Kunduz-Affäre Wehrbeauftragter fürchtet Vertrauensverlust bei den Soldaten

Die Kunduz-Affäre könnte die deutschen Soldaten verunsichern, fürchtet der Bundestagswehrbeauftragte Reinhold Robbe. Es drohe ein Vertrauensverlust der Truppe in die politische Führung - und "das wäre verheerend".

Reinhold Robbe: Warnung vor Vertrauensverlust
ddp

Reinhold Robbe: Warnung vor Vertrauensverlust


Berlin - Der Streit über den tödlichen Luftangriff von Kunduz bedroht aus Sicht des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe das Vertrauen der Soldaten in die politische Führung der Bundeswehr. Der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag sagte der SPD-Politiker, die Truppe stehe noch uneingeschränkt hinter der Führung. Er fügte aber hinzu: "Jeder muss wissen, dass dieses Vertrauen der Soldaten nicht verspielt werden darf. Das wäre verheerend."

Robbe kritisierte, dass die Debatte sich zunehmend von der Wirklichkeit entferne. "Die Soldaten sind geschockt von den Ereignissen und Umständen, die zur Entlassung des Generalinspekteurs und zum Rücktritt des Ministers und Staatssekretärs geführt haben. Das wurde und wird zum Teil sehr kritisch gesehen", sagte er.

Zu den Vorwürfen des ausgeschiedenen Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan sagte der Wehrbeauftragte: "Das ist ohne Frage ein beispielloser Vorgang. Ich kenne General Wolfgang Schneiderhan seit vielen Jahren als Soldaten von höchster persönlicher Integrität. Umso wichtiger ist es, dass der Untersuchungsausschuss so schnell wie möglich für die notwendige Aufklärung sorgt."

In der Kunduz-Affäre war am Mittwoch der Ton zwischen Regierung und Opposition giftig geworden. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg warf der Opposition im Bundestag vor, kein Interesse an Aufklärung zu haben. Die Debatte sei "nahe am politischen Klamauk".

Sein Staatssekretär Christian Schmidt räumte ein, dass das Ministerium Kanzlerin Angela Merkel über den Luftangriff vom 4. September erst mit fünftägiger Verzögerung informierte. Der entlassene Generalinspekteur Schneiderhan bezichtigte Guttenberg der Lüge. Um Licht in die Affäre zu bringen, konstituierte sich der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss. Er konnte sich allerdings noch nicht auf die Reihenfolge der Zeugenvernehmung einigen.

Bei dem Angriff am 4. September wurden bis zu 142 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten.

ler/APD

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Seite 1
AndyH 12.12.2009
1.
Zitat von sysopVerteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit der Behandlung der Kunduz-Affäre erhebliche Probleme. Das kratzt am bisher glänzenden Bild des neuen Politstars. Schadet das Krisenmanagement dem Ruf des Verteidigungsministers? Diskutieren Sie mit!
Wieso Krise? Verstehe ich nicht. 2 LKW wurden geraubt und dann auf feindlichen Territorium vernichtet während sie geplündert wurden. Wo bitte ist da eine Krise oder Problem?
Fliegendes Nashorn 12.12.2009
2.
Zitat von sysopVerteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit der Behandlung der Kunduz-Affäre erhebliche Probleme. Das kratzt am bisher glänzenden Bild des neuen Politstars. Schadet das Krisenmanagement dem Ruf des Verteidigungsministers? Diskutieren Sie mit!
Nicht nur seinem Ruf - sondern auch dem der Bundeswehrführung. Die Vertreter der Bundeswehr haben schließlich in den Medien die Lügerei unterstützt.
medienquadrat, 12.12.2009
3.
Das Ansehen Deutschlands in Afghanistan, mit dem die ganze Zeit soviel Buhei gemacht wurde, ist im Eimer. Gut, jetzt ist der Spruch, "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" endlich mal in Deckung gebracht worden mit der Realität, aber die Deutschen sind die ganze Zeit ebenso belogen worden, wie die Afghanen. Die Regierungen unserer sogenannten Demokratie haben sich hinterhältig und verlogen an den wahren Krieg herangetastet, immer nach dem Motto, dass wir Michel mit dieser fraktionierten Realität irgendwann auch mit dem extremst Unvermeidlichen einverstanden sind. Ich sehe Deutsche Soldatinnen und Soldaten bereits Seite an Seite mit einer "Koalition der Willigen" in den Iran einmarschieren. Das dauert bestimmt nicht mehr lange.
medienquadrat, 12.12.2009
4.
Zitat von AndyHWieso Krise? Verstehe ich nicht. 2 LKW wurden geraubt und dann auf feindlichen Territorium vernichtet während sie geplündert wurden. Wo bitte ist da eine Krise oder Problem?
Das Problem ist, dass eine Eliteeinheit der Bundeswehr dort ebenfalls stationiert ist, deren Auftrag bestimmt nicht ist, afghanische Mädchen zu ermuntern, in die Schule zu gehen. Das Problem ist, dass sich ein Offizier der Bundeswehr offensichtlich über seine Befehle hinweggesetzt hat und Krieg spielen wollte. Wie kann ein einziger Bundeswehroffizier den Befehl geben, möglichst viele Taliban zu töten? Was hat die Eliteeinheit KSK in Afghanistan zu suchen? Warum vertuschen unsere Parlamentarier, die sogenannten "Volksvertreter" dieses Lügenkonstrukt? Warum belügt man uns? Das Problem ist, dass das, was wir Demokratie nennen, durch unsere eigenen Politiker in ein verlogenes Konstrukt von Vertuschung und Täuschung verwandelt wird. Meine Stimme bei der letzten Bundestagswahl ist aufgrund von Lügen erschlichen worden. Ich will meine Stimme zurück!
Brand-Redner 12.12.2009
5. Kaum
Zitat von sysopVerteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit der Behandlung der Kunduz-Affäre erhebliche Probleme. Das kratzt am bisher glänzenden Bild des neuen Politstars. Schadet das Krisenmanagement dem Ruf des Verteidigungsministers? Diskutieren Sie mit!
"Ist der Ruf erst ruiniert, lebst sich's danach ungeniert." Insofern hat Herr Baron wirklich nichts derartiges zu befürchten. Ob Letzteres auch für seine Dienstreisen nach Afghanistan gilt, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber glaubt man den herrschenden Meinungsmachern, dann ist er auch dort relativ sicher, denn: Dem afghanischen Volk läuft nach wie vor das Herz über vor lauter Liebe zu den Deutschen, die Ihnen nichts als Gutes bringen. Zumindest wird derartiges unaufhörlich behauptet...
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