Landowsky-Affäre "Macht ihr denn was?"

Berlins Große Koalition wackelt. CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky erhielt als Politiker Spenden von Kunden, denen seine Bank Millionenkredite gewährte.


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Chamäleon, Machiavelli, Parsival - und Zorro. Graue Eminenz, Strippenzieher - oder Filou: Mit all diesen Begriffen ist Klaus Landowsky, 58, schon beschrieben worden. Doch der Berliner Polit-Promi ist vielseitiger, als die Schlagworte vermuten lassen.

Sie nennen ihn "Lando": Berlins CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky
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Sie nennen ihn "Lando": Berlins CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky

"Lando", wie seine Freunde ihn nennen, ist der strategische Kopf der Hauptstadt-CDU. Nichts in der Partei läuft ohne den Macher, der hinter dem regierenden Frontmann Eberhard Diepgen, 59, die Fäden zieht. Dabei ist Landowsky nicht nur Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, sondern auch Konzernvorstand der Bankgesellschaft Berlin, die mehrheitlich dem Land gehört. Zudem steht er an der Spitze der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank (Berlin Hyp), die wiederum eine Tochter der Bankgesellschaft ist.

Seine vielen Jobs hat Landowsky offenbar erfolgreich miteinander verknüpft - was ihm nun zum Verhängnis werden und die seit zehn Jahren regierende Große Koalition platzen lassen könnte. In mindestens drei Fällen bat er Kreditnehmer seiner Bank um Spenden für die Partei. Obwohl die Geldgeschenke stets kaschiert wurden, behauptet Landowsky: "Das hatte nichts mit den Kreditvergaben zu tun."

Interne Dokumente aus der Immobiliengruppe Aubis lassen freilich das Gegenteil vermuten. Landowskys Bank hatte der Aubis Ende 1995 Kredite in Höhe von rund 350 Millionen Mark für Kauf und Sanierung von 7000 Plattenbauwohnungen in der Ex-DDR gewährt. Die Finanzierung weiterer 9000 Wohnungen war zugesagt.

Die Chefs der Aubis waren zwei alte Lando-Bekannte: Klaus-Hermann Wienhold, ein Ex-Polizist, und Christian Neuling, ein gelernter Kaufmann. Beide waren im heiß umkämpften Immobiliengeschäft Ostdeutschlands zunächst erfahrungslos, dafür aber brachten sie das richtige Parteibuch mit. Wienhold diente einst unter dem Generalsekretär Landowsky als Landesgeschäftsführer der Berliner CDU. Neuling saß für die Partei acht Jahre im Bundestag.

In einem zweiseitigen Vermerk hielt Aubis-Chef Wienhold 1995 unter der Überschrift "Finanzdisposition des laufenden Jahres" fest: "Die schleppende Kreditbearbeitung habe ich bei der Berlin Hyp vorgetragen, man hat mir eine zügigere Bearbeitung zugesagt." Unter "Wichtige Dispositionsnotwendigkeiten" heißt es: "Die zugesagte CDU-Spende für K. L. (Klaus Landowsky -Red.) 40 TDM ist sicherzustellen, sie sollte unbedingt noch in diesem Jahr erfolgen*."

Landowsky hatte die Spende im Sommer 1995 selbst bei Wienhold angeregt. Und der händigte dem Bankchef die 40.000 Mark auch aus - und zwar in bar. So viel ist unstrittig.

Über die Details der Spende gehen die Schilderungen jedoch auseinander. Landowsky behauptet, das Geld sei im Oktober, kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus, geflossen. Wienhold hingegen will das Geld erst im Dezember übergeben haben. Außerdem versteift sich Landowsky darauf, dass es sich bei den 40.000 Mark nicht um eine, sondern um zwei Spenden von jeweils 20.000 Mark gehandelt habe - eine von Wienhold und eine von Neuling.

Ein scheinbar kleiner, aber rechtlich bedeutsamer Unterschied. Wären die 40.000 Mark eine einzige Spende gewesen, hätte die im CDU-Rechenschaftsbericht ausgewiesen werden müssen - was nicht passiert ist. Als Bote des Umschlags fungierte jedenfalls Wienhold allein. Das räumt auch Landowsky ein.

Parteiintern verbucht wurde die Spende dann aber noch mal anders. 5000 Mark erhielt, Landowsky zufolge, der "verdiente Wahlkampfhelfer" Markus Kauffmann, Pressesprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus - und zwar ganz privat. 25.000 Mark seien zudem an den Landesverband und 10.000 Mark an den Kreisverband Zehlendorf gegangen, in dem Landowsky seinerzeit kandidierte.

Den Vorwurf, nach dem Parteiknigge der Berliner CDU hätte er eine Barspende von über 1000 Mark gar nicht annehmen dürfen, fegt Landowsky mit einer schnoddrigen Bemerkung vom Tisch: "Ich muss nur den Nachweis haben, dass bei mir nichts hängen geblieben ist."

