Leutheusser-Schnarrenberger Justizministerin entsetzt über britisches Abhörprogramm

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger spricht von einem "Alptraum à la Hollywood". Die Bundesjustizministerin fordert nach Enthüllungen über ein Schnüffelprogramm des britischen Geheimdienstes rasche Aufklärung. Unter dem Codenamen Tempora sollen gewaltige Datenmengen abgeschöpft worden sein.
Leutheusser-Schnarrenberger: "Treffen die Vorwürfe zu, wäre das eine Katastrophe"

Leutheusser-Schnarrenberger: "Treffen die Vorwürfe zu, wäre das eine Katastrophe"

Foto: Ole Spata/ dpa

Berlin - Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich entsetzt über Berichte gezeigt, wonach Großbritannien ein noch viel umfangreicheres Abhörprogramm betreiben soll als die USA. "Treffen die Vorwürfe zu, wäre das eine Katastrophe", sagte sie. "Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Alptraum à la Hollywood." Die Aufklärung gehöre sofort in die europäischen Institutionen, forderte die stellvertretende FDP-Vorsitzende.

Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian"  überwacht der Geheimdienst GCHQ Telefon- und Internetkabel und gibt große Mengen von persönlichen Informationen an die US-Behörde NSA weiter. Das Programm mit dem Codenamen Tempora bestehe seit etwa eineinhalb Jahren, berichtete das Blatt.

Demnach zapfen die Geheimdienstler Glasfaserkabel an, durch die der transatlantische Datenverkehr abgewickelt wird. Die Informationen dürften bis zu einem Monat lang gespeichert werden. Die betroffenen Unternehmen seien verpflichtet, darüber kein Wort zu verlieren, und könnten zu dieser Kooperation notfalls gezwungen werden, hieß es weiter.

Der "Guardian" beruft sich auf Dokumente, die der Zeitung vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zugespielt wurden. Dieser hatte auch das NSA-Spähprogramm Prism enthüllt, mit dem Nutzerdaten der großen Internetkonzerne wie Google, Facebook und Microsoft ausgewertet werden. Snowden, der sich derzeit in Hongkong versteckt, wurde in seiner Heimat am Freitag offiziell der Spionage beschuldigt. Die Regierung in Washington stellte inzwischen gegen den 30-Jährigen Strafanzeige.

wit/Reuters/AFP/dpa
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