Lafontaine und die Linke Dann macht's der Chef eben selbst

Wird Linken-Chefin Lötzsch auf ein Pöstchen bei einer Stiftung abgeschoben? Wer vertritt künftig den Osten Deutschlands, wer den Westen? Die Genossen rangeln derzeit heftig um ihr Führungspersonal. "Im Notfall" will der mächtigste Strippenzieher offenbar selbst kandidieren: Oskar Lafontaine.

Oskar Lafontaine: Die Linke spekuliert über die Pläne des früheren Parteichefs
dapd

Oskar Lafontaine: Die Linke spekuliert über die Pläne des früheren Parteichefs

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Hamburg - Es sollen ruhige Tage für Oskar Lafontaine zum Jahresausklang werden: Am frühen Heiligabend will der Saarländer den Glühweinstand der saarländischen Linksfraktion in Saarlouis besuchen. Begleitet wird der frühere Chef der Linken von Sahra Wagenknecht, der Frau, über die Lafontaine Mitte November sagte, dass er mit ihr seit einiger Zeit "eng befreundet" sei.

Er freue sich "auf zahlreichen Besuch und eine schöne gemeinsame Einstimmung auf die Feiertage", schreibt Lafontaine auf seiner Homepage über den Termin in Saarlouis.

Mit der Beschaulichkeit dürfte es allerdings schnell vorbei sein: Führende Linke pokern derzeit heftig um das Personaltableau für den künftigen Parteivorstand, der turnusgemäß im kommenden Juni gewählt werden soll - bisher haben lediglich die amtierende Parteichefin Gesine Lötzsch und Fraktionsvize Dietmar Bartsch ihre Kandidaturen angemeldet.

Wichtigster Strippenzieher beim Poker um die Macht bei den Genossen ist offenbar Lafontaine selbst. Bei einem Treffen der Parteiführung Mitte Dezember im thüringischen Elgersburg hat der Fraktionschef der Linken im Saarland nach Informationen von SPIEGEL ONLINE angekündigt, bis Mitte Januar zusammen mit Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi und Heinz Vietze, dem Chef der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, einen Personalvorschlag für die Vorstandswahl vorlegen zu wollen.

Klare Bedingungen Lafontaines

Lafontaine sei nur unter strikten Bedingungen bereit, eine Kandidatur von Bartsch zu unterstützen, sagte eine führende Genossin, die nicht namentlich genannt werden wollte. Demnach will der Saarländer in einem solchen Fall Fraktionsvize Ulrich Maurer auf den einflussreichen Posten des Bundesgeschäftsführers hieven. Maurer, wie Lafontaine einst Mitglied in der SPD, gilt als enger Vertrauter des 68-Jährigen. So könnte Lafontaine auch im Fall eines Parteichefs Bartsch weiter die Linie des Vorstandes mitbestimmen. Lafontaine betonte demnach außerdem, dass er eine Frau aus dem Westen in der Doppelspitze haben wolle, sollte der Ostdeutsche Bartsch nächster Parteichef werden.

Das Verhältnis zwischen Bartsch und dem Saarländer gilt als ausgesprochen schwierig: Bartsch musste sich 2010 von seinem Posten als Bundesgeschäftsführer zurückziehen, nachdem ihm der damalige Linken-Chef Lafontaine Illoyalität vorgeworfen hatte.

Als mögliche Kandidatinnen neben einem denkbaren Vorsitzenden Bartsch gelten demnach Katharina Schwabedissen, Sprecherin der Linken in Nordrhein-Westfalen, und Dora Heyenn, Vorsitzende der Linken in der Hamburger Bürgerschaft. Heyenn soll allerdings bereits abgelehnt haben, auch Gespräche mit Schwabedissen liefen bislang nicht erfolgreich. Dennoch schließen es führende Genossen offenbar weiterhin nicht aus, Schwabedissen für eine Kandidatur gewinnen zu können.

