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Gestorben Kurt Biedenkopf, 91

aus DER SPIEGEL 34/2021
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Sepp Spiegl / imago/sepp spiegl

Er verhielt sich wie viele große Männer, die eher von kleinem Wuchs sind: Kurt Biedenkopf war bestrebt, der Beste zu sein, recht zu haben, es stets besser zu wissen. Schnell avancierte er zum Vor- und Querdenker – was damals noch kein Unwort war. Als Manager beim Waschmittelhersteller Henkel erkannte er die Vorzüge der innerbetrieblichen Mitbestimmung auch für die Kapitalseite. Als CDU-Generalsekretär machte er die Union 1976 mit einem demagogischen »Freiheit statt Sozialismus«-Wahlkampf zur stärksten politischen Kraft, entdeckte aber auch das Potenzial grüner Themen zur Modernisierung der Marktwirtschaft. Weil er aus seinen visionären Fähigkeiten und seiner Klugheit selten einen Hehl machte, ging »Bieko«, wie er in der CDU damals genannt wurde, seinen Granden schnell auf die Nerven. Sie schoben ihn aufs konservative Abstellgleis der Bonner Republik, ins damals sozialdemokratische Nordrhein-Westfalen. Im Alter von 60 Jahren gelang ihm das Comeback. Biedenkopf wurde Aufbauhelfer Ost, in Sachsen erst als Professor, dann als Ministerpräsident. Zwölf Jahre lang regierte »König Kurt«, paukte den Freistaat zum ostdeutschen Klassenprimus hoch, siedelte Hightechbetriebe und Forschungsinstitute an. Die Sachsen waren dankbar, so sehr, dass sie höfische Allüren und Nepotismus über Jahre klaglos ertrugen. Erst ein Spezialrabatt bei Ikea war zu viel. Biedenkopf musste als Ministerpräsident zurücktreten, blieb aber Ratgeber für seine sächsischen Parteifreunde. Kurt Biedenkopf starb am 12. August in Dresden.

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