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SPD-Chef über Entgleisung im Europa-Wahlkampf »Wenn Frau Strack-Zimmermann Anstand hat, entschuldigt sie sich beim Bundeskanzler«

Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist immer wieder durch harte Kritik am Kanzler aufgefallen – und ist diesmal wohl zu weit gegangen. SPD-Chef Klingbeil nennt ihre Aussagen »unanständig«.
SPD-Chef Lars Klingbeil: »Das ist eine verbale Entgleisung.«

SPD-Chef Lars Klingbeil: »Das ist eine verbale Entgleisung.«

Foto: Kay Nietfeld / dpa

SPD-Chef Lars Klingbeil hat der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nach ihrer heftigen Kritik an Kanzler Olaf Scholz (SPD) eine Entschuldigung nahegelegt. »Das ist eine verbale Entgleisung, die ich absolut unanständig finde. Wenn Frau Strack-Zimmermann Anstand hat, entschuldigt sie sich beim Bundeskanzler«, sagte Klingbeil der »Bild« (Donnerstag). Man habe sich unter den demokratischen Parteien auf einen fairen Europawahlkampf verständigt. »Ich gehe fest davon aus, dass das auch für die FDP-Spitzenkandidatin gilt.« Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese bezeichnete die Äußerungen als »Totalausfall«. Sie seien abwertend gemeint, unwürdig und befremdlich. Strack-Zimmermann hatte Kanzler Scholz in einem Interview als »krassen Rechthaber« mit »geradezu autistischen Zügen« bezeichnet.

Kritik zielte nicht nur auf den Ukrainekurs

Strack-Zimmermann ist bislang Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag und eine lautstarke Befürworterin einer weitreichenden Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. In diesem Zusammenhang ist sie immer wieder mit harter Kritik an Scholz aufgefallen, dem sie wiederholt Zögerlichkeit bei den Waffenlieferungen  an Kiew vorwarf. Die FDP-Verteidigungsexpertin betonte nun, ihre Kritik beziehe sich nicht nur auf den Ukrainekurs des Kanzlers. »Das betrifft alle Belange und wird mir auch von seinen Parteifreunden bestätigt.«

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert wies die Kritik zurück und warf Strack-Zimmermann Respektlosigkeit vor. »Wer keine Argumente mehr hat, der würdigt den politischen Mitbewerber verbal herab. Bei Frau Strack-Zimmermann ist es längst zur Methode geworden, andere Meinungen unter Zuhilfenahme von Kraftausdrücken anzugreifen«, sagte er der »Rheinischen Post« (Donnerstag). »Ihre respektlose Psychologisierung des Bundeskanzlers bildet hierbei nur die Spitze des Eisbergs.« Die FDP-Politikerin bewerbe sich auf einen Sitz im Europäischen Parlament. »Sollte sie dort auch so auftreten, wie sie es in Deutschland bislang tut, dann wird das dem Ansehen der Bundesrepublik und unserer parlamentarischen Kultur nicht zuträglich sein«, sagte Kühnert.

muk/dpa