Landtagswahl NPD profitiert vom Frust in Vorpommern

Den Einzug in den Landtag in Schwerin verdankt die NPD vor allem ihren Erfolgen im östlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern. In dieser wirtschaftlich schwächsten Region kamen die Rechtsextremen auf Stimmenanteile um 15 Prozent.


Schwerin - Die NPD müsse "entzaubert" werden, gab der SPD-Landeschef Till Backhaus am Morgen als Parole für die künftige Arbeit der Sozialdemokraten an der Ostsee aus. Nach ersten Analysen profitierten die Neonazis in ihren Hochburgen in Mecklenburg-Vorpommern aber gerade davon, dass sie Zuwachs von bisherigen Wählern der großen Parteien bekamen.

Die meisten Stimmen holte die NPD im Uecker-Randow-Kreis. Im nördlichen Teil des Kreises kam sie nach CDU, SPD und Linkspartei auf 15,0 Prozent der Zweitstimmen. Im südlichen Teil der Region an der polnischen Grenze erzielte sie mit 13,1 Prozent ihr landesweit zweitbestes Ergebnis. Der Uecker-Randow-Kreis gehört seit Jahren bundesweit zu den Regionen mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Im August hatte er im Nordosten mit 26,6 Prozent erneut die höchste Arbeitslosenquote.

Auch in den beiden Wahlkreisen Ostvorpommerns erzielten die Rechtsextremisten mit 11,5 und 11,8 Prozent hohe Wahlergebnisse.

Landesweit erzielte die NPD nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 7,3 Prozent und wird mit sechs Abgeordneten im Schweriner Parlament vertreten sein.

Am stärksten gewählt wurde die NPD von 18- bis 24-Jährigen, ergab eine Analyse des Meinungsforschungsinstituts Infratest-dimap für den NDR. In dieser Gruppe votierten 15 Prozent für die Partei. Unter den 25- bis 34-Jährigen waren es immer noch zwölf Prozent. Nach sozialen Gruppen unterteilt erhielt die NPD den höchsten Zuspruch von Arbeitslosen: 15 Prozent.

Die größte Anhängerschaft für die Rechtsextremen gab es demnach mit jeweils 17 Prozent bei den Erstwählern und den Arbeitslosen. Bei Erstwählern sei die NPD damit drittstärkste Kraft hinter SPD (25 Prozent) und CDU (20). Bei der Wählerwanderung zur NPD wurde ein Zuwachs von jeweils 12.000 Stimmen aus den Reihen der CDU- und der Nichtwähler festgestellt. Die Analyse ergab auch, dass 21 Prozent der Wähler den NPD-Wahlkampf in ihrem Ort als den intensivsten wahrnahmen - mehr als den der CDU (18 Prozent).

als/dpa/ddp



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