Wahl im Saarland Kleines Land, große Wirkung

Erleidet Merkels Union die erste Pleite im Superwahljahr? Oder kann sie der SPD trotz Schulz-Hype einen Dämpfer verpassen? Die Wahlbeteiligung ist bis zum Nachmittag schon mal leicht gestiegen. Die Fakten zur Wahl.

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Knapp eine Million Menschen leben im Saarland, etwas weniger als in Köln. 800.000 von ihnen sind wahlberechtigt. Das Saarland ist das kleinste Flächenland Deutschlands, gelegen tief im Südwesten. Was hier in der Politik passiert, erschüttert höchst selten den Rest der Republik.

Jetzt aber schaut ganz Deutschland auf das Saarland. Die Entscheidung über den neuen Landtag ist der Start ins Superwahljahr. Und damit ist klar: Es geht nicht nur um die Frage, ob Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Große Koalition mit der SPD fortführen kann. Es geht auch um Berlin, um Angela Merkel und Martin Schulz. Um das große Ganze.

Die Hintergründe - alles, was Sie zur Landtagswahl im Saarland wissen müssen:

  • Annegret, eine Kugelstoßerin und der Linken-Altstar - die wichtigsten Personen

Annegret Kramp-Karrenbauer, 54, regiert das Saarland seit 2009, zunächst in einer Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen, inzwischen mit der SPD. Die Ministerpräsidentin gilt als ruhig und sachlich, Ausnahmen sind ihre legendären Fernsehauftritte als Fastnacht-Putzfrau. Die CDU-Politikerin ist äußerst beliebt, in Umfragen erreicht sie hohe Zustimmungswerte von 75 Prozent. (Lesen Sie hier eine Reportage über den Wahlkampf der Ministerpräsidentin.)

Ihre Konkurrentin kommt aus der eigenen Koalition. Anke Rehlinger, 40, ist Wirtschaftsministerin und Vizeregierungschefin. Die Sozialdemokratin hält mit 16,03 Metern nach wie vor den Landesrekord im Kugelstoßen - auch heute noch nimmt sie an Wettbewerben teil. Ihr Verhältnis zu Kramp-Karrenbauer gilt als gut und unaufgeregt.

Als drittstärkste Kraft im Land ist seit Jahren die Linke etabliert - und das hat einen Grund: Oskar Lafontaine. Der 73-Jährige war jahrelang für die SPD Ministerpräsident und ist heute noch ein Star an der Saar. Im Landtag ist Lafontaine Fraktionschef - und führt seine Partei nun wahrscheinlich zum letzten Mal in eine Wahl.

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Wahl im Saarland: Das sind die Spitzenkandidaten
  • Der Schulz-Effekt wirkt auch an der Saar - die möglichen Koalitionen

Lange sah es nach einer klaren Angelegenheit aus. Die CDU führte deutlich, Kramp-Karrenbauer legte sich fest: Sie will mit der SPD als Juniorpartner weitermachen. Etwas anderes bliebe ihr auch nicht übrig: Grüne und FDP, grundsätzlich potenzielle Koalitionspartner, sind zu schwach.

Doch seit klar ist, dass Martin Schulz für die Sozialdemokraten Kanzlerin Merkel herausfordert, hat sich die Stimmung gedreht. Die SPD konnte kräftig zulegen, auch im Saarland. In manchen Umfragen liegt sie nur noch knapp hinter der CDU.

Jetzt wird es spannend im Saarland. Offenbar führt das auch dazu, dass sich mehr Menschen dort an der Abstimmung beteiligen. Laut der Landeswahlleiterin gaben bis 14 Uhr 32,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab. Vor fünf Jahren waren es zu diesem Zeitpunkt 31,1 Prozent - am Ende lag die Beteiligung bei 61,6 Prozent.

Überholen die Sozialdemokraten die CDU, könnten sie mit Rehlinger die Ministerpräsidentin stellen, selbst wenn es bei der Großen Koalition bliebe. Doch laut Umfragen hat die SPD auch eine andere Option: ein rot-rot-grünes oder gar rot-rotes Bündnis, sollten FDP und Grüne den Einzug in den Landtag verpassen. Linken-Spitzenkandidat Lafontaine hat schon seine Bereitschaft erklärt.

  • Das Problem der Kleinen

Grüne und FDP haben es im Saarland traditionell schwer. Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren das Spitzenpersonal der beiden Parteien vor allem durch Kabale und Skandale auf sich aufmerksam gemacht hat.

Deshalb ist es wenig überraschend, dass die bisher im Landtag vertretenen Grünen genauso um den Sprung über die Fünfprozenthürde zittern müssen wie die Liberalen, die schon 2012 den Einzug verpassten. Von den Piraten, die seinerzeit mit über sieben Prozent in den Saarbrücker Landtag einzogen, spricht ohnehin niemand mehr.

