Letzter Zug Journalisten in den Raucherraum

Der Raucherschutz ereilt nun auch die qualmenden Journalisten. Auf den meisten Parteitagen konnten sie in einer Presselounge nach Herzenslust ihrer Sucht nachgehen. Damit dürfte es bald vorbei sein.

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Berlin - Für Edmund Stoiber ist die Sache klar. Als der bayerische Ministerpräsident am Freitag bei der Präsentation des Raucherschutzgesetzes danach gefragt wurde, ob der restriktive Kurs des Freistaates auch auf künftigen CSU-Parteitagen eingehalten werde, war die Antwort bündig: "Ja, wir werden dann einen Nebenraum haben. Gesetze gelten für alle, auch für die CSU." Auch wenn das Gesetz erst im Januar 2008 in Kraft treten soll, dürften wohl schon Ende September die Süchtigen in der Medienbranche notgedrungen unter sich sein: Dann wählt die CSU auf ihrem Parteitag einen neuen Vorsitzenden und verabschiedet Stoiber.

Außenminister Steinmeier: Bekennender Raucher
REUTERS

Außenminister Steinmeier: Bekennender Raucher

Bislang hielten sich Journalisten zum herzhaften Qualmen in der sogenannten Presselounge auf. Die wurde, wie bei SPD, CDU und FDP, auch bei der CSU bislang vom Zigarettenkonzern Philip Morris gesponsert. Es war ein beliebter Ort, wo vor allem gegessen und Wasser, Säfte, Kaffee, und zum Abend hin, gelegentlich auch das eine oder andere Bier- oder Weinglas geleert werden konnte. Alles auf Kosten des Konzerns. Zigaretten wurden dort zwar nicht augenscheinlich angeboten - aber wer danach fragte, bekam sie - selbstverständlich ebenfalls ohne zu bezahlen.

Doch mit der Presselounge von Philip Morris hat es ein Ende. Denn im vergangenen Jahr beschloss das weltweit agierende US-Unternehmen, die jahrelange Praxis zu stoppen. Aus unternehmerischen Gründen, wie der FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt. Und, wie er hinzufügt, "leider". Denn die Presselounge habe ja auch insgesamt der Versorgung der Journalisten gedient, so der Liberale.

Zum letzten Mal hatte der Konzern Ende November seine Presselounge auf dem CDU-Bundesparteitag in Dresden unterhalten. Nicht nur zur Freude der rauchenden Journalisten, sondern auch der Politiker, die sich dort gelegentlich zum Gespräch einfanden. Dort standen sie dann zusammen, Raucher und Nichtraucher, an engen Stehtischen, und versorgten sich mit Einschätzungen und Informationen.

Als der Konzern seinen Ausstieg beschloss, berieten sich im vergangenen Jahr die Bundesgeschäftsführer beziehungsweise Schatzmeister aller im Bundestag vertretenen Parteien - inklusive Grüne und Linkspartei. Nun werde nach einem neuen Sponsor gesucht, der für alle Parteien das Konzept einer Medienlounge anbietet, erzählt FDP-Bundesgeschäftsführer Beerfeltz, der sich daran aktiv beteiligt. "Wir haben ja alle ein gemeinsames Interesse - dass sich die Journalisten bei uns so wohl fühlen wie möglich", so der Liberale.

Bei den Grünen war das letzte Mal 2005 auf dem Bundesparteitag in Oldenburg, für alle sichtbar, vom Tabakkonzern Reemtsma ein Parteitagsfest gesponsert worden."Danach nicht mehr", versichert der Vize-Parteisprecher Jens Althoff.

Denn Rauchen ist in der Ökopartei mittlerweile out - auf Beschluss von oben. Dem Qualmen auf Parteitagen hatte man im vergangenen Jahr den Kampf angesagt. Der Grünen-Bundesvorstand beschloss vor dem letzten Bundesparteitag in Köln ein allgemeines Rauchverbot. Wer trotzdem nicht anders konnte oder wollte, musste die Halle verlassen.

Die PDS/Linkspartei, die parallel zum Parteitag der westdeutschen WASG in Dortmund an diesem Wochenende über die für den Sommer vorgesehene Fusion beraten will, gibt sich ebenfalls strikt. Zumindest, was die eigenen Genossen angeht. Auch für das Foyer sei Rauchverbot erlassen worden, so PDS-Sprecherin Alrun Nüßlein. Im Presseraum allerdings setzen die Sozialisten in dieser Frage auf Basisdemokratie. Nüßlein: "Ob da geraucht werden kann, das müssen die Journalisten selbst entscheiden."



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