Politische Landkarte nach Landtagswahlen Schwarz-Rot-Blau

Die AfD hat die Regierungsparteien in Sachsen und Brandenburg vielerorts zurückgedrängt. Wo das der Fall ist und wo CDU und SPD noch dominieren - der Überblick in Karten.

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Die politische Landkarte sieht nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg anders aus. Wo einst Rot und Schwarz dominierten, ist nun viel Blau zu sehen - die AfD hat die früher dominierende SPD (in Brandenburg) und CDU (in Sachsen) vielerorts auf Platz zwei verdrängt.

In Brandenburg sind die Farben auf der Wahlgewinner-Karte vielerorts auffällig hell: Der Vorsprung, mit dem die Parteien stärkste Kraft wurden, ist oft nur hauchdünn. In einem Drittel der Städte, Gemeinden und Ämter beträgt er weniger als 2,5 Prozentpunkte.

Die AfD bekam bei der Landtagswahl vor allem im Süden und Osten in zahlreichen Kommunen die meisten Zweitstimmen, mit Anteilen von über 30 Prozent. Am stärksten ist sie an der Grenze zu Sachsen, rund um die vom Bergbau geprägte Lausitz. Im Wahlkampf hatte sich die Partei gegen den beschlossenen Braunkohleausstieg gestellt.

Schwächer schneidet die AfD in großen Teilen des Brandenburger Westens und Nordwestens ab. Hier wurde die SPD in vielen Kommunen stärkste Kraft. Ihr bestes Ergebnis holten die Sozialdemokraten in Wittenberge.

Die CDU erzielte nur in einzelnen übers Bundesland verstreuten Kommunen mehr als 20 Prozent. Unter anderem gelang ihr das in Schönwalde-Glien, nordwestlich von Berlin. Dort wurde sie stärkste Kraft. Am schwächsten schnitt die CDU östlich von Berlin ab.

Dort hat die Linke ihre Hochburgen. In Strausberg und Frankfurt an der Oder holte sie ihre besten Zweitstimmenanteile. Stärkste Kraft wurde sie aber nirgends.

Die Grünen erzielten westlich von Berlin ihre stärksten Ergebnisse: In Potsdam und zwei weiteren Kommunen kamen sie auf über 20 Prozent. In Kleinmachnow wurden sie zudem stärkste Kraft.

In Sachsen lassen viele Gemeinden ihre Briefwahlstimmen zentral von Nachbarkommunen auszählen. Eine kleinräumige Analyse wie in Brandenburg ist dadurch nicht sinnvoll möglich. Stattdessen nun ein Blick auf die sächsischen Wahlkreise.

Die CDU wurde in drei Vierteln der Wahlkreise stärkste Kraft. Überdurchschnittlich hohe Ergebnisse fuhr sie unter anderem im südwestlichen Vogtland und in Zwickau ein. Ihre schlechtesten Werte holte sie in Leipzig und Dresden - in den meisten Wahlkreisen der beiden Großstädte wurde sie dennoch stärkste Kraft, weil die anderen Parteien oft nah aneinander auf den dahinter liegenden Plätzen liegen.

Die AfD dominiert mehrere Wahlkreise im Osten Sachsen, sowie die Region rund um die Stadt Meißen. Im Westen des Landes und in den Großstädten schneidet die Partei schlechter ab, ist aber überall zweistellig vertreten.

Die Grünen holen in Leipzig und Dresden ihre besten Werte, in zwei Leipziger Wahlkreisen bekam sie jede vierte Stimme. Hier schaffte es die Partei auch, die CDU hinter sich zu lassen und stärkste Kraft zu werden. Im ländlichen Raum erzielt die Partei deutlich geringere Werte, liegt vielerorts sogar unter fünf Prozent.

Auch die Linke holte in Leipzig und Dresden ihre höchsten Stimmanteile, erzielte im Wahlkreis Leipzig 2 ihren Topwert von 20 Prozent. Auf die Karte der Wahlkreisgewinner schafft sie es damit aber nicht, noch nicht einmal zweitstärkste Kraft wurde sie in einem Wahlkreis.

Die SPD holte mit rund zehn Prozent der Zweitstimmen in und um Leipzig ihre besten Ergebnisse - stärkste und selbst zweitstärkste Kraft wird man damit freilich nicht. In zwei Görlitzer Wahlkreisen landeten die Sozialdemokraten unter der Marke von fünf Prozent.



insgesamt 46 Beiträge
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legeips62 02.09.2019
1. Ich frage mich immer
wie zu Zeiten der "Datenschutzgrundverordnung" schon 1 Stunde nach der Wahl, Wählerwanderungen, welche Altersschicht usw. so schön ausgewertet können? Und stimmt es auch, dass unsere Spitzenpolitker, vor Schließung der Wahlurnen, schon eine Tendenz bekommen um eventuell ihre Reden abzustimmen? Wie kann das sein?
Supra Renin 02.09.2019
2. grau-blaue Flecken
Danke SPON. Jetzt wissen wir, wo wir nicht hinfahren, gründen oder investieren würden.
Bell412 02.09.2019
3. Wie wär's:
Wir stoppen den Berliner Flughafen vollends und stecken den Rest des Geldes in den Wiederaufbau der Mauer. Damit wäre allen Seiten wohl getan.
josho 02.09.2019
4. Die Veränderung auf der Landkarte....
......... tragen mit Sicherheit auch dem Umstand Rechnung, dass dies die erste Landtagswahl in diesen Ländern nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 war. Besonders bemerkenswert ist der Niedergang der Linken. Deren Ausrichtung zu den Fragen von Migration und Asyl stieß bei großen Teilen der Bevölkerung nicht nur auf Skepsis, sondern auf klare Ablehnung. Auf der Suche nach der Gründen für die Wahlkatastrophe brauchen sie deshalb keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern den Blick für die Realität. Frau Wagenknecht war da näher an den Leuten.
mm-1210342394499 02.09.2019
5. Irrtum
Nur mal so als Hinweis, das mit keinem Wahlkreis für die LINKE stimmt nicht, Julia Nagel wurde in Leipzig 2 mit 27,4% der Stimmen als Direktkandidatin für den Landtag gewählt... ;-))
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