Wie dem auch sei - die Geschäftsbeziehungen der Aubis mit der Berlin Hyp wurden nach der ersten großzügigen Gabe noch intensiver. Und offenbar nahm auch die Dankbarkeit zu. Im Sommer 1998, der Bundestagswahlkampf stand bevor, fragte Landowsky die beiden Aubis-Manager wieder mal: "Macht ihr denn was?"

Sie machten. Diesmal gab es zwar kein Bares, doch die Spende wurde anderweitig kaschiert. Wienhold rief seinen Freund und Geschäftspartner Achim Schulze an. Der betrieb am Berliner Kronprinzendamm, wo damals auch die Aubis residierte, eine Werbeagentur. Daraufhin gründete Schulze die Initiative "Partner für Deutschland" und heuerte einen Karikaturisten für eine CDU-Kampagne gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder an. Die Aubis-Chefs finanzierten die knapp 50.000 Mark teure Aktion, die über Anzeigen in der "Berliner Morgenpost" lief.

Landowsky bestreitet, mit der Kampagne zu tun gehabt zu haben. Doch sein Wahlkampfhelfer Kauffmann war involviert, wie zweifelsfrei aus einem Brief hervorgeht.

Ein Jahr später zogen die Aubis-Manager noch einmal ihre Spendierhosen an. Im Juli 1999 - wieder war Wahlkampf, und Lando buhlte im Promi-Bezirk Charlottenburg um die Gunst des Volkes - bat der Multi-Funktionär seine Kreditnehmer von der Aubis erneut um eine Spende. Kurz darauf gingen auf dem Konto von Landowskys Kreisverband 5000 Mark ein.

Laut Begleitschreiben stammte das Geld von einem Max Schwendke aus der Lindenallee 33 in Berlin. Der bat ausdrücklich darum, das Geld "für den Wahlkampf von Herrn Landowsky zu verwenden". Besagtes Haus in der Lindenallee stand damals allerdings leer - laut Grundbuch gehörte es den Aubis-Chefs Wienhold und Neuling.

Landowsky will den Fall nicht kennen. Er habe seinerzeit "nahezu alle Anlieger rund um den Ku'damm angeschrieben, mich aber weder um die Spenden noch um die Quittungen gekümmert".

Wegen der Aubis-Spenden schlagen die Wellen in der Hauptstadt inzwischen hoch. Vor allem auch, weil es mit der kometenhaft aufgestiegenen Immobiliengruppe seit 1999 rapide bergab ging und Landos Bank große Teile des Firmenvermögens übernommen hat.

DER SPIEGEL
Auch innerhalb der Bank droht Landowsky nun jede Menge Ärger. Im Konzernvorstand der Bankgesellschaft zeichnet er für Immobilien verantwortlich - und genau in diesem Bereich muss das Institut derzeit gleich mehrere Sonderprüfungen über sich ergehen lassen. Der Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, Wolfgang Wieland, hat an die Bankenaufsicht und die Staatsanwaltschaft geschrieben: Der Konzern soll über komplexe "Strohmanngeschäfte" die Bilanzen poliert haben.

Zu diesem Zweck soll die Immobilientochter IBG Ehefrauen von Spitzenmanagern, aber auch Angestellte als persönlich haftende Gesellschafter in geschlossenen Immobilienfonds eingesetzt haben, die verschiedene Bau- und Entwicklungsprojekte finanzieren. Damit habe man die notleidenden Engagements - zumindest teilweise - aus den Büchern der Bank verschwinden lassen.

Laut Wieland fungiert beispielsweise die Frau eines IBG-Mitarbeiters als persönlich haftende Gesellschafterin für fünf verschiedene Fonds. Andere IBG-Angestellte sollen, für ein Handgeld von 3000 Mark im Monat, als vorgeschobene Kreditnehmer von 700 Millionen Mark eingesprungen sein.

Für Landowsky, der schon viele Krisen überstanden hat, könnte es jetzt eng werden. Erstmals, scheint es, hat er sich im Gestrüpp zwischen Bank-, Partei- und Abgeordneteninteressen richtig verheddert. Schon sieht Wolfgang Rupf, Vorstandschef der Bankgesellschaft, "dringenden Erklärungsbedarf" wegen der Spenden.

Noch mehr brodelt es in der Partei. Dort stellte sich Eberhard Diepgen am Freitag vergangener Woche - noch - vor seinen Strippenzieher. Doch die Vorbereitungen für Landos Abgang liefen bereits. Und der stellvertretende SPD-Landeschef Klaus-Uwe Benneter machte das "Wohl und Wehe" des Bündnisses mit der Union von einer "schonungslosen Aufklärung" der Spendenaffäre abhängig. Die CDU stecke offenbar im "Morast".

Bislang haben seine Freunde Landowsky stets als empfindlichen Seismografen für alle Stimmungen in der Stadt gepriesen. Doch wenn es um ihn selbst geht, verlässt den Funktionär inzwischen offenbar sein feines Gespür. Von einem Rücktritt wollte Landowsky Ende vergangener Woche nichts wissen - "auch wenn die ganze Stadt darauf wartet".

WOLFGANG BAYER, WOLFGANG REUTER, MATHEW D. ROSE



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