SPIEGEL ONLINE

Neue Gewalt in Hamburg Polizei beschlagnahmt Machete bei Kurdendemo

Die dritte Nacht in Folge haben Hunderte Kurden in Hamburg gegen die Terrormiliz IS protestiert. In der Innenstadt kam es zu Krawallen, die Polizei stellte Waffen sicher - darunter Schlagstöcke, Messer und eine Machete.

Hamburg - Die Proteste begannen am Mittwochabend friedlich, doch später in der Nacht kam es in Hamburg zu Ausschreitungen: Etwa 1300 Kurden haben erneut gegen die Angriffe der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf kurdische Städte in Syrien demonstriert. Zunächst zogen sie, teilweise in kurdischer Nationaltracht, mit Transparenten, Fahnen und Musik durch den Stadtteil Altona zur Sternschanze. Unter anderem forderten die Demonstranten Freiheit für Abdullah Öcalan, den Chef der radikalen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Nach einer Abschlusskundgebung am späten Abend brach ein Teil der Demonstranten in den Stadtteil St. Georg auf. Dort warf die Gruppe nach Polizeiangaben Flaschen und auch einige Steine. Mindestens ein Mensch sei am Kopf verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es nach Polizeiangaben. Beamte hätten mehrere Hieb- und Stoßwaffen wie Baseballschläger, Messer und eine Machete beschlagnahmt. Auch eine Schusswaffe und Munition seien konfisziert worden.

Die Polizei war mit mehr als tausend Beamten im Einsatz, davon knapp 260 aus anderen Bundesländern. Sie begleiteten und kontrollierten kleinere Gruppen, die sich durch die Stadt bewegten. Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei gegen mehrere Personen. Das Landeskriminalamt prüft den Verdacht des Verstoßes gegen das Waffengesetz und des Landfriedensbruchs, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. 46 Teilnehmer waren vorläufig festgenommen worden, 18 kamen in Gewahrsam. Sie sind allesamt wieder auf freiem Fuß. Sie hätten die türkische, syrische oder deutsche Staatsbürgerschaft.

Am Steindamm in der Nähe des Hauptbahnhofs, wo es in der Nacht zuvor zu schweren Zusammenstößen mit mutmaßlichen Islamisten vor einer Moschee gekommen war, sammelten sich nach Schätzung von Beobachtern mehrere Hundert Kurden. Es wurden lautstark Parolen gerufen. Mindestens ein Geschäft sei attackiert worden. In der Nacht zum Mittwoch waren bei den Protesten 14 Menschen teilweise schwer verletzt worden.

"Stellvertreterkrieg auf deutschem Boden"

Nach den Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Gruppen in Hamburg und der niedersächsischen Stadt Celle schlägt jetzt die Polizeigewerkschaft Alarm. "Hier droht ein Stellvertreterkrieg auf deutschem Boden", sagte deren Vorsitzender Rainer Wendt der "Passauer Neuen Presse" (PNP). In Hamburg und Celle hätten die Einsatzkräfte "unter Lebensgefahr rohe Gewalt" erlebt, die sich auch gezielt gegen die Polizei gerichtet habe. Die Gewalttäter seien "bis an die Zähne" bewaffnet, so Wendt. Die Konflikte aus dem Irak und Syrien würden auf deutschen Straßen ausgetragen.

Auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), zeigte sich besorgt. Es sei "leider nicht das erste Mal, dass Konflikte, deren Ursachen in anderen Staaten oder in unterschiedlicher religiöser Prägung liegen, mit Gewalt auf unseren Straßen und Plätzen ausgetragen werden", sagt Bosbach der PNP. Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer forderte, es müsse "mit allen Möglichkeiten des Strafrechts gegen die Täter und vor allem Rädelsführer vorgegangen werden".

Im nordsyrischen Kobane stehen sich kurdische Soldaten und Anhänger der Dschihadistengruppe IS in schweren Kämpfen gegenüber. Kurden in Deutschland demonstrieren seit Tagen für mehr Unterstützung für ihre Landsleute in Kobane.

Fotostrecke

Kampf um Kobane: Terror an der türkischen Grenze

Foto: UMIT BEKTAS/ REUTERS
amz/dpa