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Legida-Marsch Die schrille Schwester aus Leipzig

Der Legida-Marsch zeigt, wie sehr sich die Protestkultur in Leipzig von Dresden unterscheidet: Die Islamgegner von Legida sind noch schriller, undifferenzierter. Aber sie stehen auch entschlosseneren Gegendemonstranten gegenüber.

Wer wie das Ehepaar Münzer* zur Legida-Demo wollte, hatte es schwer am Mittwochabend. Schon am Mittag ging nichts mehr in Leipzig. Die Polizei hatte mit 40 Hundertschaften die Innenstadt abgeriegelt und Trams, Busse und Autoverkehr verbannt. Dann fiel auch noch die Bahnlinie aus Dresden aus: ein Kabelbrand. Ob dahinter ein Anschlag von linken Gruppen steht, ist nicht klar. Mehrmals haben sie ans Umkehren gedacht, sagen die Münzers.

Sie sind zwei von rund 15.000 Demonstranten, so eine erste Zahl der Stadt, die sich zum Legida-Marsch eingefunden haben. Die Veranstalter hatten 40.000 Menschen angemeldet. Nachdem Pegida in Dresden am Montag wegen Terrordrohungen untersagt wurde, hatte Organisator Lutz Bachmann dazu aufgerufen, nach Leipzig zu fahren. Das kam für viele überraschend. Denn sowohl der Protest als auch der Gegenprotest sieht in den beiden Städten, die so nah beieinander liegen, sehr unterschiedlich aus.

Mit einigen Stunden Verspätung haben sich die Münzers doch durchgekämpft zum Legida-Versammlungsort vor der Oper - nur um wieder nicht weiterzukommen. Eine bunte Mauer aus Gegendemonstranten blockiert fast sämtliche Zugänge zum Platz. Schließlich nehmen mehrere Beamte sie in die Mitte und boxen ihnen den Weg frei durch Körper, Arme und Buh-Rufe. Angekommen. Aufgelöst und verängstigt guckt sie zurück und sagt: "Das ist ja wie im KZ-Gang." Er ist sauer: "So fängt der Faschismus an." Deshalb wollen die wohlsituierten Eheleute Mitte 50 auch ihre Namen nicht veröffentlicht sehen.

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Einsatz wegen Legida: Polizei-Großaufgebot in Leipzig

Foto: Peter Endig/ dpa

Legida klingt weniger nach AfD und mehr nach NPD

Auf einer Bank am Augustusplatz sitzen Martin und Gerhard. Beide Männer sind in ihren Sechzigern, tragen beigen Anoraks und sind aus Dresden gekommen. "Sowas würde es bei uns nicht geben." Sie meinen die lautstarken Gegenproteste.

Auf insgesamt 19 Veranstaltungen trommelten nach Angaben der Stadt rund 20.000 Menschen gegen Legida und damit etwas weniger als vergangene Woche in Leipzig - aber mehr als in den Vorwochen in Dresden.

Tatsächlich gibt es weitere Unterschiede zwischen Pe- und Legida, die kaum zu übersehen sind: Legida klingt schriller, undifferenzierter, weniger nach AfD mehr nach NPD. Die Pegida-Organisatoren sind zumindest nach Außen um einen seriösen Anschein bemüht. In Dresden versuchen sie stets, die Ressentiments gegen Flüchtlinge und Ausländer nicht zu laut werden zu lassen - man sei ja nicht gegen alle, nur gegen manche. Pegida-Chef Lutz Bachmann hatte sogar Muslime dazu aufgerufen, sich an den Demos zu beteiligen.

Die Legida-Chefs hingegen fordern in ihrer Präambel: "Kein Multikulti auf Regierungsbefehl" und "Würdiges Erinnern an unsere Geschichte, jedoch keine Generationenhaftung". Im Aufruf zur Demo heißt es: "Für Heimat, Frieden und deutsche Leitkultur." Slogans wie diese waren zwar auch vom Demo-Fußvolk in Dresden häufiger zu hören - die Organisatoren und Redner hatten aber stets peinlich genau darauf geachtet, dass ihnen selbst keine derart revisionistischen oder deutschtümeligen Parolen über die Lippen kommen.

In der Mehrzahl Wutbürger

Von der Leipziger Oper baumelt eine Fahne: "Vielfalt, Toleranz, Offenheit" steht darauf. Davor haben die Veranstalter eine große Bühne aufgebaut - anders als in Dresden mit vielen Scheinwerfern und gutem Soundsystem. Diese Bühne betritt nun Jürgen Elsässer. Und der Verschwörungstheoretiker, früher linksextrem, heute Redner auf den Montagsmahnwachen, heizt der Masse ein: "Gebt uns unsere Freiheit wieder", fordert er die USA auf, ihre Stützpunkte in Deutschland aufzulösen. "Diese Demokratie werden wir uns nicht nehmen lassen - weder von Washington, Brüssel oder Tel Aviv." Den Krieg in Syrien bezeichnet er als ein "Joint Venture aus CIA und IS".

Wie Legida tickt, verdeutlicht ein Blick auf die Köpfe der Bewegung. Legida-Organisator Jörg Hoyer wetterte letzte Woche beispielsweise gegen die "sklavische Ergebenheit gegenüber den Amerikanern". Hoyer, 50 Jahre, lebt in der Nähe von Dresden. Die FDP, deren Mitglied er ist, will ihn aus der Partei schmeißen. Ein weiterer wichtiger Mann hinter Legida ist Arndt Hohnstädter. Der 40-jährige Anwalt soll die Truppe juristisch beraten. Laut der Tageszeitung "Die Welt"  soll er für die sächsische Landtagsfraktion der rechtsextremen NPD Gutachten erstellt und die Partei auch im Bundestagswahlkampf beraten haben.

Legida, das sind in der Mehrzahl die Wutbürger, wie das Ehepaar Münzer. Doch Legida, das ist auch ein immer größeres Sammelbecken von Hooligans und Rechtsextremen. An der Demospitze ziehen knapp Tausend von ihnen durch die Stadt - vermummt mit Sturmmasken, obwohl die Anmelder das strikt verboten hatten. Einige tragen Pullis mit der Aufschrift "Hooligans gegen Salafisten". Mehrmals treten und schlagen sie nach Kameramännern und Journalisten.

Kluft zwischen Pegida und Legida

Auch den sächsischen Verfassungsschutz hat das alles aufmerksam gemacht. In einem Zeitungsinterview sagte der Präsident, Gordian Meyer-Plath, Legida sei im Vergleich zum Dresdner Original "entschlossener und viel radikaler". Besonders im Fokus stehen rechte Kameradschaften, die in Legida eine neue Plattform finden könnten, vermutet der Behördenchef. Selbst das Dresdner Original hat seine Vorbehalte mit dem Leipziger Ableger: In einer Pressemitteilung gab die Pegida-Sprecherin Oertel an, sie denke über eine Unterlassungsklage nach. Sie betonte: "Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen." Eine Kluft tut sich auf im Lager der Islamgegner.

* Name von der Redaktion geändert

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