Lafontaine bei Montagsdemos Veranstalter streiten über Oskars Auftritt

Zwischen den Organisatoren der Leipziger Montagsdemo gibt es Ärger über den Auftritt Oskar Lafontaines am 30. August. Gegen den Willen des Leipziger Sozialforums hat das Aktionsbündnis "Soziale Gerechtigkeit - Stoppt den Sozialabbau" Oskar Lafontaine nach Leipzig eingeladen.

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 Demo in Leipzig: Reaktion der Teilnehmer überwältigend
DDP

Demo in Leipzig: Reaktion der Teilnehmer überwältigend

Berlin - "Wir bleiben bei unserer Linie, dass die Montagsdemos parteipolitisch nicht vereinnahmt werden dürfen", sagte Veranstalter Wilfried Helbig zu SPIEGEL ONLINE. Er beklagte sich über die mangelnde Absprache zwischen dem "dubiosen Aktionsbündnis" und den Veranstaltern der Demo: "Die versuchen jetzt ihr eigenes Süppchen zu kochen."

Thomas Rudolph von der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit weist darauf hin, dass das Leipziger Aktionsbündnis "Soziale Gerechtigkeit- Stoppt den Sozialabbau" schon vor vier Wochen nach Rednern für eine Kundgebung in Leipzig am 30. August suchte. "Als wir die Redner eingeladen haben, gab es die Montagsdemos so wie jetzt noch gar nicht", sagte Rudolph zu SPIEGEL ONLINE. Oskar Lafontaine sei einer von vier eingeladenen Rednern gewesen und habe, gemeinsam mit dem SPD-Rebellen Thomas Händel aus Oberfranken, zugesagt. Gestern Abend sei die Rednerliste vom Organisationskomitee der Demonstration noch einmal bestätigt worden.

Dass ein Auftritt Lafontaines auch gegen den Strich der Demonstranten geht, glaubt Winfried Helbig vom Leipziger Sozialforum zu wissen. Als die Veranstalter der Montagsdemonstrationen am 9. August über den Versuch der sächsischen Regierung, sich den Kundgebungen anzuschließen, informierten, sei der Protest der Demonstranten überzeugend gewesen. Mit überwältigendem Applaus hätten die über 10.000 Teilnehmer die Linie der Montagsdemos, sich parteipolitisch nicht instrumentalisieren zu lassen, bekräftigt. "Ich werte die Reaktion der Teilnehmer als Abstimmung", so Helbig.

"Wir haben Lafontaine weder eingeladen, noch wollen wir den"

Wie Helbig spricht sich auch Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, dagegen aus, "dass Politiker die Montagsdemos parteipolitisch für sich nutzen. Wir haben Lafontaine weder eingeladen, noch wollen wir den".

Weil rein versammlungsrechtlich gegen einen Auftritt Lafontaines aber nichts zu machen sei, hoffen Führer und Helbig darauf, dass Lafontaine von selbst verzichtet. "Er muss doch merken, dass er sich von der Gruppe um Ver.di und Wahlalternative instrumentalisieren lässt, wenn er für die auftritt", so Helbig zu SPIEGEL ONLINE. Pfarrer Christian Führer hofft, dass auch die Demonstranten nicht auf solche "gruppenegoistischen Versuche ihre Interessen durchzusetzen" reinfallen, zwei Wochen vor der sächsischen Landtagswahl.



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