Datenanalyse zur Landtagswahl in Niedersachsen SPD mobilisiert Alte und Nichtwähler

Die SPD schien lange abgeschlagen im niedersächsischen Landtagswahlkampf. Nun jubelt Ministerpräsident Stephan Weil über das beste Ergebnis seiner Partei seit 1998. Wie ist es dazu gekommen? Die Wahlanalyse.

SPD-Plakat in Niedersachsen
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SPD-Plakat in Niedersachsen

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Mehr als 37 Prozent für die SPD - das ist das beste Ergebnis für die Sozialdemokraten bei einer Landtagswahl in Niedersachsen seit fast zwei Jahrzehnten. Damals, 1998, hieß der Spitzenkandidat noch Gerhard Schröder.

Grundlage für den Erfolg von Ministerpräsident Stephan Weil: Ihm ist es gelungen, SPD-Anhänger zu mobilisieren, die bei der letzten Landtagswahl 2013 zu Hause geblieben waren. Nach Analysen von Infratest Dimap konnte die SPD am Sonntag 167.000 ehemalige Nichtwähler zur Stimmabgabe bewegen - mehr als alle anderen Parteien zusammen. Auch fast dreimal mehr als die AfD, die bei Wahlen in den vergangenen beiden Jahren besonders stark bei früheren Nichtwählern punktete. Die einzige Partei, die am Sonntag Stimmen an das Lager der Nichtwähler verlor, ist die FDP.

Landtagswahl Niedersachsen 2017; Stand: 15.10., 23.43 Uhr
Quelle: infratest dimap für die ARD (Schätzung auf Basis von Nachwahlbefragungen, Wahlstatistiken, Bevölkerungsstatistiken und repräsentativen Vorwahlerhebungen)

Auch insgesamt ist die Wahlbeteiligung in Niedersachsen zum zweiten Mal in Folge gestiegen, auf 63,5 Prozent. Das liegt zwar deutlich über dem Minusrekord von 2008, als nur 57,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben, aber auch klar unterhalb des langjährigen Mittels.

Besonders stark ist die SPD bei alten Wählern. 41 Prozent der über 60-Jährigen stimmten für die SPD - mehr als jede andere Altersgruppe. Gegenüber 2013 ist das ein Zugewinn von acht Prozentpunkten. Hingegen haben die Sozialdemokraten bei den Jungwählern an Rückhalt verloren. Zwar ist die SPD auch bei den 18- bis 24-Jährigen mit 32 Prozent stärkste Kraft. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren bedeutet das aber ein Minus von einem Prozentpunkt. Die CDU kann die SPD nur in einer Altersgruppe hinter sich lassen: Bei den 35- bis 44-Jährigen sind die Christdemokraten mit 36 Prozent klar stärkste Kraft.

CDU, SPD und Grüne haben eines gemeinsam: Sie sind bei Frauen beliebter als bei Männern. Bei den Grünen ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern mit 10 zu 7 Prozent relativ gesehen am deutlichsten. Dieser Unterstützung bei den Frauen haben die Grünen auch ihren dritten Platz bei der Landtagswahl zu verdanken. Dürften nur Männer wählen, würde die Partei hinter der FDP gleichauf mit der AfD liegen.

Die SPD punktet bei allen sozialen Schichten - mit Ausnahme der Selbstständigen, von denen nur jeder Fünfte der Partei seine Stimme gab. Besonders beliebt sind die Sozialdemokraten bei ihrer klassischen Kernklientel, den Arbeitern und Angestellten. Doch auch bei den Rentnern ist Weils Partei mit 42 Prozent klar stärkste Kraft. Gleiches gilt für arbeitslose Wähler: Hier legte die SPD gegenüber 2013 acht Prozentpunkte zu. Drittstärkste Kraft unter den Arbeitslosen ist die AfD, denen 17 Prozent der Erwerbslosen ihre Stimme gaben. Das ging zulasten der Linken, die hier gegenüber der Wahl 2013 acht Punkte verlor.

Je niedriger der Bildungsstand, desto stärker sind CDU und SPD. Bei Grünen, FDP und Linken ist es umgekehrt. Sie haben den größten Rückhalt bei Wählern der hohen Bildungsschicht.

insgesamt 8 Beiträge
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so...so... 16.10.2017
1. so ein Pech aber auch....
Die SPD "punktet bei Nichtwählern"!? Das ist aber wirklich ärgerlich für die SPD, dass ausgerechnet diejenigen die SPD gut finden, die dann nicht zur Wahl gegangen sind. Die SPD sollte sich wohl besser auf die Wähler konzentrieren, sonst bringt der ganze Wahlkampf doch eh nichts. [IRONIE off]
christian_adler 16.10.2017
2. Und schon
werde ich als junger Wähler noch uninteressanter für unsere Politiker. Trotzdem Glückwunsch
wejders 16.10.2017
3. Nichtwähler
Nichtwähler sind Menschen die nicht wählen und zwar diesmal auch nicht.
fatherted98 16.10.2017
4. Die Analyse...
...von Herrn Schönenborn: Die SPD hat Plakate mit einer Schriftart aus den 50er Jahren verwendet...deshalb haben die Alten die SPD gewählt! Für diese Analyse erhält Schönenborn sicher noch einen Bambi oder sogar das Bundesverdienstkreuz (wenn er das mal nicht schon hat).
vish 16.10.2017
5. Mit dem Renteneintritt...
... sollte das Wahlrecht erlöschen. Finden Sie furchtbar? Dann denken Sie mal darüber nach, ob es fair ist, dass ein immer größer werdender, alter Teil der Bevölkerung über die Zukunft eines immer kleiner werdenden jungen Teil der Bevölkerung, der darüber hinaus auch noch den Erstgenannten finanzieren muss, bestimmt. PS: Ich habe SPD gewählt.
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