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Wahl in Brandenburg und Sachsen "Doppelte Ohrfeige" bis "paradoxe Erleichterung" - so reagiert die Welt

"Ein Schock, aber nicht das Erdbeben, das alle befürchteten": Die Ergebnisse in Brandenburg und Sachsen wurden weltweit beobachtet und kontrovers diskutiert. Besonders hart urteilte eine niederländische Zeitung.

Wenn man den ersten Reaktionen glauben darf, gibt es bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen keine wirklichen Gewinner. In beiden Ländern erzielte die AfD zwar die mit Abstand größten Zuwächse, in Sachsen fuhr sie sogar das beste Ergebnis ihrer noch jungen Geschichte ein. Trotzdem gelang es den Rechtspopulisten nicht, stärkste Kraft zu werden.

Sowohl der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als auch sein Brandenburger Amtskollege Dietmar Woidke (SPD) holten mit ihren Parteien jeweils die meisten Stimmen und haben erneut den Auftrag zur Regierungsbildung. Entsprechend wurden Kretschmer und Woidke von ihren Parteien gefeiert, obwohl ihre bisherigen Koalitionen abgewählt wurden. Für tragfähige Mehrheiten brauchen beide neue Partner.

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Wahlen in Sachsen und Brandenburg: Windkraftvoll voraus

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

"Neue Ost-West-Spaltung"

Weltweit sorgen die Wahlergebnisse für sehr unterschiedliche Reaktionen. "Deutsche Wahlen offenbaren und vertiefen die neue Ost-West-Spaltung", heißt es in der "New York Times". Die italienische "Repubblica" sieht in den Ergebnissen einen "Schock, aber nicht das Erdbeben, das alle fürchteten".

Laut der polnischen "Rzeczpospolita" zeigt das Ergebnis, "dass die Kräfte Mitte-Rechts und Mitte-Links trotz sinkender Popularität an der Spitze bleiben werden". Der italienische "Corriere della sera" schreibt dagegen ebenso vom "Höhenflug der Ultrarechten" wie "Le Monde" aus Frankreich, für die das Ergebnis ein "starker Erfolg der extremen Rechten" ist.

Im Video: "Das freundliche Sachsen hat gewonnen"

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Während die spanische "El País" schreibt, CDU und SPD könnten "im Osten den Aufstieg der Ultrarechten aufhalten", sieht "De Telegraaf" aus den Niederlanden in den Wahlergebnissen eine "doppelte Ohrfeige für die instabile deutsche Koalition".

"Paradoxe Erleichterung"

In Österreich schreibt "Der Standard" von "viel Frust im Osten", relativiert mit Blick auf die AfD aber auch: "Richtig - viele Menschen haben die Partei gewählt. Die große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler aber tat dies nicht."

Und in der dänischen "Politiken" heißt es: "Zwei deutsche Wahlniederlagen lösen paradoxe Erleichterung aus. Die konservative CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die SPD erlitten in zwei ostdeutschen Bundesländern deutliche Niederlagen, umgingen aber die große Katastrophe."

Ähnlich formuliert es die "Washington Post": "Deutschlands extrem rechte Partei hat am Sonntag in zwei der östlichen Bundesländer bedeutende Gewinne erzielt, hat es aber nicht geschafft, die etablierten Parteien zu überholen und die meisten Stimmen zu bekommen."

So sieht der weitere Fahrplan für die Parteien aus

Wie geht es in Sachsen und Brandenburg nun weiter? Am Montag beginnen die Vorbereitungen der Sondierungsgespräche. Während in Brandenburg alles auf eine rot-rot-grüne Regierung hinausläuft, wird die CDU in Sachsen für eine mögliche Kenia-Koalition mit den ungeliebten Grünen sprechen müssen. Die Zusammenarbeit mit der AfD schlossen Kretschmer und Woidke kategorisch aus.

Parallel zu den landespolitischen Folgen werden in Berlin die Bundesparteien Stellung zu den Wahlergebnissen nehmen. Für 10.20 Uhr ist eine gemeinsame Erklärung von Woidke und der kommissarischen SPD-Vorsitzenden Manuela Schwesig angekündigt. Um 13.30 Uhr tritt Kretschmer an der Seite von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vor die Presse. AfD (9.30 Uhr), FDP (10.30 Uhr), die Linke (12.30 Uhr) und die Grünen (13.30 Uhr) äußern sich jeweils in der Bundespressekonferenz.

mmm/jok/AFP/dpa