Lauschaktion gegen Kohl Stasi sammelte 19.000 Seiten Abhörprotokolle

Bei ihren intensiven Lauschaktionen hat die Stasi über Jahre täglich zwei bis drei Gespräche aus dem Kanzleramt mitgehört. Das berichtet der in Berlin erscheinende "Tagesspiegel" unter Berufung auf ehemalige Stasi-Spezialisten.


Berlin - Unter der Regierung von Kanzler Helmut Kohl (CDU) seien von 1982 bis 1989 etwa 19.000 Seiten Mitschnitte zusammengekommen. Über Jahre seien von 48 Stützpunkten in der DDR und der CSSR zwischen 75 und 100 Telefonapparate abgehört worden. Durchschnittlich alle zwei Wochen wurde nach dem Zeitungsbericht ein Gespräch des Kanzlers im Original eingefangen.

Abgehört: Kohl am Telefon
DPA

Abgehört: Kohl am Telefon

Neben Kohl seien vor allem seine persönliche Referentin Juliane Weber, der damalige Kanzleramtsminister Wolfgang Schäuble und der Kohl-Vertraute Eduard Ackermann dienstlich und teilweise auch privat "unter Kontrolle" gewesen. Auch bei allen sechs Abteilungsleitern von Kohl habe man sich einklinken können. Darunter auch bei dem für auswärtige und innerdeutsche Beziehungen zuständigen Horst Teltschik, berichtet das Blatt und zitiert einen namentlich nicht genannten, ehemaligen Stasi-Offizier.

Dokumente belegten außerdem, dass es den Stasi-Lauschern 1988 gelungen sei, die Auto-Telefone von fast allen Kabinettsmitgliedern Kohls abzuhören. Dem "Tagesspiegel" liegen nach eigenen Angaben Befehle für die Mithörer vor, die verlangten, dass jährlich 55.000 "Sofort-, Einzel- und Ergänzungsinformationen" im Operationsgebiet BRD erarbeitet werden. Ferner hätten "480 Berichte und Analysen" sowie 250 Dossiers zum Plansoll der Auswerter gehört.



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