Gabriel entsetzt über CSU "Sozialdemokraten kriegen Gänsehaut"

Sigmar Gabriel hat entsetzt auf Attacken der CSU gegen Martin Schulz reagiert. Dem sozialistischen Spitzenkandidaten für die Europawahl undeutsches Verhalten vorzuwerfen, mache den Rechtspopulismus hoffähig, so der SPD-Chef.
SPD-Chef Gabriel: "Dann kriegen Sozialdemokraten eine Gänsehaut"

SPD-Chef Gabriel: "Dann kriegen Sozialdemokraten eine Gänsehaut"

Foto: AP/dpa

Nürnberg/Berlin - Zwei Wochen vor der Europawahl kommt doch noch so etwas wie Wahlkampfstimmung in Deutschland auf. An diesem Wochenende eskalierte ein Streit zwischen der SPD und dem CSU-Spitzenkandidaten für Brüssel, Markus Ferber. In den mischte sich am Sonntag auch Sigmar Gabriel ein. Der SPD-Chef warf dem Koalitionspartner vor, dem Rechtspopulismus das Wort zu reden.

Er sei "absolut entsetzt" über Ferbers Aussage, in Martin Schulz, dem sozialistischen Spitzenkandidaten im Europawahlkampf, hätten die Schlepperbanden einen Geschäftsführer gefunden, sagte Gabriel am Sonntag bei einer Veranstaltung des Magazins "Cicero" in Berlin. "Wenn man mit Flüchtlingspolitik so umgeht, wie das die Antieuropäer und die Rechtspopulisten tun, dann muss man sich nicht wundern, wenn deren Sprüche hoffähig werden."

"Es gibt ein paar Sachen, die dürfen nicht passieren", kritisierte Gabriel in dem "Cicero"-Gespräch. Dazu gehöre auch, dass die CSU Schulz vorgeworfen habe, sich nicht deutsch zu verhalten. "Dann kriegen Sozialdemokraten eine Gänsehaut. Das ist ungefähr das, was man Willy Brandt in den sechziger und siebziger Jahren vorgehalten hat."

Zuvor hatte sich bereits SPD-Vizechef Ralf Stegner empört: "Während die CDU-Schwesterpartei von Berlusconi einen antideutschen Wahlkampf führt, erklärt Scheuer nun, dass der Spitzenkandidat der SPD nur ein Fassaden-Deutscher sei", sagte der Schleswig-Holsteiner. Bei der Union dürfe man Sozialdemokraten offenbar wieder als "undeutsch" diffamieren.

Seehofer in Nürnberg zufrieden

Die CSU hat sich am Wochenende bei ihrem kleinen Parteitag in Nürnberg vor allem auf Martin Schulz eingeschossen und dabei deftige Worte gewählt. Ferber sagte über den SPD-Mann: "Ein potentieller Kommissionspräsident, der sich für Euro-Bonds und Schuldentilgungsfonds einsetzt, versündigt sich an den Menschen in Europa."

Ferber, der bisher eher als zurückhaltend im Umgang mit Stammtischparolen galt, kritisierte auch Schulz' Einsatz für eine großzügigere Aufnahme von Bootsflüchtlingen in der EU: "Die Schlepperbanden in Afrika haben damit einen Geschäftsführer bekommen." Auch die Haltung des Sozialdemokraten in der Frage, ob die Türkei der EU beitreten dürfe, griff der CSU-Mann an: In Deutschland sage Schulz, eine EU-Mitgliedschaft der Türkei gehe derzeit nicht - in der Türkei sage er, das Land sei herzlich willkommen. "Den wollen wir nicht als Kommissionspräsidenten", befand Ferber.

Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer attackierte Schulz: "Die Fassade und die Person stammen aus Deutschland, aber die Stimme und die Inhalte stammen aus den Schuldenländern." Scheuer griff die SPD, immerhin Koalitionspartner in der Bundesregierung, auch grundsätzlich an: "Es wäre fatal für die Stabilität in Europa, wenn Sozialisten und Sozialdemokraten das Ruder übernehmen würden."

CSU-Chef Horst Seehofer gab sich in Nürnberg zufrieden und zuversichtlich. Seine Partei sei sehr gut aufgestellt, sagte er. Seehofer hat als Ziel für die CSU ausgegeben, weiter acht Abgeordnete nach Brüssel zu entsenden.

ler/dpa/AFP
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