Leuna-Affäre Ex-Lobbyist Holzer will freies Geleit

Der in die Leuna-Affäre verwickelte deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer will sich nur dann den französischen Behörden stellen, wenn er nicht verhaftet wird. Prinzipiell stehe er den Ermittlern trotzdem zur Verfügung, momentan allerdings nicht in Frankreich, sagte der Ex-Lobbyist. Holzer wird per internationalem Haftbefehl von den Franzosen gesucht.


Wird von französischen Behörden gesucht: Dieter Holzer
DPA

Wird von französischen Behörden gesucht: Dieter Holzer

Saarbrücken - "Meine Anwälte haben mir geraten, dass sie zunächst Rechtsmittel gegen diesen Haftbefehl beantragen werden." Er betrachte den Haftbefehl als reine Willkür, sagte Holzer dem ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus"

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, die gegen Holzer wegen Beihilfe zu Untreue und Steuerhinterziehung ermittelt, schloss seine Auslieferung an Frankreich kategorisch aus. "Wir können Herrn Holzer nicht ausliefern, da er deutscher Staatsangehöriger ist und kein Deutscher an das Ausland ausgeliefert werden kann", erklärte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Johannes Mocken. Man könne allenfalls den französischen Behörden den Aufenthalt mitteilen, wenn er bekannt wird. Mocken fügte hinzu: "Sollten die französischen Behörden ein Vernehmungsersuchen an uns richten, können wir dem nachkommen, wenn wir ihn finden. Ansonsten haben wir keine eigenen Haftgründe."

Holzer bestätigte, dass er sich vorige Woche im saarländischen Wadern polizeilich angemeldet hat. Der Geschäftsmann bekannte sich auch zur Freundschaft mit dem flüchtigen ehemaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Ludwig-Holger Pfahls. Pfahls soll laut Ermittlungen der Augsburger Staatsanwaltschaft in seiner Amtszeit vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber für seine Dienste bei der Lieferung von "Fuchs"-Spürpanzern an Saudi-Arabien Bestechungsgelder von rund 3,8 Millionen Mark erhalten haben und wird deswegen vom Bundeskriminalamt weltweit gesucht.

Holzer war als Berater beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an das damalige französische Staatsunternehmen Elf Aquitaine tätig und hatte dafür 1992 rund 48 Millionen Mark an Provisionen kassiert. Seit längerem wird darüber spekuliert, ob ein Teil der Gelder als Wahlkampfhilfe in die Kassen der CDU geflossen sind, was Holzer bestreitet.



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