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Rösler, ein liberaler Darling: Der Aufsteiger

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Lästerei über Merkel Röslers Spott-Flop

Gesundheitsminister Philipp Rösler gilt als eines der größten politischen Talente in der FDP. Doch nach seiner umstrittenen Volksfestrede mit Querschüssen gegen Angela Merkel gerät er unter Druck - sein Verhältnis zur Kanzlerin versuchte er nun, per SMS zu reparieren.

Berlin - Philipp Rösler liebt satirische Spitzen. Damit hat der 37-Jährige vor Parteifreunden schon mächtig gepunktet. Diese Woche ging es mit dem Bundesgesundheitsminister beim Gillamoos-Volksfest einmal so richtig durch.

Das Festzelt im niederbayerischen Abensberg jubelte, als der Niedersachse ausrief, Angela Merkel und Guido Westerwelle lieferten sich im Kabinett einen "Zickenkrieg", die Bundesregierung habe zehn Monate lang nichts gemacht, dies sei genau die Zeit gewesen, "die die Wirtschaft gebraucht hat, um sich zu erholen".

Angela Merkel

Rösler traf den Nerv der Zuhörer, als es gegen ging. Sie gebe es jetzt auch als "Barbiepuppe".

Rösler: "Die kostet 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro. Aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge."  Der durchaus witzige Auftritt sorgt seitdem für reichlich Wirbel - Parteifreunde und sogar die Kanzlerin sollen sich intern irritiert gezeigt haben. Der fröhliche Spott wird von manch einem als Flop empfunden.

Spaßfreie Zone Berlin: Nun rudert Rösler zurück. Nach dem Festzelt-Auftritt seien Rösler und Merkel im SMS-Kontakt gewesen, heißt es gegenüber SPIEGEL ONLINE aus Kabinettskreisen. Ihr Verhältnis, wird betont, sei auch nach der Rede "ungetrübt". Vom Bundesgesundheitsministerium heißt es: "Die Sache ist erklärt und geklärt." Im übrigen habe es sich um Satire gehandelt. "Die Äußerungen, die auf derartigen Volksfesten benutzt werden, sind nicht dazu gedacht, bierernst genommen zu werden", sagt Röslers Sprecher zu SPIEGEL ONLINE.

schwarz-gelbe Koalition

In der Koalition hingegen schlägt so mancher die Hände über dem Kopf zusammen. Hatte man sich nicht darauf geeinigt, nach turbulenten Monaten endlich Ruhe in die zu bekommen? Vor allem aber: Musste es ausgerechnet die Kanzlerin sein, die doch im Streit um die Gesundheitspolitik als eine der verlässlichen Stützen des Liberalen gegen die andauernden CSU-Attacken gilt?

Unruhe in der FDP

Manch einer in der FDP-Bundestagsfraktion in Berlin zweifelt gar an den ministrablen Qualitäten des zweitjüngsten Politikers am Kabinettstisch. "Er kann ja schon sehr amüsiert reden, das muss aber zum Anlass schon auch passen. Schließlich ist er Minister", heißt es hinter vorgehaltener Hand. Und von anderer Seite ist bei liberalen Abgeordneten zu hören: "Ich hätte mich an seiner Stelle lieber auf den politischen Gegner eingeschossen."

Philipp Rösler

FDP-Generalsekretär Christian Lindner

gilt - neben - als eines der größten politischen Talente in der FDP. Manche sehen ihn gar schon als möglichen Nachfolger von Guido Westerwelle an der Parteispitze. Doch sein Auftritt in Abensberg kratzt am Image. Wer Rösler ernst nehme, "der macht sich Sorgen um seine politische Peilung", urteilt harsch die "Süddeutsche Zeitung". "Jeder blamiert sich so gut er kann", kommentiert das Blatt den Ausflug des Niedersachsen in die niederbayerische Provinz.

Stirnrunzeln in der Koalition

Rösler ist nicht der Einzige, der in der Koalition für Stirnrunzeln sorgt. Erst vor wenigen Tagen führte eine Äußerung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen über FDP-Chef Guido Westerwelle zur Verstimmung. Am Rande einer Veranstaltung hatte der CDU-Politiker gesagt: "Ich halte den Westerwelle für irreparabel beschädigt." Röttgen musste sich schließlich entschuldigen. Die Sache sei für ihn erledigt, erklärt Westerwelle jetzt in einem Interview der "Passauer Neue Presse". Und Röslers Rede auf dem Gillamoos-Volksfest, auf dem er selbst aufgespießt wurde? "Als Rheinländer kenne ich den Unterschied zwischen einer politischen Rede und Satire sehr gut. Das Klima in der Koalition ist gut", so der Oberliberale.

Zickenkrieg, Barbiepuppe, Koalitionszustand - alles scheint dem smarten Jungsatiriker, der sich selbst auch gerne öffentlich durch den Kakao zieht, verziehen. Was auch Angela Merkel und Philipp Rösler am Mittwoch partout demonstrieren wollten. Beide hätten lachend vor der Kabinettssitzung beieinander gestanden, so Teilnehmer.

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