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24. September 2008, 17:58 Uhr

Landtagswahl

Bayerische SPD-Politiker schwenken auf Linkskurs

Bayerns SPD-Chef Maget hat ein Bündnis mit den Linken zwar ausgeschlossen. Doch andere Genossen im Freistaat wünschen sich wenige Tage vor der Landtagswahl offen Mehrheitsverhältnisse wie in Hessen. Die CSU schäumt.

München - Für einen Triumph über die CSU vollführen Spitzenpolitiker der bayerischen SPD einen Linksschwenk. Vier Tage vor der Landtagswahl schließen sie ein Bündnis mit der Linkspartei nicht mehr aus. "Ich wünsche mir, wir hätten ein hessisches Wahlergebnis", sagte Landeschef Ludwig Stiegler. Seine Stellvertreterin Adelheid Rupp ging noch weiter: "Über Koalitionen entscheiden wir frühestens am Wahlabend. Ich will nichts einschließen und nichts ausschließen". Entscheidende Voraussetzungen für mögliche Bündnisse seien "inhaltliche Übereinstimmung und glaubwürdiges Personal".

Spitzenkandidat Franz Maget lehnte ein Bündnis mit der Linkspartei gegenüber SPIEGEL ONLINE kürzlich noch ab. Er wolle versuchen, ein Viererbündnis mit Grünen, Freien Wählern und FDP zu schmieden, bekräftigte er am Mittwoch.

Der CSU kam der Linksschwenk der Genossen genau richtig. "Stiegler überführt Maget der Wahllüge", wetterte Generalsekretärin Christine Haderthauer. "Der Chef der Bayern-SPD lässt vier Tage vor der Wahl die Maske fallen und wünscht sich öffentlich eine Machtübernahme mit Hilfe der Linkspartei auch in Bayern." Auch Maget würde nicht zögern, "Bayerns Ypsilanti zu werden", behauptete sie.

Nach einer Emnid-Umfrage für den "Münchner Merkur" käme die Linke derzeit auf fünf Prozent und würde damit am Sonntag den Sprung in den bayerischen Landtag schaffen. Die CSU liegt demnach bei 49 Prozent und könnte mit knappem Vorsprung weiter allein regieren. Die SPD käme auf 20, Grüne und FDP bekämen jeweils 8 und die Freien Wähler 7 Prozent.

Sollte die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, reichen der CSU womöglich schon etwa 46 Prozent der Stimmen wieder für die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Dem Internet-Portal wahlrecht.de zufolge bräuchte die CSU mit der Linken im Landtag dagegen rund 48 Prozent der Stimmen, um weiterhin ohne Koalitionspartner regieren zu können.

als/AP/ddp

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