Kritikloses Rommel-Gedenken Bundeswehr-Blatt würdigt den "Wüstenfuchs"

Eine Zeitschrift der Bundeswehr hat an den Geburtstag von "Wüstenfuchs" Erwin Rommel erinnert, seine Verstrickung in Wehrmachtsverbrechen wurde mit keinem Wort erwähnt. Die Grünen kritisieren das als "nicht akzeptabel" - das Verteidigungsministerium wiegelt ab.
Erwin Rommel: "Der bei Freund und Feind bekannteste deutsche Soldat"

Erwin Rommel: "Der bei Freund und Feind bekannteste deutsche Soldat"

Foto: A0001 UPI/ dpa

Berlin - Das Bundesverteidigungsministerium rechtfertigt eine umstrittene Würdigung des Wehrmachtgenerals Erwin Rommel in einer Bundeswehr-Zeitschrift. Das Magazin "if - Zeitschrift für Innere Führung" hatte in seiner Ausgabe Nr. 3 (2011) anlässlich Rommels 120. Geburtstags am 15. November 2011 geschrieben: "Generalfeldmarschall Erwin Rommel (...) wird im Zweiten Weltkrieg zum bei Freund und Feind bekanntesten deutschen Soldaten. Sein Wirken als Befehlshaber des deutschen Afrikakorps in Nordafrika bringt ihm den Beinamen Wüchstenfuchs ein."

Omid Nouripour, sicherheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte die Meldung in einer schriftlichen Frage an das Verteidigungsministerium scharf, da sie Rommels Verstrickung in Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verschweige.

Das Verteidigungsministerium weist diesen Vorwurf zurück: Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU) erklärte in einer schriftlichen Antwort, der Hinweis auf Rommels Geburtstag in der "if" diene "als Anregung zur Auseinandersetzung mit seiner Person im Rahmen der politischen Bildung" und sei mit den Grundsätzen der inneren Führung vereinbar. Die Kalendernotiz sei Teil einer "werteorientierten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit", so Kossendey.

Nouripour kritisiert Würdigung als "völlig falsches Signal"

"Die Leichtfertigkeit, und das ausgerechnet von der Zeitung der Inneren Führung der Bundeswehr, zeigt einen ignoranten und nicht akzeptablen Umgang mit einem so wichtigen Thema wie der Auseinandersetzung mit ehemaligen Größen des Nazi-Regimes", sagte der Grünen-Politiker Omid Nouripour SPIEGEL ONLINE. "Mit einem Mann wie Rommel kann man nicht so neutral umgehen, wie es die Zeitung der Bundeswehr getan hat und wie es schließlich sogar vom Ministerium verteidigt wird", kritisierte der Verteidigungsexperte. Nouripour betonte, gerade für die in Zukunft anstehende Aufgabe der verstärkten Werbung von Freiwilligen für die Bundeswehr sei ein solcher Geburtstagsgruß "das völlig falsche Signal".

Die Bundeswehr hält den Weltkriegsgeneral seit jeher in ehrender Erinnerung. 1961 wurde die nach Anzahl der stationierten Soldaten größte Kaserne des deutschen Heeres im nordrhein-westfälischen Augustdorf nach Erwin Rommel benannt. Auch eine Kaserne in Dornstadt bei Ulm trägt bis heute seinen Namen.

Die "if" erscheint seit 1956 - damals noch unter dem Namen "Informationen für die Truppe" - und ist damit die älteste Zeitschrift der Bundeswehr. Das Blatt erscheint im Auftrag des Verteidigungsministers und des Generalinspekteurs der Bundeswehr im Rahmen der Truppeninformation. Nach eigener Aussage will die Redaktion der Zeitschrift "vor allem den Offizieren Orientierungsmöglichkeiten bieten" und deren "ethische Urteilskraft" stärken.

syd/mgb
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