann hingegen im Vergleich zum Jahresende einen Prozentpunkt auf 35 Prozent zulegen. Die SPD würde demnach auf 26 Prozent (minus eins), die Grünen erhielten 20 Prozent (plus eins), die Linke würde auf neun Prozent kommen (minus eins).

böl/dpa



insgesamt 826 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Heimatloserlinker 06.01.2011
1.
Zitat von sysopDie Spannung war groß: Mit seiner Rede beim Dreikönigstreffen der Liberalen wollte Guido Westerwelle seine Partei aus dem Tief holen. Hat er dabei gepunktet?
Bei wem?
LocoGrande 06.01.2011
2.
Eine Rede voller Widersprüche, voller Selbstbeweihräucherung und voller Realitätsverlust. Wenn das der große Wurf für die Medien gewesen ist, dann weiss man, was die Stunde in der Medienrepublik geschlagen hat.
Paul-Merlin 06.01.2011
3. Natürlich nicht,
Zitat von sysopDie Spannung war groß: Mit seiner Rede beim Dreikönigstreffen der Liberalen wollte Guido Westerwelle seine Partei aus dem Tief holen. Hat er dabei gepunktet?
aber seine Pöstchen kann er jetzt noch ein wenig behalten, bis nach den absehbaren Wahldebakeln.
Harald E, 06.01.2011
4. Muss aber
Zitat von LocoGrandeEine Rede voller Widersprüche, voller Selbstbeweihräucherung und voller Realitätsverlust. Wenn das der große Wurf für die Medien gewesen ist, dann weiss man, was die Stunde in der Medienrepublik geschlagen hat.
Das muss der große Wurf sein. Merkel, Gutti, vdL, Seehofer und Co. sind ganz begeistert von Westerwelle. Unsere politische Führungselite sieht wohl Fähigkeiten in ihm, die 97% der Bevölkerung verborgen bleiben.
zynik 06.01.2011
5. weiter so
Zitat von sysopDie Spannung war groß: Mit seiner Rede beim Dreikönigstreffen der Liberalen wollte Guido Westerwelle seine Partei aus dem Tief holen. Hat er dabei gepunktet?
Weiter so. Mehr war nicht. Aber wer hat bitte ernsthaft etwas anderes erwartet? Die Ideologie dieser Partei lässt garnichts anderes zu.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.