Nach medialem Schlagabtausch SPD-Chefs sprechen mit ukrainischem Botschafter Andrij Melnyk

Ein Gastbeitrag des früheren SPD-Außenministers Sigmar Gabriel im SPIEGEL hat den ukrainischen Botschafter in Deutschland verärgert. Nun will sich die Spitze der Sozialdemokraten erneut mit Andrij Melnyk zu einem Gespräch treffen.
Der Botschafter der Ukraine in Deutschland Andrij Melnyk

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland Andrij Melnyk

Foto: IMAGO/Christian Spicker

Es ist ein Annäherungsversuch nach einem bitteren Medienstreit: Nach erneut scharfer Kritik des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk an der Russlandpolitik der Sozialdemokraten hat sich die SPD-Spitze versöhnlich gegenüber dem Diplomaten geäußert. »Gerade in Zeiten, in denen uns die Herzen schwer sind und die Debatten manchmal hitzig, ist es umso wertvoller, das offene und vertrauensvolle Gespräch zu pflegen«, twitterte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken am Dienstagmorgen. Dazu stellte sie ein Bild, das sie und Co-Parteichef Lars Klingbeil an der Seite von Melnyk zeigt.

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Das Foto erweckte den Eindruck, als habe es gerade ein Treffen Eskens und Klingbeils mit Melnyk gegeben – so berichteten mehrere Medien, auch der SPIEGEL. Tatsächlich hat dieses Treffen noch nicht stattgefunden. Die von Esken gepostete Aufnahme stammt von einer Zusammenkunft, die bereits über eine Woche zurückliegt.

In der SPD hieß es, die Parteispitze sei »seit Wochen im engen Austausch« mit dem ukrainischen Botschafter und anderen Vertreterinnen und Vertretern der Ukraine. Darüber hinaus habe »ein persönliches Treffen mit dem ukrainischen Botschafter vor ein paar Tagen stattgefunden, weitere Treffen stehen zeitnah an«.

Zeitnah dürfte in diesem Fall bedeuten: Mittwoch. Denn auch Melnyk reagierte auf Eskens Tweet. Er schrieb auf Twitter, er freue sich »auf das morgige Treffen« und bedankte sich bei der SPD-Spitze für die Einladung. Er hoffe, dass die SPD die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine und ein Ölembargo gegen Russland bald unterstütze.

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Der Botschafter hatte in den vergangenen Wochen immer wieder mit scharfen Worten den früheren Russlandkurs der SPD verurteilt und mehr deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert. Am Wochenende kam es zu einem harten Schlagabtausch, als der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Gastbeitrag für den SPIEGEL »gezielte Angriffe« auf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisierte und Melnyk »Verschwörungstheorien« vorwarf.

»Wahrheitswidrig und bösartig«

Melnyks Behauptung, Steinmeier habe in seiner aktiven Zeit als Politiker »seit Jahrzehnten ein Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft«, die bis in die heutige Regierung hineinwirkten, unterstelle, dass der frühere Kanzleramts- und Außenminister die Interessenvertretung Russlands in Deutschland mitorganisiert habe. »Das ist wahrheitswidrig und bösartig«, schrieb Gabriel.

Melnyk reagierte bei Twitter auf Gabriels Beitrag mit den Worten: »Bösartig ist vor allem Ihre und Ihrer SPD-Kumpane jahrelange Putin-freundliche Politik gewesen, die den barbarischen Vernichtungskrieg gegen den Staat, Nation, Kultur, gegen Frauen und Kinder erst herbeigeführt hat.«

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, die SPD-Spitze sei mit Melnyk aktuell zusammengekommen – nach der Auseinandersetzung zwischen Ex-Parteichef Sigmar Gabriel und dem ukrainischen Botschafter. Dies hatte Eskens Tweet suggeriert. Tatsächlich stammte die darin verbreitete Aufnahme von einem Treffen, das bereits über eine Woche zurückliegt. Eine erneute Begegnung ist erst für den morgigen Mittwoch geplant.

col/dpa