Wählerwanderung SPD klettert dank der Stimmen von CDU und FDP

Die AfD nahm der NPD 13.000 Stimmen ab - genug, damit die rechtsextreme Partei den Einzug in den Landtag verpasste. Sieben Fakten zur Wählerwanderung.
Wählerwanderung zur AfD: Viele Stimmen von der CDU

Wählerwanderung zur AfD: Viele Stimmen von der CDU

Foto: SPIEGEL ONLINE

Dresden/Hamburg - Die Alternative für Deutschland hat bei der Landtagswahl kräftig in der Wählerschaft anderer Parteien gewildert - vor allem bei der CDU. Die Christdemokraten konnten ihrerseits viele ehemalige FDP-Wähler in ihr Lager ziehen. Die Wahlbeteiligung war mit knapp 49 Prozent die zweitniedrigste seit Kriegsende.

Die Meinungsforscher von Infratest dimap haben im Auftrag der ARD auf Grundlage des vorläufigen Ergebnisses (Stand: Montag, 9.44 Uhr) die Wählerwanderung analysiert. Hier sind die wichtigsten Fakten.

1. AfD ist der Stimmengewinner des Wahlabends

Bereits bei der Europawahl im Mai hatte die Alternative für Deutschland (AfD) viele Stimmen von der CDU geholt, und auch in Sachsen gelang ihr dies: 33.000 Stimmberechtigte, die bei der Landtagswahl 2009 noch die CDU gewählt hatten, entschieden sich diesmal für die Neugründung um Spitzenkandidatin Frauke Petry. Von anderen Parteien gab es ebenfalls regen Zulauf: Von der FDP kamen 18.000, von den Linken 15.000. 13.000 Wähler gewann die neue Partei von der NPD. Weniger Zulauf gab es hingegen von der SPD (8000) und den Grünen (3000). 16.000 Nichtwähler konnte die AfD aktivieren.

2. Die FDP-Wähler zerstreuen sich

Vor fünf Jahren hatten die Liberalen noch knapp zehn Prozent in Sachsen geholt, nun ist die FDP aus dem Landtag geflogen. Die Wähler haben sich zerstreut und suchen in anderen Parteien eine neue Heimat: Noch mehr Wähler als zur AfD wechselten zur CDU (20.000), 12.000 zur SPD. 20.000 gaben diesmal gar keine Stimme ab.

3. Die NPD verliert Wähler an die AfD - und gewinnt sie bei FDP und CDU

13.000 Wähler hat die NPD im Vergleich zur Landtagswahl 2009 an die AfD verloren, zudem entschieden sich 10.000 dafür, einfach zu Hause zu bleiben. Bemerkenswert: 1000 NPD-Wähler von 2009 wechselten diesmal auf die andere Seite des Parteienspektrums: zur SPD. Die Abgänge konnte die NPD jedoch einigermaßen durch frühere CDU-Wähler (3000) und FDP-Anhängern (4000) kompensieren. Auch von vormals Linken (2000) und Grünen (1000) kamen Stimmen.

4. Die SPD klettert dank der Stimmen von CDU und FDP

Martin Dulig, der Spitzenkandidat der SPD, hat für einen leichten Aufwärtstrend von zwei Prozentpunkten gesorgt. Und das liegt vor allem daran, dass er der FDP (12.000) und der CDU (11.000) viele Stimmen abnehmen konnte.

5. Die CDU sammelt FDP-Stimmen ein

Die FDP ist an der Fünfprozenthürde gescheitert. 20.000 Wahlberechtigte, die sich noch 2009 für die Liberalen entschieden hatten, liefen zur CDU über. Kurios: Noch 2009 hatte die CDU besonders viele Stimmen an die FDP abgegeben (34.000) - nun verlief die Wählerwanderung andersherum.

6 . Viele Linke-Anhänger gehen zur AfD - oder bleiben zu Hause

2009 waren bereits viele Linke-Anhänger zu Nichtwählern geworden, dieses Mal musste die Partei erneut 13.000 Abgänge verkraften. Weitere 15.000 Wähler verlor die Linke an die AfD. Die hinzugewonnenen Stimmen von den früheren FDP-Anhängern (5000) und von den Grünen (6000) konnten den Wählerschwund nicht auffangen.

7. Die Wahlbeteiligung ist deutlich gesunken

Lediglich knapp 49 Prozent der Wahlberechtigten gingen zur Urne. War es der Termin, am letzten Ferientag? Bereits 2009 hatte die Beteiligung schon massiv abgenommen, damals war die CDU der größte Stimmenverlierer. Bei der diesjährigen Landtagswahl war es erneut die Tillich-Partei (22.000), auf Platz zwei folgt die FDP (20.000) vor den Linken (13.000). Interessant: Neben der AfD konnten einzig die Grünen mehr Nichtwähler aktivieren als Stammwähler auf den Urnengang verzichteten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.