Wählerwanderung in Baden-Württemberg Bei wem die Grünen punkten konnten

In Baden-Württemberg sind die Grünen in allen Altersgruppen stärkste Partei – vor allem dank der Stimmen vieler Wählerinnen. Der Wahlerfolg hängt unmittelbar mit den Verlusten der CDU zusammen. Die Wählerwanderung im Detail.

Die Grünen haben ihre Führungsrolle im einstigen CDU-Stammland Baden-Württemberg gefestigt: Die Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann erhöhte bei der Landtagswahl ihren Stimmenanteil im Vergleich zur Abstimmung vor fünf Jahren um 2,3 Prozentpunkte und kommt nun auf 32,6 Prozent. Damit erhöht sie auch ihren Vorsprung gegenüber den Christdemokraten, die mit 24,1 Prozent (-2,9 Punkte) auf ihren historisch schlechtesten Wert im Südwesten kommen.

Die Gewinne der Grünen und die Verluste der CDU hängen dabei unmittelbar zusammen: Etwa 145.000 ehemalige CDU-Wählerinnen und -Wähler stimmten diesmal für die Grünen, gerade mal halb so viele wechselten in die Gegenrichtung. Das geht aus der Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap hervor.

Das Wahlforschungsinstitut berechnet sie auf Grundlage eigener Befragungen, des vorläufigen Endergebnisses sowie weiterer amtlicher Statistiken. Die Werte sind eine grobe Schätzung dafür, wie viele Wählerinnen und Wähler eine Partei im Vergleich zur vorherigen Wahl halten konnte und wie viele zu und von anderen Parteien ab- oder zugewandert sind.

Quelle: Infratest dimap für die ARD (Schätzung auf Basis von Vor- und Nachwahlbefragungen, Wahl- und Bevölkerungsstatistiken)

Die Grünen gewannen außerdem Zehntausende ehemalige SPD-Stimmen hinzu. An FDP und Sonstige verloren sie mehr, als sie zugewinnen konnten. Die CDU verlor nicht nur an die Grünen, sondern auch an fast alle anderen Parteien. Nur von der AfD konnte sie deutlich mehr Wähler hinzugewinnen als abgeben.

Die AfD verlor bei der Wahl mehr als fünf Prozentpunkte und gab Wählerinnen und Wähler in alle Richtungen ab. Mehr als 100.000 Menschen, die 2016 noch für die AfD gestimmt hatten, beteiligten sich diesmal nicht an der Landtagswahl. Keine andere Partei verlor netto so viele Anhänger an die Gruppe der Nichtwähler – allerdings hatte auch keine andere Partei vor fünf Jahren so viele vorherige Nichtwähler für sich gewonnen wie die AfD.

Die SPD profitierte zwar von ehemaligen Wählerinnen und Wählern der CDU und AfD, gab aber auch Zehntausende Stimmen ab, unter anderem an Grüne und FDP. Die Liberalen wiederum konnten den meisten anderen Parteien mehr Stimmen abjagen, als sie an diese verlor.

Unter den Personen, die zum ersten Mal wählen durften, wurden die Grünen stärkste Kraft – mit noch deutlich größerem Abstand als beim Gesamtergebnis. Das schlägt sich auch in den Ergebnissen nach Altersgruppen nieder, die ebenfalls auf den Befragungen des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap beruhen.

Bei der Analyse nach Alter zeigt sich zudem: Die Grünen sind in Baden-Württemberg über alle Altersgruppen hinweg stärkste Kraft. Lediglich in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen blieb die Partei unter 30 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen und den 35- bis 44-Jährigen kamen die Grünen auf jeweils 31 Prozent. Bei Wählerinnen und Wählern ab 45 Jahren holten sie in allen drei Altersgruppen 35 Prozent.

Die Union kommt lediglich in der Altersgruppe über 70 und bei den 25- bis 34-Jährigen den Grünen einigermaßen nahe.

Schaut man sich das Wahlverhalten nach Geschlecht an, so zeigt sich: Die Grünen punkten besonders bei Frauen. 38 Prozent der Wählerinnen stimmten für die Partei – bei den Wählern waren es hingegen 28 Prozent.

Vor allem von Männern wird hingegen die AfD gewählt. Dort kam die Partei auf 12 Prozent – verglichen mit 7 Prozent bei den Wählerinnen. Ähnlich sieht es bei den Liberalen aus. Bei der CDU gibt es beim Wahlverhalten nach Geschlecht vergleichsweise geringe Unterschiede.

Bei der Analyse nach Bildungsniveau zeigt sich: Die Grünen dominieren bei Wählerinnen und Wählern mit hohem Bildungsgrad (Abitur, Hochschulreife oder Hochschulabschluss) deutlich. In dieser Gruppe votierten 38 Prozent für die Partei von Regierungschef Kretschmann. Die Union folgt mit 21 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei.

Bei Menschen mit einfachem Bildungsgrad gewann die Union 30 Prozent aller Stimmen. Knapp dahinter: die Grünen mit 27 Prozent. Auf dem dritten Platz landet die AfD mit 15 Prozent.

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