Coronavirus-Hotspot NRW Laschet verkündet Lockdown-Maßnahmen für Kreis Gütersloh

Mehr als 1500 Mitarbeiter der Tönnies-Fleischfabrik in NRW sind mit Covid-19 infiziert. Nun schließen im Landkreis wieder die Kinos und Fitnessstudios, Versammlungen sind untersagt, es gelten strenge Kontaktbeschränkungen.
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

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Noah Wedel/ imago images/Noah Wedel

Nach Corona-Infektionen bei mehr als 1500 Mitarbeitern in einem Tönnies-Fleischbetrieb in Rheda-Wiedenbrück hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) neue Beschränkungen verkündet, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Nordrhein-Westfalen werde "jetzt erstmals einen ganzen Kreis zurückführen" auf die Maßnahmen, wie sie vor einigen Wochen bundesweit gegolten hatten. "Wir werden für den gesamten Kreis Gütersloh einen Lockdown verfügen", sagte Laschet. Es gehe darum, festzustellen, wie weit das Virus in der Bevölkerung verbreitet ist. Der Ruhezustand gelte bis zum 30. Juni und werde "mehr Klarheit verschaffen".

DER SPIEGEL

Folgende Maßnahmen gelten nun wieder im Landkreis Gütersloh:

  • Kontakte zwischen Menschen werden wieder beschränkt. Konkret bedeutet dies, dass es Kontaktbeschränkungen für Familien oder in einem Haushalt lebende Menschen gibt wie im März. Im öffentlichen Raum dürfen sich nur Personen des eigenen Haushaltes oder zwei Personen unterschiedlicher Haushalte treffen.

  • Museen, Theater, Kinos und Fitnessstudios müssen schließen. Das Gleiche gelte für Bars, gemischtwirtschaftlichen Thekenbetrieb und Schwimmbäder. Auch Grillen im Freien wird wieder verboten. Es dürfen keine Konzerte und sonstige Veranstaltungen stattfinden.

  • Außerdem werde die Quarantäne für Mitarbeiter und Werksverträgler der Firma Tönnies "forciert". Mobile Teams würden von Dolmetschern für Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch und von der Polizei begleitet. Zur Not müsse die Anordnung "auch mit Zwang" durchgesetzt werden.

Die NRW-Regierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, so Laschet.

Wohnsiedlung von Tönnies-Mitarbeitern: Quarantäne wird notfalls mit Zwang durchgesetzt

Wohnsiedlung von Tönnies-Mitarbeitern: Quarantäne wird notfalls mit Zwang durchgesetzt

Foto: Noah Wedel/ imago images/Noah Wedel

Das Infektionszentrum liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung bei Tönnies. Bei Nichtmitarbeitern von Tönnies im Kreis Gütersloh wurden bislang nur 24 Infektionen festgestellt, so Laschet.

Der NRW-Ministerpräsident warnte davor, Menschen aus dem Kreis Gütersloh unter "Pauschalverdacht" zu stellen. Man dürfe die Bewohner des Kreises "nicht stigmatisieren". Er bezog sich auf Berichte, wonach Menschen aus dem Kreis an Urlaubsorten zur Abreise aufgefordert worden seien.

365.000 Menschen von Maßnahmen betroffen

Laschet betonte, es gebe für die Bewohner des Kreises kein Ausreiseverbot aus dem Kreisgebiet. Er appellierte aber an die Einwohner in Gütersloh, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren".

Nach Freitag beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien, im Kreis Gütersloh mit seinen 13 Gemeinden sind rund 365.000 Menschen von den neuen Maßnahmen betroffen.

Laschet kritisiert mangelhafte Kooperation von Tönnies

Dem Fleischverarbeiter Tönnies warf Laschet mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter von Tönnies durchgesetzt. "Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt", sagte Laschet.

Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies "hätte größer sein können". Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln, sagte Laschet.

cht/ulz/dpa
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