Sollten die Versuche scheitern, möglichst bald einen Vorschlag zu präsentieren, der für alle Strömungen der Linken akzeptabel ist, wird in der Partei damit gerechnet, dass Lafontaine selbst für den Chefposten kandidiert. So habe er bereits vor Monaten in kleinerer Runde erklärt, dass er "im Notfall" antreten würde, sagte die einflussreiche Linke.

Erklärter Wille der Linken ist es, das Modell einer Doppelspitze aus Mann und Frau fortzusetzen, die zudem den Osten und den Westen repräsentieren - so wie derzeit das Führungsduo aus der Ostdeutschen Lötzsch und dem Bayern Klaus Ernst. Das Duo Bartsch und Lötzsch, die beide ihre Kandidaturen angekündigt haben, scheidet damit für eine solche Doppelspitze aus.

Debatte über Anträge für eine Mitgliederbefragung

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE versuchen führende Linke zudem, Lötzsch für einen anderen Job ins Spiel zu bringen. So soll der Berlinerin, die zusammen mit Ernst für sinkende Umfragewerte und zahlreiche Pleiten bei Landtagswahlen mitverantwortlich gemacht wird, etwa der Posten der Vorsitzenden der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Aussicht gestellt worden sein. Lötzsch setzt aber weiter auf ihre Kandidatur als Parteichefin. Ernst hat sich noch nicht geäußert, es wird aber nicht damit gerechnet, dass der frühere Bevollmächtigte der IG Metall ein weiteres Mal antreten wird.

Am 12. Januar ist ein Treffen des geschäftsführenden Vorstands der Linken geplant. Dort soll über das weitere Vorgehen zur Wahl der nächsten Parteispitze beraten werden: Noch immer ist unklar, ob der Vorstand per Mitgliederbefragung gewählt werden soll. Mehrere Landesverbände haben einen entsprechenden Antrag gestellt, unter anderem die Genossen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Die Partei hat ein Gutachten beim Parteienrechtler Martin Morlok in Auftrag gegeben. Er soll klären, ob die Anträge rechtskonform sind.

Die Mitgliederbefragung war zunächst von Linken-Chef Ernst ins Spiel gebracht worden, auch Bartsch hatte sich dafür ausgesprochen. Das Lager um Lafontaine sieht eine solche Befragung eher skeptisch. Als Grund für diese Zurückhaltung gilt unter anderem, dass die Mehrheit der Mitglieder aus dem Osten kommt - dort hat Bartsch die meisten Anhänger, die Erfolgschancen des Stralsunders für den Parteivorsitz wären demnach bei einer Mitgliederbefragung entsprechend groß.

Beim Treffen der Spitzengenossen Anfang Januar wird es aber wohl auch um diese Frage gehen: Gibt es weitere Kandidaten außer Lötzsch und Bartsch?

insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Berlinjoey 21.12.2011
1. Erbmonarchie
Zitat von sysopWird Linke-Chefin Lötzsch*auf ein Pöstchen bei einer Stiftung abgeschoben? Wer vertritt künftig*den Osten Deutschlands, wer den Westen? Die Genossen rangeln derzeit heftig um*ihr*Führungspersonal. "Im Notfall" will der mächtigste Strippenzieher*selbst kandidieren: Oskar Lafontaine. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805148,00.html
Das burleske Boulevard-Theater bei den Postkommunisten geht in eine neue Runde. Der Geliebte Führer kehrt zurück und bringt seine Thronfolgerin gleich mit, somit bleibt alles in der Familie. Die Kims in Nordkorea machen es ja auch nicht anders. Dass die beiden Oskar-Handpuppen Ernst und Gesinchen wieder weichen müssen, war doch schon lange klar. Ich finds schade, ich fand die zwei haben einen guten Job gemacht, wenn man auf die Umfragen schaut und darauf kommts doch an, oder?
Fleckensalz 21.12.2011
2. strippenzieher
Zitat von sysopWird Linke-Chefin Lötzsch*auf ein Pöstchen bei einer Stiftung abgeschoben? Wer vertritt künftig*den Osten Deutschlands, wer den Westen? Die Genossen rangeln derzeit heftig um*ihr*Führungspersonal. "Im Notfall" will der mächtigste Strippenzieher*selbst kandidieren: Oskar Lafontaine. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805148,00.html
jaja...bei allen anderen parteien gibt es keine strippenzieher, lobbyhörige und ganz besondere ehrenmänner. es ist schon sehr seltsam, dass ausgerechnet bei den linken so besonders genau hingesehen wird und ein vokabular benutzt wird, das unangebracht ist, zumal diese partei in keiner regierungsverantwortung steht. da wäre es doch eher angebracht die amigos, ehrenmänner,kapitalknechte und offensichtlichen lügner der verantwortungsträger ins visir zu nehmen. die linke ist, was vielen zeitgenossen mächtig "stinkt", im bundestag und landtagen angekommen und wird auch nicht mehr verschwinden....wohl auch sehr zum ärger der spd, die sich von ihrer selbstmordpolitik unter schröder/fischer immer noch nicht distanziert hat. eine partei links der ehemals linken spd ist dringend nötig...dagegen hilft auch kein "bildzeitungsvokabular".
tennessean, 21.12.2011
3. Niedlich
Zitat von BerlinjoeyDas burleske Boulevard-Theater bei den Postkommunisten geht in eine neue Runde. Der Geliebte Führer kehrt zurück und bringt seine Thronfolgerin gleich mit, somit bleibt alles in der Familie. Die Kims in Nordkorea machen es ja auch nicht anders. Dass die beiden Oskar-Handpuppen Ernst und Gesinchen wieder weichen müssen, war doch schon lange klar. Ich finds schade, ich fand die zwei haben einen guten Job gemacht, wenn man auf die Umfragen schaut und darauf kommts doch an, oder?
Putzig ist sie schon, die Sandkastenausgabe der SED (aufgeloest hat sie sich ja nie, immer nur umbenannt). Da versuchte sie neulich mit einem aufgeblasenen Programmparteitag vorzugaukeln, dass es ihr um die Sache geht. Dabei war jederzeit klar, worum es wirklich geht: Poestchen, Proporz, Ost-West Seilschaften. Die SED oder PDS oder Linke oder wie auch immer sie sich noch nennen mag ist nie in der neuen deutschen Realitaet angekommen. Genug Geld um sich diesen Luxus leisten zu koennen hat sie ja wohl. Oder sind die verschwundenen 800 Mio. Stasivermoegen jemals wieder aufgetaucht?
iskin 21.12.2011
4. Die LINKEN
Zitat von BerlinjoeyDas burleske Boulevard-Theater bei den Postkommunisten geht in eine neue Runde. Der Geliebte Führer kehrt zurück und bringt seine Thronfolgerin gleich mit, somit bleibt alles in der Familie. Die Kims in Nordkorea machen es ja auch nicht anders. Dass die beiden Oskar-Handpuppen Ernst und Gesinchen wieder weichen müssen, war doch schon lange klar. Ich finds schade, ich fand die zwei haben einen guten Job gemacht, wenn man auf die Umfragen schaut und darauf kommts doch an, oder?
Was soll dieser Hohn? Als ob in den anderen Parteien nicht hin- und hergeschoben wird. Frau Merken ist doch das beste Beispiel dafür.
t.h.wolff 21.12.2011
5.
Zitat von BerlinjoeyDas burleske Boulevard-Theater bei den Postkommunisten geht in eine neue Runde. Der Geliebte Führer kehrt zurück und bringt seine Thronfolgerin gleich mit, somit bleibt alles in der Familie. Die Kims in Nordkorea machen es ja auch nicht anders. Dass die beiden Oskar-Handpuppen Ernst und Gesinchen wieder weichen müssen, war doch schon lange klar. Ich finds schade, ich fand die zwei haben einen guten Job gemacht, wenn man auf die Umfragen schaut und darauf kommts doch an, oder?
Die Postfaschisten machen es seit 60 jahren nicht anders, eben seit man sie nach der Stunde null zwangsdemokratisiert hat.
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