Rüstungsexporte Israelis wurden im Libanonkrieg 1982 Opfer deutscher Raketen

In den Siebzigerjahren kaufte Syrien in Frankreich Panzerabwehrwaffen, an deren Herstellung auch ein deutscher Konzern beteiligt war. Nach SPIEGEL-Informationen kamen die Raketen später gegen israelische Soldaten zum Einsatz.

Helmut Schmidt (r.) im Gespräch mit dem französischen Präsident Giscard d'Estaing, 1980: "Voll kooperativ"
Heinrich Sanden/ DPA

Helmut Schmidt (r.) im Gespräch mit dem französischen Präsident Giscard d'Estaing, 1980: "Voll kooperativ"


Syrien hat im Libanonkrieg 1982 Raketen deutscher Herkunft gegen die israelischen Streitkräfte eingesetzt. Nach Angaben israelischer Militärs zeigten die Waffen eine "verheerende Wirkung"; mindestens sieben israelische Panzer wurden zerstört.

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Das hat der Berliner Historiker Hubert Leber in einer Studie herausgefunden, über die die "Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte" in ihrer nächsten Ausgabe (4/2019) berichten. Syrien hatte die Raketen vom Typ "Milan" und "Hot" in den Siebzigerjahren erworben. Der Münchner Konzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm und das französische Staatsunternehmen Aérospatiale produzierten die Panzerabwehrwaffen gemeinsam, die Exportgenehmigung erteilte Paris.

Als das geheime Waffengeschäft 1978 aufflog, behaupteten deutsche Diplomaten erst, Bonn habe vom geplanten Verkauf nach Syrien keine Kenntnis gehabt, was nachweislich nicht stimmt.

Abstimmung "ohne öffentliches Geräusch"

Den Israelis gegenüber erklärte Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) dann, die Exportgenehmigung sei eine Entscheidung Frankreichs, die man nicht beeinflussen könne. Dabei hat Bonn in jenen Jahren mehrfach ein Veto eingelegt gegen Waffenexporte aus deutsch-französischer Produktion durch Paris, etwa nach Südafrika.

Als Kanzler Helmut Schmidt (SPD) und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d'Estaing 1978 über die Ausfuhrproblematik sprachen, versicherte Schmidt, die Bundesregierung sei "voll kooperativ", man solle sich nur "ohne öffentliches Geräusch" abstimmen.

Kurz vor dem Libanonkrieg 1982 legte die Bundesregierung in der bis heute gültigen "Israel-Klausel" fest, bei Rüstungsexporten "auch die geschichtliche Verantwortung der Deutschen gegenüber dem jüdischen Volk" zu berücksichtigen.

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klw



insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
herm16 06.09.2019
1. ja und
was hat Israel an Waffen von uns bekommen und gegen wen würden sie eingesetzt?
TheBlackJack 06.09.2019
2. finde den Fehler
israelische Besatzer wurden Opfer deutscher Waffen. Mir kommen die Tränen.
herbert 06.09.2019
3. an deren Herstellung auch ein deutscher Konzern beteiligt war.
BETEILIGT !!!! Es ist etwas anderes wie deutsche Raketen ! Wenn man damals wie heute die Kriegsgeräte betrachtet, so sind Unmengen an Firmen weltweit wirtschaftlich darin verwickelt. Die vielen Spezialfirmen machen erst ein gutes Produkt ! Da müsste man die ganze Welt anklagen, wenn es um Militärwaffen geht. Alle wollen daran verdienen! Es ist leider so !
rjb26 06.09.2019
4. und heute
gegen Zivilbevölkerung im Jemen, Irak, Syrien.....
pole.poppenspeeler.3 06.09.2019
5. Die Waffen fressenihre eigenen Kinder
So ist es nun mal mit Waffenexporten. wer einmal Waffen ausliefert weiß letztlich nicht, wer damit erschossen wird. Die US-Amerikaner wurden sogar schon von den selbstgelieferten Waffen angegriffen. Da brauch der Spiegel nicht jammern, oder will er mal wieder schlechtes Gewissen hervorrufen
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