Erstmals über Erststimmen im NRW-Landtag Grüne gewinnen sieben Direktmandate

Beim Kampf um Direktmandate bei Landtagswahlen konnten sich die Grünen in Nordrhein-Westfalen bislang nie gegen CDU und SPD durchsetzen. Nun sind der Partei in mehreren Städten historische Siege gelungen.
Wahlplakat der Grünen in Köln

Wahlplakat der Grünen in Köln

Foto: IMAGO/Robert Schmiegelt / IMAGO/Future Image

Bereits das Zweitstimmenergebnis ist für die Grünen ein Grund zum Jubeln: Bei der Landtagswahl in Nordrheinwestfalen erreichte die Partei laut Hochrechnungen 18 Prozent der Stimmen – und verdreifachte ihr Ergebnis von 2017 damit beinah.

Erstmals ziehen für die Partei in NRW nun auch mehrere Abgeordnete über Direktmandate in den Düsseldorfer Landtag ein. Die Hochburgen der Grünen liegen dabei allesamt in städtischen Gebieten.

  • Laut Landeswahlleiter gewann die grüne Kandidatin Astrid Vogelheim den Wahlkreis Aachen I mit 37,2 Prozent der Stimmen klar vor dem zweitplatzierten CDU-Bewerber Holger Brantin (27 Prozent).

  • Im Wahlkreis Köln I holte die Grüne Eileen Woestmann 33,6 Prozent der Erststimmen und lag damit vor Oliver Kehrl von der CDU (28,2).

  • Im Wahlkreis Köln II setzte sich der Grüne Frank Jablonski mit 35,9 Prozent der Stimmen gegen die CDU-Landtagsabgeordneten Bernd Petelkau durch (25,4 Prozent).

  • Im Wahlkreis Köln III liegt der Grüne Arndt Klocke mit 41,6 Prozent sogar noch deutlicher vor dem zweitplatzierten SPD-Kandidaten Jochen Ott, der auf 25,9 Prozent der Erststimmen kam.

  • Berivan Aymaz gewann den Wahlkreis Köln VI mit 37,0 Prozent vor Florian Schuster von der SPD (26,2 Prozent).

  • Sicher ist auch ein grünes Direktmandat im Wahlkreis Münster II. Hier landete der grüne Kandidat Robin Korte mit 35,3 Prozent vor der CDU-Kandidatin Teresa Küppers (30,7 Prozent).

  • Und im benachbarten Wahlkreis Münster III – Coesfeld III setzte sich die Grüne Dorothea Deppermann (34,7 Prozent) mit hauchdünnem Vorsprung gegen den CDU-Kandidaten Julian Allendorf (34,5 Prozent) durch. Die Differenz entspricht laut Landeswahlleiter 163 Stimmen.

Im Wahlkreis Münster I – Steinfurt IV wäre beinah noch ein achtes Direktmandat hinzugekommen. Hier unterlag die grüne Kandidatin Josefine Paul (32,8 Prozent) nur knapp der CDU-Abgeordneten Simone Wendland (33,4 Prozent). Wendland sitzt für die CDU bereits seit 2017 im Düsseldorfer Landtag. In dem Wahlkreis waren rund 400 Erststimmen für den Sieg der Christdemokratin ausschlaggebend.

Im Gegensatz zur Bundestagswahl haben die Grünen bei Landtagswahlen in NRW noch nie über Erststimmen Mandate gewonnen. Bei der Regierungsbildung kommt der Partei aller Voraussicht nach entscheidende Rolle zu. Die grüne Spitzenkandidatin Mona Neubaur  ließ am Wahlabend jedoch offen, ob sie eine Koalition mit der CDU unter Ministerpräsident Hendrik Wüst oder eine Ampelkoalition mit SPD und FDP bevorzugt.

Neubaur sprach von einem großen »Vertrauensvorschuss« für ihre Partei. Nun gelte es, »weiter hart zu arbeiten und in einer nächsten Landesregierung endlich eine Politik auf Höhe der Zeit zu machen«, sagte sie.

fek