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Linke gegen Polizei Der Böllerkrieg von Leipzig

Die Krawalle der Silvesternacht offenbaren Leipzigs Problem mit Linksextremisten. Dass die Lage eskaliert ist, liegt auch an der Linie der Polizei. Und an der Politik, die den Konflikt ausnutzen will.
aus DER SPIEGEL 3/2020
Ausschreitungen in Leipzig in der Silvesternacht: "Das hat mich verstört"

Ausschreitungen in Leipzig in der Silvesternacht: "Das hat mich verstört"

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SEBASTIAN WILLNOW / DPA

Das neue Jahr ist schon fast fünf Stunden alt, da zündet die Pressestelle der Polizei Leipzig den gewaltigsten Böller. Am 1. Januar um 4.42 Uhr gibt sie eine Erklärung heraus: Polizisten seien in der Silvesternacht im Stadtteil Connewitz "massiv angegriffen" worden. Mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und einem brennenden Einkaufswagen. Ein Beamter habe das Bewusstsein verloren und notoperiert werden müssen. Man ermittle daher wegen versuchten Totschlags.

Um 5.43 Uhr übernimmt die Deutsche Presse-Agentur die Meldung: "Polizist in Leipzig durch Pyrotechnik schwer verletzt." Um 11.13 Uhr beklagt Sachsens Innenminister "bewusste und gezielte Angriffe auf Menschenleben". Derartige Straftaten seien "mit aller Härte des Rechtsstaates" zu verfolgen. Um 14.09 Uhr verkündet das sächsische Landeskriminalamt (LKA), man ermittle inzwischen wegen versuchten Mordes.

Spätestens jetzt haben die alljährlichen Silvesterkrawalle der linksautonomen Szene in Connewitz die maximale Flughöhe in einer ansonsten nachrichtenarmen Zeit erreicht: ein Mordanschlag auf einen Polizisten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mahnt, die Tat zeige, dass menschenverachtende Gewalt auch von Linksextremisten ausgehe. Den Chef der Deutsche Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, erinnert der Fall "an die Ausbildung linksterroristischer Strukturen in den Siebzigerjahren" – also an die RAF. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der bei den rechten Ausschreitungen 2018 in Chemnitz keinen Mob und keine Hetzjagd erkennen mochte, spricht ebenfalls von linkem Terror.

Teile der glitzernden Boomstadt Leipzig, so scheint es, werden über Nacht zur No-go-Area erklärt. Wobei ausnahmsweise im Osten mal kein rechter Mob in den Straßen marodiert, sondern ein linker.

Es ändert nicht mehr viel, dass die Polizei Teile ihrer dramatischen Darstellung der Nacht wieder zurücknehmen muss. Der verletzte Polizist wurde doch nicht notoperiert, er wurde am Ohr genäht. Der brennende Einkaufswagen schoss wohl auch nicht wie ein Torpedo in die Reihen der Beamten, sondern wurde "in die Richtung" geschoben. Den Mordvorwurf freilich halten die Ermittler aufrecht.

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