Landtagswahl in Sachsen-Anhalt "Nutzen Sie das gute Wetter!"

In Sachsen-Anhalt geht der Wahlsonntag in die heiße Phase: Bis zur ersten Hochrechung um 18 Uhr sind zwei Millionen Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung war bis zum frühen Nachmittag überraschend hoch. Unklar ist, ob die rechtsextreme NPD den Einzug ins Parlament schafft.

Wähler in Ahlsdorf: Zweite Abstimmung eines Bundeslandes im Superwahljahr
dapd

Wähler in Ahlsdorf: Zweite Abstimmung eines Bundeslandes im Superwahljahr


Magdeburg - Sie lesen sich wie Sprüche aus dem Frühstücksfernsehen: "Guten Morgen, Sachsen-Anhalt! Die Sonne lacht!" twitterte ein Landesverband in Sachsen-Anhalt, ein anderer: "Nutzen Sie das gute Wetter!". Die Aufrufe an die gut zwei Millionen Wahlberechtigten, an diesem Sonntag ihre Stimme abzugeben, sind wohl notwendig. Bei der letzten Wahl gingen nur 44 Prozent zur Urne - so eine niedrige Wahlbeteiligung gab es noch in keinem Bundesland zuvor.

Bis zum frühen Nachmittag war immerhin ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten: Um 12 Uhr hatten nach Angaben des Landeswahlleiters 19,8 Prozent der Berechtigten gewählt. Vor fünf Jahren waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 12,5 Prozent gewesen. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr, mit ersten Zwischenergebnissen wird kurz danach gerechnet.

Umfragen sehen die regierende CDU mit 32 bis 33 Prozent erneut als Sieger. Der Koalitionspartner SPD kann demnach mit 24 Prozent rechnen, was eine Neuauflage der großen Koalition ermöglichen würde. Beide Parteien halten ihr Bündnis für ein Erfolgsmodell und wären bereit, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen.

Sachsen-Anhalt wird auf jeden Fall einen neuen Regierungschef bekommen: Ministerpräsident Wolfgang Böhmer gibt sein Amt aus Altersgründen ab, CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff will seinen Parteifreund beerben. Für die SPD tritt Finanzminister Jens Bullerjahn an. Die Linkspartei lag zuletzt mit 24 Prozent gleichauf mit der SPD.

Die Sozialdemokraten haben erklärt, keinen Linkspolitiker zum Ministerpräsidenten zu wählen. Die Linkspartei will aber den Regierungschef stellen, sollte sie in einem Bündnis der stärkere Partner sein. Für eine rot-rote Regierung müsste also die SPD mehr Stimmen als die Linkspartei erhalten.

Mit Spannung wird das Wahlergebnis der Grünen erwartet, die seit 13 Jahren nicht im Landtag vertreten sind. Sie lagen zuletzt bei fünf Prozent, allerdings zeigen jüngere Umfragen, dass die Anti-Atomkraft-Partei angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan mit deutlichen Stimmenzuwächsen rechnen kann.

Die FDP muss mit Werten zwischen 4,5 und fünf Prozent um den Wiedereinzug ins Parlament bangen. Die Wahlbeteiligung in dem fünftkleinsten Land ist seit Jahren im Sinkflug- Dies könnte der rechtsextremen NPD nutzen, die einen intensiven Wahlkampf geführt hat. Bundespolitische Themen spielten im Wahlkampf nur eine geringe Rolle.

Witze über Ruhestand

Der scheidende Ministerpräsident Böhmer wählte am Mittag in Wittenberg zusammen mit seiner Frau Brigitte Klein. Gut gelaunt witzelte er in seinem Wahllokal in einem Arbeitsamt über den bevorstehenden Ruhestand, schreibt die "Mitteldeutsche Zeitung."

Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert ging in Magdeburg bei strahlendem Sonnenschein zur Landtagswahl. Der 47-jährige studierte Lehrer aus Havelberg gehört seit 1994 dem Landtag an, er ist Vorsitzender seiner Fraktion.

CDU-Spitzenkandidat Haseloff sagte bei der Stimmabgabe: "Ich denke wir haben einen guten Wahlkampf geführt." Zusammen mit seiner Familie samt Enkeln kam er in das Wahllokal im Neuen Rathaus.

Auch FDP-Spitzenkandidat Veit Wolpert kam in guter Laune gemeinsam mit seiner Familie an die Wahlurne im Ortsteil Rösa der Gemeinde Muldestausee. Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Dalbert gab ihre Stimme in Halle ab.

Prophetische Fähigkeiten bescheinigte sich SPD-Spitzenkandidat Bullerjahn: Bereits beim Wahlgang habe er "gespürt, dass es unter den Wählern ein großes Interesse" gebe, sagte Bullerjahn nach der Stimmabgabe in seinem Heimatort Ahlsdorf im Mansfelder Land - er sei erleichtert über die anscheinend gestiegene Wahlbeteiligung. Seine Partei habe einen "guten Wahlkampf ohne Streit" geführt.

Mit letzterem hat Bullerjahn wohl recht: Fünf Jahre lang regierten CDU und SPD in Magdeburg friedlich, verzichteten selbst in der heißen Wahlkampfphase auf Attacken - viele Beobachter sprachen von einem "Kuschelwahlkampf".

amz/dpa/dapd



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