Interessant ist allerdings, dass mit Blick auf die jüngsten Umfragen sogar die AfD scheitern könnte. Das zeigt, wie schwer es alle kleinen Parteien im Saarland wegen der großen Aufmerksamkeit für CDU, SPD und Linke und die offene Ministerpräsidentenfrage haben. Sollte es die AfD im Saarland tatsächlich nicht in den Landtag schaffen, wäre das ein ziemlicher Rückschlag für die Rechtspopulisten, nachdem sie zuvor zehnmal hintereinander in ein Landesparlament eingezogen waren.

  • Die Folgen für den Bund

Lange nicht mehr dürften die Strategen in den Parteizentralen der Unionsparteien und der SPD so gespannt auf die Mini-Wahl im Saarland geschaut haben.

CDU und CSU brauchen nach der wundersamen Wiederauferstehung der deutschen Schulz-Sozialdemokratie dringend ein "Wir sind auch noch da"- Signal. Sie hoffen deshalb inständig darauf, dass Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer weitermachen kann - und sozusagen Merkels erste Bastion gegen den SPD-Herausforderer verteidigt. Der Union blieben sonst in Bayern, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt nur noch vier Regierungschefs.

Die euphorisierten Genossen wiederum träumen von Platz eins im Saarland. Dass es wenigstens gemeinsam mit der Linken zur Mehrheit reicht, ist inzwischen für viele fast schon eingepreist. Alles andere würde deshalb auch einen Dämpfer für die Bundes-SPD bedeuten.

Sollte es in Saarbrücken tatsächlich zu einer rot-roten Koalition kommen, wäre das die erste in einem westdeutschen Bundesland. Damit hätte die Union im Bundestagswahlkampf neues Futter für eine neue Rote-Socken-Kampagne, die sozialdemokratischen Fans eines möglichen Links-Bündnisses im Bund würden sich bestätigt fühlen.

insgesamt 15 Beiträge
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Tschepalu 26.03.2017
1. Weg mit AKK und der CDU.......
Sie hat das Land runtergewirtschaftet, CDU Parteibuchwirtschaft, ist Merkel Getreue und gehört zum linken Flügel der CDU. Nein, eine Wende zu einer sozialen Politik ist nur mit rot-rot-grün möglich und dafür sollte im kleinen Saarland die ersten Pflöcke eingeschlagen wird. Wir brauchen dringend eine Umverteilung von oben nach unten, Geld ist genug da, es muß halt nur anders verteilt werden. Und dafür steht eindeutig rot-rot-grün, für eine menschlichere und sozialere Politik, Schulz sei Dank. Glück auf!
queerulant 26.03.2017
2. Da kann man
ja mal echt gespannt sein auf das Ergebnis. Wenn es für SPD und Linke reicht, umso besser. Das wäre das richtige Signal gegen die Populistische AFD. Und das richtige Signal gegen den Reformstau im Bund unter Kanzlerin Merkel. Ein weiter so wie bisher, kann es dann nicht mehr geben...
Annabelle1811 26.03.2017
3. Wenn das alles ist ..
Im TV sah ich, daß die SPD Kandidatin ein Plakat öffnete, "AFD keine Stimme oder Chance geben" oder so ähnlich. Wenn das alles ist, was die SPD zu sagen hat, dann ist es nicht weit her mit ihr und dann wird auch der Schulz-Effekt ausbleiben. Haben sie nichts Eigenes zu sagen? Das ist ja armselig. Die SPD-Dame wirkt auf mich total aufgeblasen und nicht sehr klug. Da wirkt die CDU mit ihrer Karrenberger schon etwas authentischer. Obwohl ich finde, daß es Zeit zu einem Wechselist. Aber wer soll s machen?
Jimbofeider 1 26.03.2017
4. Hygiene
Das wird eine Stimmungswahl , und meiner Einschätzung wird es für R/R/G reichen . Einzieger Wermutstropfen, Schulz.Der Sieg im Saarland dürfte Rückenwind für Schulz bei der Wahl 2017 werden. Meiner Meinung sollte Schulz allein wegen der politischen Hygiene nicht Kanzler werden !
peter.hummler 26.03.2017
5. Und wenn ....
die BTW und Schulz nicht wäre, würde sich heute kaum einer für das kleine Saarland interessieren ..Egal wie die Wahl da ausgeht, bestimmend für de BTW wird das Ergebnis knapp 6 Monate vor der Bundestagswahl nicht sein ! Viel Wind um nichts und für die Medien ein gefundenes Fressen um den Wahlkampf anzuheizen damit die Einschaltquoten und Umsatzzahlen nach oben gehen !
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